Kirche

Ein Jahrhundertprojekt für St. Aloysius

Die Feith-Orgel in der St.-Aloysius-Kirche entspricht nicht den Anforderungen der Musik und des Raums.

Die Feith-Orgel in der St.-Aloysius-Kirche entspricht nicht den Anforderungen der Musik und des Raums.

Foto: Michael May

Iserlohn.   In zwei Jahren wird die Kirche saniert. Ein Förderfonds des Bistums macht auch einen Orgelneubau möglich.

Tobias Aehlig hatte schon früh erkannt, dass der Orgel irgendwie der „letzte Wumms“ fehlt, Christopher Brauckmann hatte es rundweg abgelehnt, Orgelkonzerte in der Aloysius-Kirche zu geben, und auch der neue Dekanatskantor Tobias Leschke räumt ein, dass die große Orgel ziemlich gruselig klingt. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr: Die Feith-Orgel in der Aloysius-Kirche ist schlichtweg nicht in der Lage, große Orgelliteratur adäquat erklingen zu lassen, sie entspricht weder den Anforderungen des riesigen Kirchenraums noch denen der hauptamtlichen Kirchenmusiker, die in der jüngeren Vergangenheit hoch oben auf der Orgelempore mit großer Virtuosität ihren Dienst versehen.

Die Unzufriedenheit mit dem Instrument soll nun aber in naher Zukunft der Vergangenheit angehören. Wie Pfarrer Johannes Hammer am Sonntag am Rande des Auftaktkonzertes von Tobias Leschke mitteilte, soll im Zuge der groß angelegten Kirchenrenovierung, die in zwei Jahren ansteht, nach jetzigem Planungsstand auch eine neue Orgel für Aloysius gebaut werden. Beides zusammen – Komplettsanierung und Orgelbau – kommt dann einem Jahrhundertprojekt gleich, das nur möglich wird, weil das Bistum Paderborn einen Fonds angelegt hat, um die Kirchenmusik in der ganzen Diozöse auch über Orgelmodernisierungen zu fördern. Die Aloysius-Kirche als größte Pfarrkirche des Bistums habe dabei Priorität, der Orgelbau soll vom Bistum mit 75 Prozent gefördert werden. Auch die Kirchensanierung werde vom Bistum mitgetragen. Dennoch werde das Gesamtpaket auch für die Iserlohner Gemeinde einen enormen finanziellen Kraftakt bedeuten.

Hinter den Plänen des Bistums steht die einfache Frage, was die Menschen in Zeiten schwindender Mitglieder- und Gottesdienstbesucherzahlen überhaupt in die Kirche zieht. Die Kirchenmusik spielt dabei eine wichtige Rolle. Pfarrer Hammer spricht von einer Brückenfunktion, um Menschen an die Kirche zu binden. Ganz ähnliche Überlegungen haben ja auch den Förderverein zum Erhalt der Bauernkirche dazu bewogen, in diesem Jahr einen ehrgeizigen Orgelneubau zu verwirklichen, um den Betrieb der Kirche über Konzertbesuche dauerhaft finanzieren zu können. Die Erkenntnis, dass Musik mehr Menschen anzieht als vieles andere, hatte zuletzt bereits im Bistum Paderborn zu einer kirchenmusikalischen Offensive geführt, bei der 19 Dekanatskantorenstellen eingeführt worden waren, um die Kirchenmusik auch in der Fläche strukturell zu stärken und qualitativ anzuheben.

Aufwertung der Kirchenmusik im gesamten Bistum

Einer dieser Dekanatskantoren sitzt in Iserlohn und ist für das märkische Sauerland zuständig. Nun folgt der zweite Schritt, indem diese neuen Kantoren auch mit den passenden Instrumenten, die ihren Fähigkeiten und ihrem Anspruch genügen, ausgestattet werden – ein Glücksfall für Iserlohn.

Konkrete und spruchreife Pläne oder Kostenrahmen gibt es derweil weder für die Sanierung noch für die neue Orgel. Fest steht, dass die Kirche, deren Grundsteinlegung sich in diesem Jahr zum 125. Mal jährt, in den 1970er Jahren zum letzten Mal umfassend saniert wurde. Mit einem neuen Innenanstrich, das verriet Pfarrer Hammer bereits, werde es nun nicht getan sein. Die Kirche wird eine komplett neue Licht- und Ton-Technik und baulich auch eine neue Akustik bekommen. Der enorme Nachhall, der jedes Musizieren erschwert, soll dabei von sieben auf vier Sekunden verkürzt werden. Die riesige Kirchenhalle soll natürlich erhalten bleiben, dennoch soll die Kirche zukünftig flexibler auch für kleinere Gottesdienst-Formen oder Konzert-Situationen nutzbar werden.

„Es bietet sich an, zeitgleich mit der Sanierung auch eine neue Orgel einzubauen“, freut sich Pfarrer Hammer über den frisch aufgelegten Förderfonds des Bistums, der dieses Ziel nun realistisch werden lässt. Noch größer ist die Freude über diese Entwicklung natürlich bei Kantor Tobias Leschke. Die Orgel der Paderborner Firma Feith stammt in ihrem Ursprung aus den Jahren 1924/25. Erste Veränderungen wurden 1961 vorgenommen, 1974/75 erfolgte ein weiterer tiefgreifender Umbau durch die Orgelbaufirma Sauer zu ihrer heutigen Form im neobarocken Stil mit rund 40 klingenden Registern. 2005 fand dann noch eine Generalreinigung und Neuintonation durch die Orgelbaufirma Stockmann statt.

Zweijährige Planungsphase für das neue Instrument

Es sei viel an dem Instrument herumgedoktert worden, sagt Leschke, ohne es aber jemals konsequent an den riesigen Kirchenraum anzupassen. Sie passe klanglich einfach nicht zur Kirche. Besonders problematisch sei, dass ein Großteil der Pfeifen im Schwellwerk rechts im Turm untergebracht seien und somit gar nicht gut in die Kirche strahlen können. Auch die elektronische Technik sei veraltet und anfällig. Zudem sei er wohl der einzige hauptamtliche Organist, der nicht über eine computergesteuerte Setzeranlage verfügt, die es ihm ermöglicht, alle erforderlichen Registerkombinationen einzuprogrammieren und per Knopfdruck abzurufen, anstatt wie zu Bachs Zeiten per Hand zu registrieren. Die neue Orgel wird also sehnlichst erwartet. Um dem Kirchenraum gerecht zu werden, ist bereits jetzt von einem deutlich größeren Instrument mit rund 60 Registern die Rede. Wie das aber aussehen und klingen wird, steht noch lange nicht fest. Pfarrer Hammer geht von einer zweijährigen Planungsphase aus.

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