Landtagswahl

Ein Irland-Urlaub veränderte sein Gesicht

Michael Scheffler auf der Grürmannsheide.

Michael Scheffler auf der Grürmannsheide.

Foto: Stefan Janke

Iserlohn.   Die Landtagskandidaten im Iserlohner Wahlkreis 121: Michael Scheffler kandidiert für die SPD.

„Meine Frau und ich gehen gerne spazieren“, sagt Michael Scheffler. Und am liebsten auf der Grürmannsheide. An diesem „Lieblingsort“ treffen wir den SPD-Landtagsabgeordneten und Wahlkreiskandidaten für die Landtagswahl am 14. Mai. „Hier kann man gut auftanken, wenn man viel unter Termindruck gestanden hat. Da kommt man wieder runter.“

Über den Fuhrweg erreichen wir den Papenholzweg, einen der höchsten Punkte der Grürmannsheide. Hier lässt Scheffler gerne den Blick in die Weite schweifen. „Normal dauert die Runde 45 Minuten, mit dem Hund etwas länger“, meint Scheffler. Länger dauere es auch, wenn er jemanden treffe, „was meistens passiert“.

SPD-Direktkandidat Michael Scheffler im Interview

„Hier in der Region bin ich verwurzelt“

Michael Scheffler, Jahrgang 1954, ist in Letmathe geboren und am Dümpelacker aufgewachsen. Sein Onkel hatte dort ein Haus, die Eltern darin eine Wohnung. Auch der Opa und eine Tante leben in dem Haus. Mit einem Bruder und einer Schwester verbringt er viel Zeit draußen. „Der Wald war vor der Tür, auf den Wiesen haben wir Fußball gespielt. Da hat er Freiräume genossen, „die heutige Kinder so vielleicht nicht mehr haben“. Letmathe im allgemeinen und später dann Oestrich im besonderen sind bis heute Schefflers Lebensmittelpunkt geblieben: „Hier in der Region bin ich verwurzelt-.“

Nach der Volksschulzeit an der Albert-Schweitzer-Schule folgen die mittlere Reife an der Realschule Letmathe und eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Hoesch. IG Metall, Jugendvertreter, Vertrauensmann und Betriebsrat: Noch während der Ausbildung wird Scheffler 1971 Mitglied der SPD: vielleicht auch Folge eines politischen Elternhauses mit gewerkschaftlicher Orientierung. In Letmathe setzt sich der junge Michael Scheffler für die Einrichtung eines Jugendzentrum ein, kommt so auch zu den Jusos. Peter Leye und Ulrich Dragon, aber auch Peter Felsberg lernt er so kennen. „Das war eine tolle Zeit. Eine Zeit des Aufbruchs“, offen und unbefangen sei man an Themen herangegangen. Eine wilde Zeit? Nun, an Auswüchse will man bei Michael Scheffler nicht so recht glauben, „aber den einen oder anderen langen Abend“ habe es schon gegeben. Die Themen von damals seien auch heute noch oder wieder aktuell: Versorgung mit Wohnraum, ÖPNV oder „Arbeiterkinder im Bildungssystem“. Und da kommt das Gespräch an einen Punkt, wo es nur noch ein Schritt zum aktuell beherrschenden kommunalpolitischen Thema ist: der Bau einer zweiten Gesamtschule. Da hätten die Eltern mit den Füßen abgestimmt, meint Scheffler, und: „Die SPD war immer schon die Partei, die sich dafür eingesetzt hat, dass Aufstieg durch Bildung möglich ist.“

Von großer – wenn auch nicht politischer – Bedeutung ist ein Irland-Urlaub im Jahr 1974. Denn hier beschließt der junge Mann, sich einen Bart wachsen zu lassen. Und mal ehrlich: Können Sie sich Michael Scheffler ohne Bart vorstellen? Einmal hat der SPD-Mann wohl gewankt. Da hat es dann aber sofort Proteste der beiden Töchter gegeben. Und die hatten Erfolg.

Die Sozialpolitik und die Kinder- und Jugendpolitik sind von Beginn an Schefflers politische Schwerpunkte. Seit 1989 ist er Vorsitzender des Sozialausschusses im Iserlohner Rat, außerdem ist er sozialpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Das sozialpolitische Engagement war es wohl auch, dass 1987 zu einem beruflichen Wechsel hin zur SPD-nahen Arbeiterwohlfahrt führte. Es folgen hier verschiedene Geschäftsführertätigkeiten, die AWO ist auch da, als Scheffler, seit 1995 im Landtag, von 2005 bis 2010 eine Auszeit vom Landesparlament erdulden muss. Aktuell ist Scheffler Vorsitzender des AWO-Bezirksverbandes Westliches Westfalen und Vize-Präsident im Bundesverband.

„Im besten Sinne Lobbyist für meinen Wahlkreis“

Verändert die Abgeordneten-Tätigkeit einen Menschen? „Man wird nachdenklicher, fragt stärker nach. Und wenn man Gesetze berät, weiß man, dass immer auch Interessen im Spiel sind. Da muss man auch wissen, wer hinter diesen Interessen steht, um die Dinge abwägen zu können. Erfahrung ist da wichtig“, sagt Scheffler. Man könne viel für den Wahlkreis bewegen, wenn auch keine Wunderdinge. Ein aktuelles Beispiel: Michael Scheffler hat sich wegen des geplanten und viel diskutierten Neubaus der Eisenbahnüberführung an der Leckingser Straße an den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn in NRW, Werner Lübberink, gewandt. Nach der Landtagswahl, so der Abgeordnete, werde es einen Ortstermin in Kalthof geben. „Ich verstehe mich in Düsseldorf im besten Sinne als Lobbyist für meinen Wahlkreis.“ Und da freue man sich, wenn Dinge, für die man lange gearbeitet hat, endlich klappen. Beispielsweise, als Landesverkehrsminister Michael Groschek signalisiert habe, dass sich der Weiterbau der A 46 weiter in der Planung befinde und tatsächlich realisiert werden solle. Eine schöne Erfahrung sei es auch, wenn man von Menschen aus dem Wahlkreis persönlich angesprochen werde, wenn die etwas auf dem Herzen hätten. „Es ist toll, wenn ich da vermittelnd tätig werden kann und sich so auch etwas bewegt.“

Martin Schulz, die neue Lichtgestalt der SPD, kennt Michael Scheffler noch nicht persönlich. Als Schulz als Parlamentspräsident Südwestfalen besucht habe, „hatte ich Termine in Düsseldorf“. Gibt es den Schulz-Faktor auch weiter? „Mir war klar, dass der Hype nach der Nominierung wieder abflachen würde und so etwas wie politischer Alltag einkehrt“, meint Scheffler. Aber wenn ihm zu Jahresbeginn jemand gesagt hätte, dass die SPD auf 31 bis 33 Prozent klettern würde, „hätte ich denjenigen für jeck gehalten“. Die aktuelle Entwicklung zeige eindeutig, dass einzelne Personen in der Politik etwas bewegen können.

Am 14. Mai möchte Michael Scheffler den Wahlkreis wieder direkt gewinnen. „Aber ich habe schon an anderer Stelle gesagt: Wenn man einmal seinen Wahlkreis direkt gewinnt, bedeutet das nicht automatisch, dass es wieder klappt.“ Daher gehe er mit Demut in die Wahl. Und dem Wissen, dass der Wähler der Souverän ist. Ein gutes Schlusswort, Michael Scheffler widerspricht dieser Einschätzung nicht.

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