Schauspiel

Eine Komödie mit ganz viel Drama

Die Gruppe „[pu:r vu]“ verspricht mit dem Stück „Gekaufte Braut“ einen Abend zum Lachen und Nachdenken.

Foto: Michael May

Die Gruppe „[pu:r vu]“ verspricht mit dem Stück „Gekaufte Braut“ einen Abend zum Lachen und Nachdenken. Foto: Michael May

Iserlohn.   Das Team von „[pu:r vu]“ präsentiert ab Freitag Norm Fosters „Gekaufte Braut“ im Parktheater-Studio

Der Parkplatz vor dem Parktheater ist gähnend leer, das Foyer des Großen Hauses nicht so beleuchtet, als würde gleich das Publikum hineinströmen. Ein paar Männer in Schwarz stehen herum, links und rechts an der Wand sitzen Frauen in Ledersesseln. Es wird nicht viel gesprochen, aber es herrscht eine „kribbelige“ Atmosphäre. Davon ist eine Etage tiefer, im Studio, nichts zu spüren. Es ist Montag, und die Premiere steht am Freitag an, aber hektisch wirkt niemand.

„[pu:r vu]“-Regisseur Bernd Nobst sitzt auf einem Stuhl in einer der hinteren Reihen. Immer wieder unterbricht er Stefan Schüttler und Steffi Foryta, die gerade eine komplizierte Vater-Tochter-Szene auf die Bühne bringen sollen. „Lauter“, lautet einer von Nobsts Wünschen, bevor er sich Zeit nimmt für ein Gespräch über das Stück, die Besetzung und den Nachwuchs. Dass er Norm Fosters „Gekaufte Braut“ ausgewählt habe, sei ihm beim Lesen schnell klar gewesen. „Das Stück wird zwar als reine Komödie angepriesen, da ist aber auch viel Drama drin.“

Charaktere entwickelnsich im Laufe des Stückes

Zwischen den Figuren gebe es im Laufe der Geschichte „tolle Konflikte“, während eine traurige und realistische Familientragödie aufgearbeitet werde. Junggeselle Joe (Roman Weiss) engagiert bei einem Begleitservice die naive Renee (Katharina Büthe), um sie beim anstehenden Familientreffen seinem Vater (Stefan Schüttler) vorzustellen. Das Verhältnis von Joe und seiner Schwester Carrie (Steffi Foryta/Elli Trost) zum Vater ist seit Jahren angespannt. Daher wird es umso spannender, als er sich mit seiner Frau Phyllis (Steffi Krage) ankündigt. Was folgt, sind jede Menge Wortgefechte und Missverständnisse. Renee, die von Regisseur Nobst gleichermaßen als naiv und süß bezeichnet wird, springt zwar mit Anlauf in jedes Fettnäpfchen, aber schafft es zur Überraschung aller auch, den grantigen Vater in die Schranken zu weisen.

Eines der Missverständnisse lösen Vater und Tochter gerade emotional auf der Bühne, während die stillen Momente immer wieder von Dudelsack- und anderen Klängen durchbrochen werden. Die Musik gehört nicht zum Stück, sondern zu den 58th Scottish Volunteers, die montags im Theater proben.

Vom Technikerzur Hauptrolle

Bernd Nobst stört auch das nicht. Er freut sich, mit Roman Weiss einen Schauspiel-Anfänger dabei zu haben. „Er hat sich bisher immer um die Technik gekümmert“, erklärt der Regisseur, der dem Wunsch von Weiss nach einer Hauptrolle gerne nachkam. Und auch Stefan Schüttler spielt seine erste große Rolle, nachdem er in einer der letzten „[pu:r vu]“-Inszenierungen etwa fünf Minuten in einem Stück spielte. „Wir freuen uns auch über weiteren Nachwuchs, vor allem jüngere Männer fehlen“, sagt Nobst. Er weiß um die Herausforderungen des Theater-Hobbys, bei dem es nicht mit kurzen Proben und gefeierten Auftritten abgetan ist. „Sonst haben wir unsere Probenwochenenden immer in Berchum verbracht, nachdem die Jugendbildungsstätte geschlossen hat, haben wir es im Studio gemacht“, beginnt der Regisseur zu schwärmen, denn: „Es war eines der besten Wochenenden in den letzten 15 Jahren. Die wollten gar nicht mehr aufhören, haben am Samstag von 10 bis 1.15 Uhr und am Sonntag statt von 14 bis 15 Uhr gleich fast bis 20 Uhr geprobt“.

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