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Ein Hochhaus fast im Dornröschenschlaf

Im Haus Bieler Straße 81 steht der Aufzug, die Außenanlagen und der Eingangsbereich sind ungepflegt. Die Verwaltungsgesellschaft Vivanium hat zusagt, sich der Probleme anzunehmen.

Im Haus Bieler Straße 81 steht der Aufzug, die Außenanlagen und der Eingangsbereich sind ungepflegt. Die Verwaltungsgesellschaft Vivanium hat zusagt, sich der Probleme anzunehmen.

Foto: Andreas Drees / IKZ

Iserlohn.  Bieler Straße 81: Der Aufzug steht, die Mieter sind verärgert. Verwalter Vivanium will jetzt handeln.

Was passieren kann, wenn ein neuer Eigentümer ein Haus kauft und dabei auch die Verwaltung wechselt, können gerade die Mieter in mehreren größeren Mehrfamilienhäusern an der Bieler Straße in Gerlingsen erfahren. In den Häusern Nummer 85 und 89 hatten die Stadtwerke angekündigt, wegen ausgebliebener Zahlungen das Wasser abzustellen (wir berichteten). Nun haben sich Bewohner des Hauses Nummer 81 gemeldet: In dem Gebäude mit acht Etagen funktioniert der Aufzug seit dem 6. Juli nicht mehr. Monteure wurden bislang nicht gesehen.

Die Gemeinsamkeit der drei Häuser: Sie waren zuvor im Besitz des Vonovia-Konzerns, wurden Anfang des Jahres verkauft und werden nun von der Firma Vivanium mit Hauptsitz in Mannheim und Niederlassungen unter anderem in Düsseldorf für den neuen Eigentümer verwaltet. Nach Auskunft von Vivanium handelt es sich dabei um einen in Deutschland ansässigen Fonds. „Seitdem diese Firma das übernommen hat, passiert ja gar nichts mehr“, berichtet eine Mieterin, die in einem der oberen Stockwerke wohnt. Nicht nur auf den Aufzug bezieht sie sich. Auch ein Hausmeister und der Reinigungsdienst seien längere Zeit nicht gesehen worden. Ein Aushang im Treppenhaus, auf dem die Putzfirma ihre Arbeit im Treppenhaus bestätigt, zeigt den 17. Juni als letztes Datum. Und im oberen Teil des Treppenhauses sei das Licht ausgefallen.

Alte Dame mit Rollator steckt in ihrer Wohnung fest

Es ist vor allem der nicht funktionierende Aufzug, der den Mietern das Leben schwer macht. Berichtet wird von einer alten Dame mit Rollator, die seit dem Ausfall das Haus nicht mehr verlassen kann. Einkäufe müssen die Treppen hinauf getragen werden. Wer kommt und geht, bekommt ein unfreiwilliges Sportprogramm verordnet. Acht mal 16 Stufen bis zum obersten Stockwerk, plus weitere sieben Stufen im Eingangsbereich, macht 135 Stufen für einen Weg – das hat ein anderer Mieter aus dem Haus nachgezählt, der ebenfalls mit der aktuellen Verwaltung unzufrieden ist.

Dass der Aufzug auch mal ausfällt, das kennen die Hausbewohner schon. Dass ihnen die beauftragte Aufzugsfirma, die unlängst gewechselt habe, mitteilt, der Auftrag sei storniert worden, und es läge für eine Reparatur kein Auftrag vor, sei neu. Auch die Erreichbarkeit der neuen Hausverwaltung und die ausbleibenden Serviceleistungen insgesamt sorgen für Unmut. Über den früheren Vermieter Vonovia, sonst häufig in der Kritik, äußern sich die Mieter, die mit der Heimatzeitung sprechen, positiv: Handwerker habe man erreichen können, Reparaturen seien ausgeführt worden. Auch der Zustand rund ums Haus sei ein ganz anderer gewesen.

