Interview

„Erfolg ist nun mal kein Glück, sondern das Ergebnis einer Haltung“

Durchblick mit Ausblick: Dr. Burkhard Fritz (l.) und sein Bruder Volker entwerfen am Phoenix-See Strategien rund um „Unternehmerkraft“ und „Fritz-Effekt

Foto: Privat

Durchblick mit Ausblick: Dr. Burkhard Fritz (l.) und sein Bruder Volker entwerfen am Phoenix-See Strategien rund um „Unternehmerkraft“ und „Fritz-Effekt Foto: Privat

Iserlohn/Dortmund.   Der Iserlohner Dr. Burkard Fritz erklärt mit Bruder Volker nachdenklich fragenden Unternehmern das eigene Kraft-Potential.

„Ich bin Diplom-Kaufmann, habe also von der Pike auf gelernt, wie Unternehmen funktionieren.“ Sagt der Iserlohner Dr. Burkhard Fritz (55), der zusammen mit seinem Bruder Volker (51) das Beratungsunternehmen mit dem nicht gerade tief stapelnden Namen „Fritz-Effekt GmbH“ führt. Die beiden meinen: „Was liegt zwischen dem Jetzt und einer erfolgreichen Zukunft? Unternehmerkraft – die schöpferische Kraft der Sieger.“ Grund genug, Dr. Burkhard Fritz, selbst schon seit 28 Jahren selbstständig und bei näherer Betrachtung seines Firmensitzes am Dortmunder Phoenix-See wohl eher auch auf der Erfolgsseite einzustufen, zu einem Verständnis-Gespräch ins Wichelhovenhaus zu bitten.

Herr Dr. Fritz, woher nehmen Sie die Kraft und das Wissen, selbst zu wissen, wie und in welche Richtung Unternehmer ihr Unternehmen führen sollten?

Zunächst einmal ganz einfach, weil ich selber Unternehmer bin. Und zwar mit ganzem Herzen. Meinen Bruder und mich hat immer ganz grundsätzlich interessiert, was einen erfolgreichen Unternehmer von einem nicht erfolgreichen Unternehmer unterscheidet. Da hat uns natürlich zunächst einmal natürlich das Eigeninteresse getrieben, denn wir wollten ja erfolgreiche Unternehmer sein. Und wir haben in der Tat einen Unterschied festgestellt, dem man sogar einen Namen geben kann: die Unternehmerkraft. Das ist etwas, was gerade hier in unserer Region überaus ausgeprägt ist.

Definieren Sie den Begriff noch einmal genauer.

Unternehmerkraft ist die Lust auf Zukunft. Die Lust auf Visionen. Die Lust, die Zukunft unternehmerisch zu stemmen. Und bei genau diesem Prozess haben wir sehr viele Unternehmer begleitet und dabei auch sehr viel erfahren, konnten Expertisen erarbeiten, die wir in Modelle gegossen haben. Das wiederum ermöglicht es uns, als Inkubatoren für Unternehmerkraft zu fungieren.

Die Unternehmerschaft der heimischen Region wird in Teilen auch geprägt von richtigen, oft unverwechselbaren „Typen“. Ist so etwas reproduzierbar?

Ja und nein. Natürlich prägen diesen Typen auch die DNA eines Unternehmens. Die man sogar spürt, wenn man in die Unternehmen reingeht. Die man aber auch sichtbar machen kann. Spannend ist das zum Beispiel bei Fragen der Nachfolge. Viele Unternehmer finden niemanden, weil sie falsch suchen. Sie machen sich keine Gedanken über die eigene DNA, über das, was eigentlich ihren Erfolg ausmacht.

Wissen viele Unternehmer also überhaupt gar nicht so ganz genau, warum sie erfolgreich sind?

Spannende Sache. Wenn wir Unternehmen fragen, worin sie die Gründe für ihren Erfolg sehen, dann gibt es klassisch bis zu vier mögliche Antworten. Zunächst: Wir haben tolle Mitarbeiter. Wir haben tolle Produkte. Wir haben tolle Märkte. Plötzlich wird es erst einmal ruhiger und dann sagen viele: Wir haben Glück gehabt. Und dann sage ich: Das bedeutet also, dass rund 25 Prozent Ihres Erfolges esoterisch bedingt ist? Das kann doch wohl nicht sein. Wenn man dann den wahren Gründen auf den Grund geht, der wirklichen Erfolgs-DNA nachspürt, dann bekommt man plötzlich auch wirkliche Gründe. Und dann stellt man fest, dass jedes Unternehmen seine ganz eigene Erfolgs-DNA hat. Erfolg ist nun mal kein Glück, sondern das Ergebnis einer Haltung, einer Arbeit, einer Einstellung, also von Menschen geprägt. Das sichtbar zu machen, das ist dann eben ein Fritz-Effekt.

Stichwort Familienunternehmen: Kann man so eine DNA auf natürlichem Wege vererben oder bedarf es immer eines Lernprozesses?

Vielleicht nicht in der klassischen biologischen Vorstellung, aber mit der immer intensiveren Bewusstmachung kann ich die eigenen Werte auch weitergeben.

Haben Sie denn immer den Eindruck, dass die DNA, die Ihnen von dem jeweiligen Unternehmer widergespiegelt wird, am Ende auch tatsächlich zutrifft? Dass nicht Lücken zwischen Realität und Wahrnehmung klaffen? Nehmen wir das Beispiel des Betriebsklimas. Zwischen die Ansichten des Unternehmers und des Betriebsrates können doch Welten klaffen.

Das ist ja dann auch unsere Aufgabe, eben diese Unterschiede und vor allem auch die Wahrheit herauszuarbeiten. Da treten wir auch als Sparringspartner auf. Und als Sparringspartner darf und muss man auch verteilen.

Alle Welt redet derzeit von Gründern, Gründerprogrammen, Gründerhochschulen. Man erwartet von eben diesen Gründern, dass sie viel über Finanzen und Marketing wissen. Aber müssten sie nicht auch viel mehr über Erfolgsrezepte und -geheimnisse wissen?

In der Tat wird viel Wert auf klassische Merkmale wie Businessplan und ähnliches gelegt. In Amerika haben wir ja gerade eine ganz andere Welle. Im Silicon Valley will niemand mehr einen Business-Plan haben. Die schauen sich nur noch die Typen an. Wer ist das? Was hat der für eine Idee? Sie haben da völlig Recht. Wir müssten eigentlich viel mehr über uns Menschen wissen, müssten uns darüber im Klaren sein, wo wir wirklich hinwollen, was unser Erfolgsbild ist. Es ist und wäre viel wichtiger, die Menschen auf genau diesem Weg zu begleiten.

Kann man Sozialkompetenz vererben oder lernen?

Sozialkompetenz haben wir alle in uns. Die Frage ist: wie weit lasse ich sie raus. Man kann man aber auch das lernen. Man kann lernen, die Sozialkompetenz in sich zu erkennen. Gemeint sind ja damit meist die weichen Faktoren wie Empathie.

Lassen sich Unternehmer in der Regel erst dann beraten, wenn die Erfolgskurve nach unten zeigt, oder kommen sie auch, damit der Erfolg konstant bleiben möge?

Unsere Kunden sind Wachstumskunden, die erfolgreich sind. Aber es gibt grundsätzlich zwei Stoßrichtungen: Die einen sagen, mir geht’s gut, aber mir fehlt trotzdem was. Wir haben kein Bild davon, wo wir in den nächsten zehn oder fünfzehn Jahren sein wollen.

Zwischenfrage: Wie universell muss man als Berater denn da aufgestellt sein? Sie gehen heute zu einem Maschinenbauer und morgen zu einem Unterhosen-Produzenten. Woher wissen Sie, wo die alle in zehn Jahren sein wollen oder müssten?

Jetzt kommen wir zum Fritz-Effekt. Unsere Aufgabe ist es, dieses Wissen aus dem Unternehmer und seinen Mitarbeitern herauszuholen. Wir geben die Lösung nicht vor. Wir geben nur Impulse und stellen auch unbequeme Fragen, aber die Lösung liegt immer im Unternehmen. Also die Antwort auf die Frage, wie man Unternehmerkraft freisetzt.

Womit wir wieder beim Zauberwort wären.

Ja, das Wort „Unternehmerkraft“ als Kern der Bemühungen haben wir vor vier Jahren erfunden, das gab es vorher nicht.

Kommen auch Firmen zu Ihnen, die sich vom Tempo der weltweiten Entwicklungen einfach überfordert fühlen?

Das merken wir gerade massiv. Auch das Thema „Digitalisierung“ macht unsicher, wohin die Reise geht. Die Unternehmer merken mehr und mehr, dass der Druck von außen immer größer wird. Also hört man überall die Frage, wie denn nun die Zukunft, die eigene Zukunft, aussieht. Aber es gibt natürlich auch den Unternehmer, der sagt: Ich weiß genau, wo ich hin will, habe ein Bild, aber ich bekomme meine Mannschaft nicht mit, weil sich bei Veränderungen bekanntlich erst einmal alle Menschen schwer tun.

Wenn ich jemanden fit machen will für Zukunft: Darf der nur noch nach vorn schauen oder muss der auch den Blick nach rechts und links wenden?

Ich bin ja nicht allein auf der grünen Wiese. Ich muss natürlich nach rechts und links schauen, muss den Markt intensiv beobachten. Noch gestern hat mir ein Unternehmer gesagt: Die Wettbewerber kommen gar nicht mehr nur aus der eigenen Branche, die kommen inzwischen ganz woanders her.

Sehen Sie Ihre Aufgabe auch darin, diesem Heer von glattgespülten Business-Menschen überhaupt mal wieder zu Ecken und Kanten also Konturen zu verhelfen?

Ja, wenn wir heute über Führungskraft und Unternehmerkraft sprechen, dann brauchen wir auch Menschen, die das verkörpern. Wir fordern die Menschen auf, ihre Persönlichkeit neu zu entdecken – und sie auch wieder herauszulassen. Aber in dem Mittelstand, in dem wir viel unterwegs, gibt es übrigens die Kräfte mit Ecken und Kanten in großer Zahl.

Gibt es für Unternehmer ein nachvollziehbares Konzept für ein erfolgreiches Miteinander im Betrieb? Natürlich kann man Palmen in den Pausenraum stellen. Und einen Whirlpool. Und die Leute dürfen ihren Hund mit ins Büro bringen und im Sommer in kurzen Hosen rumlaufen. Aber ist das wirklich Führungs- oder Unternehmerkraft?

Nein, die Lösung heißt vielmehr, authentisch zu sein. Das vergessen wir gern. Glaubwürdigkeit steht nach wie vor an erster Stelle bei den Kriterien für Erfolg. Erfolgreiche Führungskräfte sind auch einfach nur Mensch. Ein Mensch, den ich einschätzen kann, auf den ich mich verlassen kann. Das ist übrigens ein Thema, das heute in den Ausbildungen und an den Universitäten viel zu kurz kommt. Da geht es immer um Zahlen und um Sachen, aber nie oder nur selten um die Menschen. Zum Glück kommt aber inzwischen das Thema Business-Psychologie langsam auf. Wir merken, dass die Menschen offener werden.

Wissen Sie selbst denn eigentlich, wo sie in zehn Jahren sein wollen?

Tatsächlich habe zusammen mit meinem Bruder eine Vision für die nächsten zehn Jahre. Wir haben ein Bild, wo wir uns in zehn Jahren sehen. Davor haben übrigens viele Angst, weil sie glauben, sie müssten so eine Vision zu detailgenau erarbeiten. Müssten ihre genauen Umsätze in zehn Jahren kennen. Darum geht es aber gar nicht. Es geht um Märkte und Kundenverbindungen. Man kennt die Antworten noch nicht, aber man hat es auf dem Plan.

Sie selbst arbeiten mit Ihrem Bruder zusammen, sagen, Sie seien spezialisiert auf Familien-Unternehmen, die zum Beispiel von Geschwistern geführt werden. Erleichtern Visionen den Brüdern die Zusammenarbeit?

Es ist ein wichtiger Punkt dafür, weil alle in die gleiche Zukunft arbeiten. Aber es ist auch ein großer Wert, das grundlegende Vertrauen, das da ist, auf eine Zukunft zu richten. Ein fast unbezahlbarer Wert, der Familienunternehmen so stark macht.

Aber könnte bei einer Brüder-Beratung auch rauskommen: Vergesst es, mit Euch beiden . . . das wird nichts!

Ich möchte das anders formulieren. Das wäre natürlich ein ärgerlicher Endpunkt. Aber es gibt eben auch viele Möglichkeiten, diese Konflikte schon vorher aufzulösen.

Auf welchem Markt bedienen Sie sich für qualifizierte Mitarbeiter?

Wir sind in der komfortablen Situation, dass wir im Moment unter zahlreichen Bewerbern wählen zu können. Offenbar sind wir derzeit interessant für andere. Sowohl beim Nachwuchs als bei den gesetzteren Kräften.

Ist so eine Beratungs-Nachfrage eigentlich ein deutsches Phänomen oder kennen internationale Märkte und Systeme das genauso?

Das Wort „Unternehmertum“ ist zunächst einmal ein deutsches Wort. Die Amerikaner nehmen „entrepreneurship“, also haben sie noch nicht mal ein eigenes Wort dafür. Die Wurzeln liegen in der Tat mit Sicherheit im Schwerpunkt in Deutschland.

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