Gericht

Ein Gemischtwarenladen in Sachen Drogen

Vor dem Landgericht Hagen musste sich ein Iserlohner Drogenhändler verantworten.

Foto: Ilka Wiese

Vor dem Landgericht Hagen musste sich ein Iserlohner Drogenhändler verantworten. Foto: Ilka Wiese

Hagen/Iserlohn.   Ein 39-jähriger „Konsumdealer“ ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Sein Hund wurde bei der Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten erschossen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Auswertung der „WhatsApp“-Nachrichten auf seinem Handy brachten es an den Tag: Bei einem 39-jährigen Iserlohner, der sich vor dem Landgericht Hagen wegen Besitzes und Handels von Rauschgift zu verantworten hatte, konnten Kunden Drogen der verschiedensten Art kaufen. Sei es nun Haschisch oder Marihuana, Kokain oder Amphetamin – sogar Viagra sowie Kamagra, die flüssige Form des Potenzmittels, hatte der Mann im Angebot. Der Polizei war der Iserlohner schon seit längerem bekannt, doch selbst zwei Wohnungsdurchsungen mit anschließendem Verfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz konnten ihn nicht zur Raison bringen.

Im Juni vergangenen Jahres war es wieder einmal soweit. Nachdem die Hagener Staatsanwaltschaft eine weitere Durchsuchung der Wohnung des „Konsumdealers“ – also eines Konsumenten, der seinen eigenen Bedarf durch kleine Geschäfte finanziert – veranlasst hatte, bekam er in den frühen Morgenstunden erneut unerwarteten Besuch. Diesmal aber stürmte gleich ein Sondereinsatzkommando durch das Schlafzimmerfenster in die Wohnung. Der Grund: Während einer Telefonüberwachung hatte die Polizei mitgehört, dass der Verdächtige eine scharfe Waffe besäße und von dieser auch Gebrauch machen werde, wenn die Polizei käme. Laut Verteidiger Andreas Trode habe es sich aber um die Telefonüberwachung in einem ganz anderen Fall gehandelt, ein massiver SEK-Einsatz sei überhaupt nicht notwendig gewesen. Und auch die Tatsache, dass bei der Stürmung der Wohnung der Hund des Angeklagten erschossen worden war, sei nicht nachzuvollziehen. Denn der lag friedlich im Wohnzimmer auf der Couch, und von einem Angriff des Hundes war in den späteren polizeilichen Berichten nichts zu finden.

Die Hälfte des „Stoffs“ war zum Weiterverkauf bestimmt

Tatsache ist jedoch, dass der Iserlohner Haschisch, Marihuana, Kokain und Amphetamin in nicht geringer Menge bei sich zu Hause hatte, inklusive vier Waagen und Verpackungsmaterial. Zugute gehalten wurde ihm, dass nur die Hälfte des Stoffs zum Weiterverkauf bestimmt war, der Rest soll „Eigenbedarf“ gewesen sein. Gefunden wurde aber noch eine Machete, zwei Schwerter, ein Schlagstock, ein Beil und ein großes Messer. Nach Ansicht des Gerichts Waffen, mit denen er seine Ware vor Dieben verteidigen wollte.

Der Iserlohner, der schon mehrfach wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss, vorsätzlichem Vollrausch und Körperverletzung verurteilt worden war, hatte sich in der Verhandlung geständig gezeigt. In wieweit er selbst drogensüchtig ist oder es sich bei ihm „nur“ um schädlichen Gebrauch handelt, konnte ein Gutachter nicht zweifelsfrei sagen, da der Angeklagte selbst keine Angaben zu seinem Konsum machen wollte. Am Ende wurde er zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt, strafmildernd wirkte sich auch der gewaltsame Tod seines Hundes aus.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik