Wachsende Unruhe

Erste Rück- und Austritte aus der GFI

Ein Bild aus besseren Tagen: Nun ist Gerlinde Hampe (3.v.l.)

Foto: Janke

Ein Bild aus besseren Tagen: Nun ist Gerlinde Hampe (3.v.l.) Foto: Janke

Iserlohn.  Wurde Ugur Ünals offizieller E-Mail-Account nur aus Versehen gelöscht?

Ist es nun wirklich so, dass das Amt Ugur Ünals als 1. Vorsitzender der Wählergemeinschaft Gemeinsam für Iserlohn (GFI) nur ruht, und zwar auf Wunsch Ünals? So liest sich jedenfalls eine Stellungnahme der GFI, die wir in der gestrigen Ausgabe veröffentlichten. Also alles mehr oder minder friedlich an der GFI-Front? Eine Facebook-Nachricht von Ugur Ünal wirft Zweifel an dieser Darstellung auf. Darin beklagt Ünal, dass sein E-Mail-Account bei der GFI gelöscht wurde, jedenfalls erhalte er keine Mail mehr. „Traurig, wenn man bedenkt, dass ich immer noch offiziell der Vorsitzende der Organisation bin“, schreibt Ünal.

Nächste Woche, schildert Ünal in dem Post weiter, wolle er Stellung beziehen zu den Aussagen der „GFI-Führungsriege Lutz Tölle, Michael Joithe und Gerlinde Hampe“. Und er wolle Konsequenzen daraus ziehen. Es gibt keine offiziellen Aussagen, es wird aber im Umfeld der GFI damit gerechnet, dass mit „Konsequenzen“ ein Austritt aus der GFI gemeint ist. Dass Ünal in seinem Facebook-Post auch Gerlinde Hampe erwähnt, resultiert daraus, dass Ünal zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte, dass Gerlinde Hampe gestern Vormittag von ihrem Amt als stellvertretende GFI-Vorsitzende zurückgetreten und aus der Wählergemeinschaft ausgetreten ist.

Hampe bestätigt den selben Schritt auf Anfrage unserer Zeitung. Sie stellt auch klar, dass sie die GFI-Stellungnahme vom Donnerstag (wir berichteten), in der auch ihr Name am Fuß der Mitteilung genannt wurde, nicht gekannt habe. „Es ist nicht mehr die GFI, die ich mit begründet habe“, begründet Hampe ihren Rücktritt. „Wir waren damals als Idealisten angetreten, davon ist heute leider nichts mehr zu spüren“, sagt Gerlinde Hampe. Zeitgleich vollzog Dr. Martina Hahn-Hübner diesen Schritt. „Die Dinge haben sich anders entwickelt, als ich sie mir von einer Alternative zu den etablierten Parteien erwartet habe“, begründet sie ihren Austritt.

Zu Ünals Vorwürfen mit dem E-Mail-Account sagte auf Nachfrage der stellvertretende GFI-Vorsitzende Michael Joithe, dass man Ugur Ünal aus dem Vorstandverteiler habe löschen wollen. Das sei auch angemessen, da Ünal ja sein Amt ruhen lasse. Möglicherweise, so Joithe, sei dabei der komplette Account versehenlich gelöscht worden. Daher habe man den Internetdienstleister gebeten, das zu überprüfen. Im Ergebnis, so Joithe, funktioniere der E-Mail-Account von Ugur Ünal wieder, es bleibe aber dabei, dass er aus dem Vorstandsverteiler entfernt worden sei.

Zur Spekulation, ob Ünal mit den angekündigten Konsequenzen seinen Austritt meint, sagte Joithe, dass sich da Ünal selber äußern müsse. Fakt sei aber, „das wir ihn nicht rausgeschmissen haben“, erklärt Joithe.

Nach unseren Informationen soll Ünal unzufrieden damit sein, dass Michael Joithe und der zweite Vorsitzende Lutz Tölle der GFI zunehmend einen konservativ-liberalen Stempel aufdrücken würden und sich das aber mit den Gründungszielen der GFI nicht decken würde. Dazu Joithe: „Es mag ja sein, dass Herr Ünal das erzählt“, inhaltliche Auseinandersetzungen seien aber nicht Bestandteil des Streits gewesen. Ursache seien vielmehr persönliche Differenzen und dabei seien auch Worte gefällen, die so wohl nicht hätten fallen dürfen.

Mitgliederversammlungam 19. Oktober

Wie geht es nun weiter, wenn auch Ugur Ünal tatsächlich seinen Austritt aus der GFI erklären würde? Joithe erwartet, dass er dann zunächst gemeinsam mit Lutz Tölle weiter kommissarisch die GFI führen würde. Letztlich, so Joithe, sei das ja schon bei der krankheitsbedingten Pause von Ünal so gewesen. Am 19. Oktober findet eine Mitgliederversammlung der GFI statt. Könnte es dann Neuwahlen geben? Nein, sagt Michael Joithe, das sei wegen einzuhaltender Fristen nicht möglich. Sehr wohl möglich sei es aber, dass die Mitgliederversammlung eine außerordentliche Mitgliederversammlung anberaumt, auf der dann ein neuer Vorstand gewählt werden könnte. Aber das ist ja vorläufig noch Spekulation.

Joithe bezeichnetet Ünalals „Motor“ der GFI

Michael Joithe betont aber auch, dass aus seiner Sicht das Tischtuch mit Ugur Ünal noch nicht zerschnitten sei. Ünal sei zweifelsfrei in den ersten 15 Monaten der noch jungen GFI-Geschichte der „Motor“ gewesen. Und es wäre schade, wenn dieses Kapitel nun wegen eines persönlichen Streits beendet würde.

Einige Spekulationen gehen derweil noch weiter. Nach den Rücktritten von Gerlinde Hampe und Dr. Martina Hahn-Hübner, so ist zu hören, sollen noch weitere Austritte aus der GFI bevorstehen. Und auch eine mögliche Neugründung wird demnach nicht mehr ausgeschlossen. Möglicherweise mit Beteiligung von Ugur Ünal, sofern der in der kommenden Woche tatsächlich seinen Rücktritt aus der GFI verkündet.

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