Kalthof

„Falsche Behauptungen und scheinheilige Bitte“

Wie geht es weiter mit dem Kalthof-Center? Dem Vernehmen nach plant der neue Eigentümer nur den Abriss des Bereichs, in dem sich aktuell der Aldi befindet. Apotheke und Mix-Markt sollen nicht betroffen sein.

Wie geht es weiter mit dem Kalthof-Center? Dem Vernehmen nach plant der neue Eigentümer nur den Abriss des Bereichs, in dem sich aktuell der Aldi befindet. Apotheke und Mix-Markt sollen nicht betroffen sein.

Foto: Lehmann

Kalthof.  Der Verwalter des Kalthof-Centers wirft dem Aldi-Verantwortlichen „Täuschung der Öffentlichkeit“ vor.

Ob die Lidl-Mutter, die Schwarz-Gruppe, als neue Eigentümerin des Kalthof-Centers auf die Aldi-Bitte eingeht, den Mietvertrag über den 30. Juni hinaus zu verlängern (wir berichteten), ist unklar. Derzeit ist erst einmal die Verärgerung vor allem beim aktuellen Verwalter der Immobilie darüber groß, wie der Verantwortliche von Aldi die Entwicklung der vergangenen Jahre schildert: „Es ist langsam nicht mehr hinzunehmen, mit welchen Fehlinformationen er versucht, die Öffentlichkeit aus Eigeninteresse zu täuschen“, sagt Dr. Norbert Zimmermann von der Kissel-Gruppe (Solingen).

Deswegen habe man Matthias Nysten, dem Leiter Immobilien und Expansion der ALDI Immobilienverwaltung GmbH, gegenüber auch bereits angekündigt, „im Falle einer weiteren Falschdarstellung rechtliche Schritte einzuleiten.“

Mitnichten sei es so gewesen, dass der von Nysten für die Vertragsverlängerung angebotene Mietzins „für Kalthof mehr als marktgerecht“ gewesen sei. „Die angebotenen Mietpreise waren unerträglich niedrig und hätten im Ergebnis dazu geführt, dass die Eigentümerin bei dem erforderlichen neuwertigen Um- und Erweiterungsbau einen im Verhältnis niedrigeren Mietzins erhalten hätte als in der Vergangenheit“, schildert Dr. Zimmermann. Das Aldi-Angebot hätte aus seiner Sicht mehr als 15 Prozent unter dem marktüblichen Mietzins für einen Neubau gelegen.

Nysten habe in den Verhandlungen auch den Standort immer schlecht geredet und die zukünftige Entwicklung „stets negativ bewertet“ und für die Vertragsverlängerung auf die „Einräumung umfangreicher Rücktritts- und Kündigungsrechte“ bestanden. Auch habe er die Miete während der gesamten Sanierungsdauer der Bahnunterführung um die Hälfte mindern wollen. „Nysten zeigte keineswegs Verständnis für die notwendige Nahversorgung der Bevölkerung oder das Interesse der anderen Mieter an einer schnellen Wiedereröffnung des Marktes auch in den schwierigen Zeiten der Sanierung“, so Dr. Zimmermann. Auch deshalb sei die aktuelle Bitte um Vertragsverlängerung nur „scheinheilig“.

Selbst die Übergabe eines neuerstellten Marktes an Aldi hätte Nysten während der Verhandlungen vom vollständigen Abschluss der Arbeiten an der Unterführung abhängig gemacht. „Bis dahin hätte Aldi das neue Objekt sogar leer stehen lassen und das Interesse der übrigen Mieter an einer vollständigen Nutzung des Kalthof-Centers nicht berücksichtigt.“

Auch der zukünftige Austausch von anderen Mietern wäre, wenn es nach den Aldi-Vorstellungen gegangen wäre, erheblich von dem Konzern beeinflusst worden. „Es sollte ein umfassendes Wettbewerbsverbot sowohl für Haupt- als auch Nebenprodukte des Aldi-Sortiments vereinbart werden“, sagt Dr. Zimmermann. „Wir hatten daher stets den Eindruck, dass für Herrn Nysten nur die eigene Marktpräsenz und wirtschaftliche Konzernmacht zählten.“ Immer wieder habe man die Information bekommen: „Entweder so oder gar nicht.“ „Dass derselbe Verhandlungsführer sich heute als Beschützer der örtlichen Nahversorgung und Sprachrohr der anderen Mieter präsentieren möchte, ist schlicht unanständig und entbehrt jeder Grundlage.“

Ein solches Verhalten sei man im Übrigen von Aldi in anderen Regionen nicht gewohnt. „Wir sind seit langem im Bereich der Entwicklung von Einzelhandelsstandorten tätig und haben in der Vergangenheit vertrauensvoll sowohl mit Aldi als auch mit anderen Wettbewerbern zusammengearbeitet und diese bzw. die jeweiligen Eigentümer begleitet.“

Für nicht nur „in der Sache falsch, sondern schlichtweg größenwahnsinnig“, hält der Rechtsanwalt und Immobilienentwickler dann auch die Behauptung von Matthias Nysten, dass der Verwalter „mit dem Namen Aldi das Baurecht für die Erweiterung erwirkt“ habe. Baurecht erhalte man, so Zimmermann, nicht mit dem Namen „Aldi, sondern mit einem Projekt“. Bereits bei der Übernahme des Mandats habe man festgestellt, dass sich die geplante Investition für die Eigentümerin bei dem Aldi-Angebot nicht rechnen würde. „Die seinerzeitigen Verhandlungsergebnisse waren aus unserer Sicht nur als wirtschaftlich desaströs zu bezeichnen“, wird Dr. Zimmermann deutlich.

Schadensbegrenzung, weil man zu hoch gepokert habe

Auch die weiteren Verhandlungen seien dann von dem Eindruck geprägt gewesen, dass Aldi „unter Ausnutzung der eigenen wirtschaftlichen Übermacht gegenüber einer Einzelperson einen völlig unausgewogenen Mietvertrag durchzusetzen versucht“. Und jetzt gehe es Nysten „lediglich um Schadensbegrenzung und die Erkenntnis, dass man selbst zu hoch gepokert hat“, als Aldi im Dezember 2017 den bis Ende Juni 2018 laufenden Mietvertrag auf eigenen Wunsch nur um ein Jahr verlängert habe. „Das hat Nysten eigenverantwortlich entschieden und ist deshalb nun als einziger Mieter des Centers aus dem Spiel.“

Zu den Plänen von Lidl befragt, bat Dr. Zimmermann um Verständnis und verwies an den neuen Eigentümer. Bei einer Sache konnte er allerdings Entwarnung geben: Es sei nicht geplant, den Teil des Centers, der neben dem Mix-Markt und der Apotheke aktuell noch Aldi beherberge, komplett abzureißen.

Aldi-Verantwortlicher widerspricht Vorwürfen und verweist als Beleg auf ein weiteres Kaufangebot

„Der von uns gebotene Mietzins ist für ein saniertes und erweitertes Objekt in Kalthof mehr als marktgerecht“, sagt Matthias Nysten. Konfrontiert mit den aus seiner Sicht „unbegründeten und unsachlichen“ Vorwürfen des Verwalters des Kalthof-Centers verweist der für Immobilien bei Aldi Nord Zuständige besonders darauf, dass es sich eben nicht um einen Neubau handele – und dass es auch noch einen weiteren Kaufinteressenten gegeben habe: die Firma Ratisbona Projektentwicklung aus Regensburg.

„Die hat von uns den gleichen Mietvertragsentwurf erhalten wie unsere Vermieterin und hat auf dieser Grundlage ein marktgerechtes Kaufangebot abgegeben, um die Erweiterung des Centers mit allen darin enthaltenen Mietern wie geplant umzusetzen.“ In dem Vertrag seien auch die Aldi-Bedingungen zur Bahnunterführung enthalten gewesen. „Die stellten für Ratisbona keinerlei Problem dar.“ Der Mietvertrag oder ein Verkauf zur Umsetzung der Pläne zur Aldi-Erweiterung, wie sie der Politik vorgestellt wurden, wären also durchaus umsetzbar gewesen. Stattdessen sei, nachdem das Baurecht geschaffen wurde, das Grundstück meistbietend veräußert worden.

Mehrfach habe man angeboten, den Mietvertrag über den 30. Juni hinaus zu verlängern, um einen Leerstand und negative Folgen für die Bevölkerung und das Center zu vermeiden. „Lidl hat uns mitgeteilt, dass man derzeit kein Eigentümer der Liegenschaft sei und deshalb keine Vertragsverlängerungsverhandlungen führen könne, aber sehr an einer Sicherung der Kalthofer Nahversorgung interessiert sei“, berichtet Nysten. Und: „Den Vorwurf der Fehlinformation und Täuschung der Öffentlichkeit, für den Dr. Zimmermann jeden Nachweis schuldig bleibt, weisen wir entschieden zurück.“

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