Görrestraße

Es bleibt bei unechter Einbahnstraße

Über die Görresstraße wurde im Verkehrsausschuss diskutiert.

Über die Görresstraße wurde im Verkehrsausschuss diskutiert.

Foto: Sebastian Blesel / IKZ

Iserlohn.  Im Verkehrsausschuss gibt es eine emotionale Debatte über die Beibehaltung der neuen Verkehrsregelung an der Görresstraße.

Nach einer teils emotionalen, aber letztlich nicht aus dem Ruder laufenden Debatte am Mittwochabend im Verkehrsausschuss, bei der auch Anwohner reichlich zu Wort gekommen sind, steht fest: Die neue Verkehrsregelung in der Görresstraße (unechte Einbahnstraße) wird beibehalten. Die SPD blieb dagegen mit ihrem Antrag, die Regelung auszusetzen, bis auch in den umliegenden Straßen der Görresstraße eine Befragung erfolgt ist, allein auf weiter Flur. Stattdessen folgte der Ausschuss mit elf zu fünf Stimmen dem Beschlussvorschlag der Verwaltung. Emotional verlief die Debatte auch deshalb, weil gegen das CDU-Ratsmitglied Michael Schmitt, wenn auch in der Sitzung nicht direkt ausgesprochen, der Vorwurf im Raum stand, er habe sich als Anwohner der Görresstraße maßgeblich für eine Lösung eingesetzt, von der er selbst profitiere.

Schmitt selbst sagte dazu, er habe den Eindruck, hier werde der Tagesordnungspunkt „Welches Ratsmitglied wohnt wo“ behandelt. Er sei bereit, über vielleicht noch bessere Lösungen zu diskutieren, wolle sich aber nicht für sein Engagement kritisieren lassen. Auslöser seien keine eigenen Interessen gewesen. Vielmehr – so äußerten sich auch Anwohner in der Sitzung – sei er von Nachbarn mit Kindern angesprochen worden, dass es zu Beinaheunfällen gekommen sei, weil im Begegnungsverkehr auf der eingeengten Fahrbahn regelmäßig auf den Gehweg ausgewichen worden sei, teils mit höherer Geschwindigkeit. Deshalb habe er das Thema aufgegriffen. Und genau diese Problematik, so Schmitt, sei durch die neue Verkehrsregelung entschärft worden.

Weiterhin sagte Schmitt, auch andere Ratsmitglieder würden sich ja bei Themen engagieren, die sie tangieren. Volker Keitmann beteilige sich als Anwohner an der Debatte rund um die JVA Drüpplingsen, Peter Leye habe sich wiederholt für die Belange seines Stammlokals „Zur Stadtmauer“ eingesetzt. In der Sitzung sagte Manuel Huff (Die Linke), auch er werde als Anwohner der Elisabethstraße immer mal von Nachbarn angesprochen. „Es ist doch normal, dass man sich dann einsetzt“.

Linke und Grüne begrüßen Regelung für Radfahrer

Und zum Thema Görresstraße sagte er: „Wenn das Ziel, auf den Gehwegen für mehr Sicherheit zu sorgen, erreicht worden ist, sollten wir an der Regelung festhalten.“ Und positiv bewertete Huff, genauso wie Marcus Tillman (Grüne), die beschlossene Ergänzung, das Radfahrer von der Einbahnstraßenregelung ausgenommen werden sollen.

SPD-Ratsmitglied Dieter Beele warb dagegen für die vom Verkehrsausschussvorsitzenden Rolf Kaiser (SPD) eingebrachte Beschluss-Alternative. Sein Vorschlag, zunächst auch Anwohner anliegender Straßen zu befragen, sorge für eine Gleichbehandlung. Kaiser hatte unter anderem damit argumentiert, dass sich die durchschnittliche Geschwindigkeit in der Görresstraße sich von vorher 40 auf nun 38 Stundenkilometern nur unwesentlich geändert habe. Und er hinterfragte in der schriftlichen Begründung für seinen Beschlussvorschlag provokant, woher man denn die Erkenntnis habe, dass der Gehweg nicht mehr überfahren werden. Durch eine Webcam? Oder durch einen Anwohner, der 24 Stunden am Fenster sitzt und die Straße beobachtet? Ein Görresstraßen-Anwohner bezeichnete das in der Sitzung als „Affront“. Rolf Kaiser ergänzte später, dass auch für ihn der Punkt Verkehrssicherheit immer oberste Priorität habe.

Stephan Kemker, Anwohner der Straße Seilerblick, führte aus, dass hier eine Straße weitgehend vom Verkehr befreit werden solle (Görresstraße), und eine andere dafür zusätzlich belastet werde (Seilerblick). Und was sei denn von dem „eindeutigen Bürgervotum“ für die neue Regelung zu halten? „Es ist doch logisch, wie das ausgeht, wenn man nur die Anwohner der Görresstraße befragt“, sagte Kemker. Die Görresstraße sei schon vorher verkehrsberuhigt gewesen, außerdem werde bei Eishockeyspielen an der Ziegelstraße „dichtgemacht“. Und er fragte: „Gibt es denn in Iserlohn überhaupt eine Straße, in der es noch nie zu einer Verkehrsgefährdung gekommen ist?“ Wohl kaum, meinte Kemker, dann könne man ja alle Iserlohner Straßen zu Einbahnstraßen machen. Eine gerechte Politik müsse die Leute gleichbehandeln und den Verkehr gerecht verteilen.

20 Fahrzeuge proStunde am Seilerblick

Stadtbaurat Thorsten Grote hatte vorab noch einige Zahlen in die Beratung eingebracht: Vor der Neuregelung habe es auf der Görresstraße rund 50 Fahrzeugbewegungen pro Stunde gegeben, nach der Neuregelung rund 30. Für den Seilerblick gibt es keine Zahl aus der Zeit vor der Neuregelung, aber eine danach: 20 Fahrzeugbewegungen pro Stunde sollen es gewesen sein. CDU-Ratsmitglied Stefan Woelk machte später eine Rechnung auf: Wenn es stimmen würde, dass der Verkehr, der nun aus der Görresstraße herausgehalten wird, auf den Seilerblick ausweicht, hätte es am Seilerblick ja vor der Neuregelung so gut wie überhaupt keinen Verkehr gegeben. Vielmehr aber, so Woelk, sprächen die Zahlen wohl dafür, dass es gelungen sei, Verkehr aus dem Gesamtbereich herauszuholen.

Michael Schmitt hatte sich im Laufe der Debatte dafür ausgesprochen, dass die Belange der Bewohner am Seilerblick und an der Friesenstraße gleichwohl im Blick behalten werden sollten. Geprüft werden könnten Möglichkeiten, den Verkehr am Seilerblick zu verlangsamen, und die Parkplatzproblematik an der Friesenstraße zu entschärfen.

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