Stadtbücherei

Ein neuer Standort wird gesucht

Bücher gibt es reichlich in der Stadtbücherei. Aber die Präsentation ist nicht mehr zeitgemäß,  und es fehlt an Möglichkeiten, sich direkt vor Ort mit den Medien zu beschäftigen.

Foto: May

Bücher gibt es reichlich in der Stadtbücherei. Aber die Präsentation ist nicht mehr zeitgemäß, und es fehlt an Möglichkeiten, sich direkt vor Ort mit den Medien zu beschäftigen.

Iserlohn.   Der Kulturausschuss und der Rat sollen einen Grundsatzbeschluss zum Thema Stadtbücherei fassen.

Eine tolle historische Fassade, überhaupt ein Gebäude mit viel Geschichte und im Herzen der Innenstadt gelegen – da sollte man doch eigentlich denken, einen besseren Standort für die Stadtbücherei könne es nicht geben. Die Realität sieht aber anders aus. Im Alten Rathaus steht eine Publikumsfläche von rund 850 Quadratmetern zur Verfügung, und damit liegt Iserlohn deutlich unter dem Durchschnitt von Städten vergleichbarer Größenordnung. Der Kulturausschuss (7. März) und der Rat (20. März) sollen daher einen Grundsatzbeschluss fassen, die Stadtbücherei in einem anderen – ebenfalls zentral gelegenen – Gebäude unterzubringen. Als angestrebte Fläche werden 2250 Quadratmeter genannt, mit dem Beschluss soll die Verwaltung ermächtigt werden, alternative Standorte zu suchen.

Nun kann man nicht sagen, dass dieser Vorstoß die Politik oder die interessierte Öffentlichkeit wie der Blitz trifft. Die Erkenntnis, dass der Standort Altes Rathaus modernen Ansprüchen an eine öffentliche Bibliothek nicht mehr genügt und ein entsprechender Umbau am Standort nicht realistisch ist, ist in den letzen Jahren parteiübergreifend gereift. Das ist seit 2015 auch Tenor im Kulturausschuss. Mit dem freien Grundstück am Bahnhofskreisel (neben „Stoltefuß“) war zuvor ja auch schon mal ein Alternativstandort ins Gespräch gebracht worden.

Im unteren Bereich einschlägiger Empfehlungen

In Städten einer Größenordnung von 50 000 bis 150 000 Einwohnern liegt die durchschnittliche Größe der Büchereien laut Drucksache der Verwaltung bei 1700 Quadratmetern. Neu gebaute Bibliotheken kommen noch auf ganz andere Werte. Als Beispiele werden Norderstedt (76 000 Einwohner, 2700 Quadratmeter Publikumsfläche), Hanau (93 400 Einwohner, 4200 Quadratmeter) oder Siegburg (43 000 Einwohner, 2200 Quadratmeter genannt). In den Niederlanden oder Skandinavien würden Bibliotheken noch großzügiger ausfallen. Insofern bewege man sich mit dem Vorschlag, in Iserlohn eine Vergrößerung auf 2250 Quadratmeter (Publikumsfläche 2000 Quadratmeter) vorzunehmen, noch eher im unteren Bereich einschlägiger Empfehlungen.

Eine zentrale Lage ist ein unabdingbarer Faktor

Warum mehr Raum für die Stadtbücherei? Der Grund ist nicht unbedingt der Wunsch, deutlich mehr Medien in den Bestand aufzunehmen, sondern vielmehr die Einsicht, dass in einer modernen Bücherei eine großzügigere Präsentation der Medien unverzichtbar ist. Eine moderne Bücherei werde längst auch als Informations- und Kommunikationszentrum definiert, ein Aufenthalts-, Lern- und Begegnungsort für alle Altersgruppen und Bevölkerungsschichten. Unabdingbar dafür sei auch eine zentrale Lage.

Erinnert wird in diesem Zusammenhang an die Anforderungen, die bereits 2014 in eine von den Mitarbeitern der Stadtbücherei im Rahmen eines vom Land geförderten Projektes erarbeiteten Bibliothekskonzeption eingeflossen sind: hohe Aufenthaltsqualität für alle Generationen, ein Multifunktionsraum mit Veranstaltungen für bis zu 80 Personen, gut ausgestattete Einzelplätze für Nutzer mit entsprechender technischer Ausstattung wie PC, Drucker oder Scanner, eine Kinderbücherei in zusammenhängender Fläche mit Sitzplätzen in Klassenstärke, Krabbelfläche und Gruppenarbeitsplätzen, ein ansprechend gestalteter Bereich mit Schülercenter für Jugendliche sowie ein Lesecafé oder eine vergleichbare Einrichtung.

Fehlende Flexibilität in den Räumlichkeiten

Thema ist auch die Barrierefreiheit, die in den meisten Bereichen der bestehenden Stadtbücherei zwar grundsätzlich gegeben ist, aber wohl eher behelfsmäßig ausfällt. Verschiedene Ebenen und ein insgesamt verwinkelter Publikumsbereich sowie fehlende Flexibilität in den Räumlichkeiten werden als weitere Nachteile der Ist-Situation aufgezählt.

Es drängen sich natürlich einige Fragen auf. Welche Kosten könnten durch eine Verlagerung der Stadtbücherei entstehen? Gibt es bereits Standort-Favoriten? In welchem Zeitrahmen könnte es zu einer Realisierung kommen? Und: Was geschieht mit dem Alten Rathaus, wenn sich die Stadtbücherei tatsächlich von dort verabschiedet hat? Der Ressortleiter für den Bereich Kultur, Jochen Köhnke, kann hier noch nicht mit belastbaren Aussagen dienen. In Sachen Kosten müsse ja erst einmal die Entscheidung fallen, ob die Stadt selber entsprechende Räumlichkeiten baut, oder ob auch die Anmietung eines passenden Objektes in Betracht kommt. Und die Standortsuche solle nun ja erst beginnen. Eine grundsätzliche Möglichkeit, so Köhnke auf entsprechende Nachfrage, sei es ja, das Thema Stadtbücherei in die Planungen rund um den Schillerplatz mit einfließen zu lassen. Zum Zeitplan sagte Köhnke soviel: Innerhalb von zwei Jahren sollte Klarheit über den zukünftigen Standort der Stadtbücherei bestehen. Zur Nachfolgenutzung für das Alte Rathaus sagte er, dass es denkbar sei, dort repräsentative Räumlichkeiten für die Stadt Iserlohn einzurichten, etwa für Ehrungen oder den Empfang besonderer Gäste. Bei der Beurteilung, ob es dafür einen Bedarf gibt, sei auch die Politik gefragt. Denkbar sei auch eine gastronomische Nutzung.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik