Burg-Aufzug

Erlebnis-Aufzug soll die ganze Stadt wachküssen

Altenas Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein führte unserer Leserinnen und Leser durch die Baustelle.

Altenas Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein führte unserer Leserinnen und Leser durch die Baustelle.

Foto: IKZ

Altena.   Einen exklusiven Einblick in die Fortschritte der Bauarbeiten für den Altenaer Burg-Aufzug erhielten 50 Leserinnen und Leser der Heimatzeitung am Samstag. Altenas Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein nahm sich gern Zeit für unsere Leser.

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Baustoffe und Werkzeuge liegen herum, Kabel ragen aus den kahlen Betonwänden heraus, rasch kriecht eine unangenehme Kälte durch Mark und Bein. Wer in dieser Atmosphäre Besuch empfängt, hat normalerweise nur dann Gewinnchancen, wenn er am Wettbewerb zum schlechtesten Gastgeber des Jahres teilnimmt – normalerweise. 51 Leserinnen und Leser der Heimatzeitung aus Hemer, Letmathe und Iserlohn sind nämlich am Samstag zu Fahrer Enrico Opitz in den kostenlos bereitgestellten Sonderbus der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) in Richtung Altena gestiegen, um die Jahrhundert-Baustelle dieses arg gebeutelten Städtchens nacheinander in zwei Gruppen zu besichtigen.

Aufzug als Hoffnungsträger

Altena, das seit Jahren für Begriffe wie Leerstand, Einwohnerschwund und Perspektivlosigkeit steht, will mit dem ehrgeizigen Projekt „Wir holen die Burg ans Lenneufer“, auf die Überholspur wechseln und sich selbst ganz neu erfinden. Rettungsanker soll der Erlebnis-Aufzug zur Burg Altena sein. Am 26. April, so Altenas Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein bei der Begrüßung unserer Leser, dürften die ersten offiziell durch einen 90 Meter langen Stollen zum neuen Aufzug gelangen, der sie senkrecht durch den Berg in knapp 30 Sekunden 80 Meter nach oben befördert. Während Teile des Tunnels vor vielen hundert Jahren bereits als Eiskeller und im letzten Krieg als Luftschutzraum genutzt wurden, ist der Fahrstuhl neu.

Hergestellt wurde von er Dortmunder Firma Janzhoff, wie Altenas Stadtplaner Roland Balkenhol erklärte. „Otis ist aber besser“, rief Teilnehmer Uwe Alberts dazwischen und hatte die Lacher damit auf seiner Seite. Ohne es wahrscheinlich vermutet zu haben, entlockte er Balkenhol damit noch weitere Details. Die großen und bekannten Aufzug-Hersteller wie Thyssen-Krupp oder Kone hatten ihren Hut bei der Auftragsvergabe gar nicht erst in den Ring geworfen.

In Altena soll scheinbar unmögliches möglich gemacht werden. Alberts, der später erzählte, dass er früher als Maurer-Polier 48 Jahre auf dem Bau beschäftigt war, liebt schwierige Projekte. „Hier hätte auch ich auch gern mitgearbeitet.“ Auf dem Weg zum Fahrstuhl grüßen demnächst Burgherr Dietrich von der Mark, der heilige Einhard und zahlreiche Figuren regionaler Sagen in kleineren Filmbeiträgen, die in den Bavaria-Studios bereits produziert wurden – damit wäre auch geklärt, weshalb es sich um einen Erlebnis-Aufzug handelt. Balkenhol: „Nur mit Tunnel und Aufzug alleine hätten wir niemals die Förderung bekommen.“ Knapp sieben Millionen Euro wird das Projekt verschlingen – die Finanzierung ist seit der Vergabe des dritten Stern durch das Strukturförderprogramm „Regionale Südwestfalen“ gesichert.

Kritiker milde gestimmt

Wegen der Höhe der Summe stieß das Projekt aber auf erheblichen Widerstand – auch bei der Hemeranerin Christine Schmidt, wie sie auf der Hinfahrt gestand: „Ich bin dabei, weil ich eigentlich eine Gegnerin dieser Sache bin, aber ich will mich eines Besseren belehren.“ Nach der Führung hörte sich das schon etwas anders an. „So viel kann ich noch nicht sagen, aber ich glaube schon, dass das Sinn macht, es hörte sich ganz gut an.“ Der Optimismus, den Hollstein und Balkenhol versprühten, begründet sich unter anderem durch die Bereitschaft großer Busunternehmen, künftig Reisen zur Burg anzubieten. Und wenn die Touristen dann den einen oder anderen Euro in der Stadt lassen, ist der Plan praktisch schon aufgegangen. „Wenn das funktioniert, ist das ein Magnet“, war ein weiterer Leser überzeugt.

Damit ist die Geschichte dieses Samstagnachmittages aber noch nicht vollständig erzählt: Busfahrer Enrico Opitz schlüpfte nämlich noch in die Hauptrolle des letzten Kapitels: Er wollte seinen bestens aufgelegten Fahrgästen einen Gefallen tun, indem er während der Führung die Standheizung seines Busses laufen ließ. Dass dies zur Erschöpfung der Batterie führte, merkte er, als er vergeblich versuchte, den Motor zu starten. Nur 20 Minuten gingen ins Land, bis die MVG einen Ersatzbus bereit gestellt hatte. „Wir müssen ja schließlich mal alle MVG-Busse ausprobieren“, scherzte eine Leserin und gab damit bestens die Stimmung der Gruppe wieder.

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