Schule

Erster Schultag wie ein Neubeginn

Der erste Tag mit Schülerspezialverkehr an der Brabeckschule ist geglückt. Schulleiter Thilo Pelzing und MVG-Mitarbeiter Chris Gronwald nehmen die Busse in Empfang.

Der erste Tag mit Schülerspezialverkehr an der Brabeckschule ist geglückt. Schulleiter Thilo Pelzing und MVG-Mitarbeiter Chris Gronwald nehmen die Busse in Empfang.

Foto: Ralf Tiemann / IKZ

Iserlohn.  Der Trägerwechsel bringt für den Iserlohner Standort der Brabeckschule viele Veränderungen.

Erster Schultag – es mag gut geölte Schulen geben, in denen auch dieser Tag unter „Business as usual“ abgehakt wird. An der Brabeckschule in Iserlohn ist das nicht so. Der Trägerwechsel von der Stadt Iserlohn auf den Märkischen Kreis und die damit verbundene Reduzierung der Standorte der Förderschule von drei auf zwei bringt so viele Veränderungen mit sich, dass sich der gestrige Tag für viele Schüler und Lehrer wie ein echter Neuanfang anfühlte.

„Für mich ist das ein ziemlich ungewohntes Bild“, sagt Schulleiter Thilo Pelzing angesichts von 121 Schülern, die sich inzwischen auf dem Schulhof tummeln. Als er vor vier Jahren die Leitung der Förderschule übernommen hat, waren es 53 an diesem Standort, im vergangenen Jahr 65. Nun kommen die Kinder vom geschlossenen Hemeraner Standort dazu und es wird langsam eng. Die Kapazitäten der Schule seien erreicht, obwohl sie früher einmal für bis zu 180 Kinder ausgelegt war. Die Nachmittagsbetreuung in dem gebundenen Ganztag und die kleinen Klassengrößen von durchschnittlich 14 Kindern ergeben aber einen größeren Raumbedarf.

Von der „Läutevorrichtung“ zum Glasfaseranschluss

In seinem Lehrerzimmer kramt Thilo Pelzing das Protokoll einer Schulkonferenz aus dem Jahr 1902 hervor. Amüsiert liest er vor, dass die damalige „Evangelische Ostschule“ da eine „elektrische Läutevorrichtung“ bekommen hat und dem „Verhalten der Schüler auf dem Schulhof eine besondere Aufmerksamkeit empfohlen“ wurde. Letzteres gelte nun wohl auch wieder.

Das historische Schriftstück zeigt aber sehr schön den Wandel der Schule. Aus der Ostschule wurde die Wittekindschule, dann eine Volksschule und schließlich die Pestalozzischule als Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen, die dann 2013 in den Brabeck-Schulverbund aufging und nun in die Trägerschaft des Märkischen Kreises gewechselt ist. Und immer waren es auch technische Neuerungen, die die Wechsel begleitet haben. „Unsere Schule war auch unter der Iserlohner Trägerschaft sehr gut ausgestattet“, sagt Pelzing. Das Hemeraner Kollegium, das dort zum Schluss unter untragbaren Bedingungen unterricht hätte und nun komplett nach Iserlohn gewechselt sei, hätte jedenfalls über den Zustand der Iserlohner Schule gestaunt.

Der Märkische Kreis als Träger habe nun aber nochmal andere Standards – gerade was die Digitalisierung angeht. Die Schule ist inzwischen am Glasfaser-Netz und hat einen eigenen Serverraum. Es gibt zu 50 Prozent schon interaktive Taflen und jede Menge neue Rechner aus dem Berufskolleg.

Und es gibt erstmals einen Schülerspezialverkehr, um die Schüler des ehemaligen Hemeraner Standortes, die auch aus Balve, Menden und Garbeck anreisen, sicher zur Schule zu bringen. Drei Busse waren dafür gestern erstmals unterwegs und wurden von einem MVG-Mitarbeiter in Empfang genommen und eingewiesen. Hier muss sich noch Einiges einspielen – ebenso wie in den neuen Verwaltungswegen zum Lüdenscheider Schulamt. Eine schraffierte Bushaltestelle hätte Pelzing gerne, damit in den Stoßzeiten kein LKW entlädt. Und die Bushaltestelle am Schleddenhofer Weg muss noch von Pestalozzi- in Brabeckschule umbenannt werden. Das Telefon ist hingegen schon umgestellt. Beide Standorte haben jetzt eine Lüdenscheider Nummer: der Iserlohner ist unter 02351/966-4950, zu erreichen, der Letmather unter 02351/966-4900.

Für jedes Kind den richtigen Förderort finden

Bei allen verwaltungstechnischen und räumlichen Änderungen bleibt das Credo der Schule aber gleich: „An das Kind denken“. Und das erfordert immer mehr Anstrengungen. Die Förderungen wird individueller, der Förderschwerpunkt überlappt sich mit denen andere Förderschulen, das System wird durchlässiger – auch zurück zur Regelschule – und die Zusammenarbeit mit anderen Schulen intensiver – alles, um für jedes Kind den passenden Förderort zu finden.

Ähnlich wie bei der berühmten Pippi Langstrumpf, die groß in Thilo Pelzings Büro hängt. Die kommt ja auch aus sozial schwierigen Verhältnissen und macht sich die Welt, wie es ihr gefällt. Vielleicht hätte auch sie die Brabeckschule besucht.

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