Neben dem Aufzug stellt der defekte automatische Schließer an der Eingangstür ein Ärgernis für die Bewohner dar. Aber auch hier sei trotz Meldung an die Verwaltung nichts passiert. Im Keller fehlt teilweise die Beleuchtung, Abteile sind aufgebrochen, Technikräume nicht abgeschlossen, obwohl das früher so vorgesehen gewesen sei.

Das Umfeld des Hauses mit Zugängen, Parkplätzen, Garagen und einem Kinderspielplatz hat offensichtlich seit langem keine ordnende Hand mehr gesehen. Pflanzen und Unkraut gedeihen munter, Laub liegt überall herum, ein wenig Müll ebenso. Und der Spielplatz am Haus wirkt eher abstoßend als einladend, weil die Pflege fehlt. Das Haus selbst, kann der Besucher leicht feststellen, ist keineswegs heruntergekommen, die Lage gut und ruhig, und sogar die Hausgemeinschaft, wie die Mieter berichten, sei von guter Qualität. Aber die neue Verwaltung . . .

Deren Chef Dirk Tönges, „Managing Partner“ der Vivanium GmbH, reagiert verständnisvoll. „Ich verstehe, dass die Leute beunruhigt sind, was die Arbeiten angeht“, sagt er im Telefonat mit der Heimatzeitung und konkret zum Aufzug: „Den reparieren wir.“ Er spricht von einem erheblichen Bearbeitungsstau in seinem Unternehmen, der durch die längere Krankheit des zuständigen „Property Managers“, des für die Iserlohner Häuser verantwortlichen Objektverwalters, ausgelöst worden sei. Durch die Krankheit seien Rechnungen liegen geblieben – mehrere Hundert, wie der Geschäftsführer beziffert. Tönges hatte sich bereits in der vergangenen Woche zur Wassersperre in den Nachbarhäusern geäußert und mitgeteilt, dass diese auf keinen Fall stattfinden werde. Ein Grund für dieses Problem sei auch, dass die Stadtwerke die Rechnungen auf eine falsche Firma ausgestellt hätten, erklärt er nun ergänzend.

Mieterinformation soll noch diese Woche erfolgen

Mittlerweile sei wegen der Rückstände ein Mitarbeiter aus einer anderen in die Düsseldorfer Niederlassung geschickt worden. Tönges betont ausdrücklich, dass die Probleme nicht durch die Zahlungsbereitschaft des neuen Eigentümers verursacht worden seien. Der sei solvent und lege Wert auf die Unterhaltung der Objekte.

Verärgert sind die Mieter im Haus Bieler Straße 81 indes auch, weil sie nicht per Aushang über die Störung und den Fortgang der Angelegenheit informiert worden seien. „Man kann mit uns reden. Man hätte uns einfach benachrichtigen müssen“, sagt eine Frau. Das soll nun wohl passieren. In einer Mail an die Heimatzeitung schreibt Vivanium-Manager Tönges: „Wir stehen im Kontakt mit Versorgern (Wasser) und Aufzugsfirma bezüglich der Reparatur. Weiterhin werden wir diese Woche noch eine Mieterinformation herausgeben, in der wir zum einen erklären, dass es zu keiner Abschaltung der Versorgung kommen wird (das haben wir bereits geklärt), und das betreffende Haus mit dem Aufzug bekommt ein Update zur Reparatur. Hier erwarte ich morgen eine Info der Aufzugsfirma, wann die Reparatur fortgesetzt und abgeschlossen wird.“ Auch zum weiteren Fortgang will er sich äußern.

Was sich beim Hausbesuch an der Bieler Straße 81 aber auch zeigt: Die Mieter, die sich äußern, wohnen gerne in dem Hochhaus, das wohl Ende der 60er Jahre errichtet worden ist. Von einem Umzug spricht keiner. Nur mehr Zuwendung für das Gebäude und schnellere Reaktionen durch die Verwaltung, das wünschen sich die Bewohner sehnlichst.

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