Wirtschaft

Eine Stadt ohne Werbegemeinschaft als „Lachnummer“

Reinhard Adam

Foto: Fotostudio Tölle

Reinhard Adam Foto: Fotostudio Tölle

Iserlohn.   Die Händler aus der Innenstadt bedauern das Aus des City-Managements. Sie fordern nun einen Schulterschluss.

Ein Stadt der Größe Iserlohns ohne eine eigene Werbegemeinschaft – eigentlich undenkbar. „Unding“, „geht gar nicht“, „Lachnummer“ – so äußern sich Händler der Innenstadt, befragt zu dem am Mittwoch beschlossenen Aus des City-Managements zum Jahresende (wir berichteten).

Reinhard Adam, Inhaber der Optik Adam GmbH, sagt, es müsse nun schnell eine Alternative her. Der Einzelhändler war seit den Anfängen 1999 dabei. „Damals stand das Ganze noch auf gesunden Füßen.“ Damals, das waren die Zeiten, als das Budget in Hochphasen 300 000 Mark betrug. Verwaltung und Industrieunternehmen hätten Geld gegeben, um für eine lebendige Innenstadt und Wohnqualität zu sorgen – vorbei. Zuletzt lag das Budget bei kaum mehr als 20 000 Euro. Nach dem Ausscheiden des hauptamtlichen Citymanagers Mike Ebert vor über zehn Jahren sei es bergab gegangen, auch das Engagement der Händler habe nachgelassen. Adam: „Es braucht jetzt junge Leute.“

Eben dies glaubt auch Volker Hellhake. Der Inhaber von „Life Sport“ sieht aber nicht nur Händler und eine mögliche Nachfolgeorganisation des City-Managements in der Pflicht: „Die Innenstadt ist wie ein großes Einkaufszentrum. Ärzte, Verwaltung, Vermieter, alle: ,Es geht nur gemeinsam.’“

Das Ende des City-Managements sei keiner Seite allein anzulasten. Sauberkeit, Graffiti entfernen, Parkgebührenrückerstattung, Sicherheit und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt – auch die Händler hätten hier mehr zur Besserung beitragen können, meint Hellhake, der warnt: „Schauen Sie in andere Städte im Sauerland, die veröden. Iserlohn steht auf der Kippe. Wenn das passiert, kann man es nicht einfach zurückdrehen.“

Auch eine Händlerin, die nicht genannt werden möchte, weil sie als Mitglied der letzten Sitzung des City-Managements fern blieb, sieht Gefahr aufziehen: „Das City-Management hat viel Gutes bewirkt, wie das Late-Night-Shopping. Und was wollen Sie mit dem geringen Budget mehr leisten? Jetzt wird jeder für sich etwas machen, anstatt gemeinsam. Das ist schlecht.“

Ähnlich hatte sich bei der Auflösungsversammlung am Mittwoch auch die letzte Vereinsvorsitzende Kirsten Opris geäußert: „Es gibt in der Innenstadt kleine Kreise, die etwas bewirken, allerdings eben nicht zusammen wirken.“

Wie berichtet, war der Handel zuletzt am City-Management kaum noch aktiv beteiligt. 23 Vollmitglieder hatte der Verein, zur Versammlung erschienen ganze zwölf. Geschäftsführerin Beate Evers hatte fehlende Handlungsspielräume, Budget und Unterstützung beklagt.

Filialisten, die sich nicht beteiligen, fehlendes Engagement – „wir sprechen immer von Leuten, die nicht da sind“, kritisierte darum Händler Werner Kaiser (Bijou) das Fernbleiben vieler Kollegen. Peter Skuthan, Vertreter von Kirsten Opris, meinte gar: „Wenn die Händler sich einig wären, hätten wir wohl sogar den Wegfall der verkaufsoffenen Sonntage (durch Verdi, Anm. d. Red.) verhindern können.“

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