Online-Gottesdienste

„Fasten unter verschärften Bedingungen“

Im Forum St. Pankratius werden Heilige Messen für den Livestream des Pastoralverbundes mit Pfarrer Hammer aufgezeichnet.

Im Forum St. Pankratius werden Heilige Messen für den Livestream des Pastoralverbundes mit Pfarrer Hammer aufgezeichnet.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Das Forum St. Pankratius hat sich in ein Livestream-Studio für den Pastoralverbund Iserlohn verwandelt.

„Meine lieben Schwestern und Brüder an den Bildschirmen und Handys. Ganz herzlich möchte ich Sie wieder willkommen heißen“, so begrüßt Johannes Hammer im täglichen Livestream aus dem Forum St. Pankratius über den Youtube-Kanal seine „Schäfchen“. Neben ihm steht in gebührendem Abstand Janusz Plewnia.

Gemeinsam mit Dekanatsmusiker Tobias Leschke und Diakon Thorsten Hasse gestalten sie Online-Gottesdienste im Pankratius-Forum, das sie zu einem Gottesdienst-Sendestudio und zu einer Mini-Sakristei umfunktioniert haben. „Wir versuchen uns gegenseitig durch das gemeinsame Gebet zu tragen, auch wenn wir physisch auseinanderrücken“, erklärt Johannes Hammer.

„Durch das Coronavirus gibt es sehr viele Einschnitte im Alltag“, sagt Diakon Thorsten Hasse. „Für das kirchliche Leben ist wohl der heftigste Einschnitt, dass Gottesdienste nicht öffentlich – also ohne die Anwesenheit der Gemeinde – gefeiert werden müssen. Für viele Menschen im Pastoralverbund fällt damit eine Stütze im Alltag weg. Das ist sicherlich schwierig. Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pastoralteam ist das nicht einfach. Das hat so noch niemand von uns erlebt.“

Die Akustik im Forum St. Pankratius ist geeigneter für die Aufnahmen, als in der Bonifatius-Kapelle, wie aus ersten Reaktionen der Zuschauer deutlich wurde. Im großen Versammlungsraum kleiden sich die Geistlichen mit ihren Gewändern ein. Auf dem auf einem Tisch hergerichteten Altar brennen zwei Kerzen rechts und links von einem Kreuz. Dahinter steht noch ein großes Kreuz, ansonsten zwei Stühle für die beiden Pfarrer, die gleich die Messe zelebrieren. Am Sonntag wechseln sie den Ort, weil es Samstag wieder technische Übertragungsprobleme gab. Jetzt senden sie aus einem Besprechungszimmer.

Johannes Hammer spricht von Solidarität und Liebe, die in diesen Tagen überall gefordert sei. Er betet um den Beistand Gottes und Frieden in dieser Zeit. In der Predigt am Sonntag erklärt er mit Bezug für die Fastenzeit: „Das Wort Verzicht bekommt in diesen Tagen einen neuen Klang. Es wird deutlicher denn je, dass der Verzicht eine starke gesellschaftliche Ausrichtung hat. Wie mächtig die Einschränkungen sind, spüren die Menschen in der gegenwärtigen Krise. Dabei geht es vor allem darum, gesundheitlich schwache Menschen zu schützen.“ Johannes Hammer wird deutlicher: „Es können und sollen alle mithelfen. Abstand halten zum Mitmenschen, große Gruppen meiden, nicht mehr die Hand geben, ist das Gebot der Stunde.“

In diesen Tagen des Fastens unter verschärften Bedingungen seien wir eingeladen, genauer auf das zu schauen, was im Leben zählt. Johannes Hammer appelliert an die Gemeindemitglieder vor den Bildschirmen und Handys, „in die kommende Zeit mit österlicher Zuversicht zu gehen, trotz aller Sorge um die eigene Gesundheit und die Gesundheit meiner Mitmenschen, meiner Sorge um die wirtschaftliche Existenz, trotz der Angst vor dem gesellschaftlichen Niedergang in Europa und weltweit.“ Diakon Hasse oder Janusz Plewnia lesen die Fürbitten vor, die Gemeindemitglieder geschickt haben: Für alle, die Angst haben vor dem was sie erwartet. Für alle, die ihre Mitmenschen beruhigen und begleiten. Für alle, die sich um andere Menschen kümmern und sorgen. Für alle, die in der Gemeinde konkret Nächstenliebe vorleben.

Tobias Leschke spielt zwischendurch Improvisationen beispielsweise über das bekannte Lied „Von guten Mächten“. Am Ende erteilt Hammer den Segen für alle Schwestern und Brüder vor den Bildschirmen.

Menschen aus der Gemeinde sehen vertraute Gesichter

„Der große Vorteil bei dem Streamen unserer Gottesdienste ist, dass die Menschen in Iserlohn vertraute Gesichter sehen können und vertraute Stimmen hören“, erklärt Diakon Thorsten Hasse. „Und wir erleben auf der anderen Seite, dass viele Menschen gemeinsam mit uns beten. Das Schöne ist, dass uns Gemeindemitglieder Fürbitten schicken. Wir haben oft mehr als 20 Menschen, die gemeinsam mit uns beten, teilweise sogar über 50. Das ist schon richtig gut.“ Wie Tobias Leschke nach dem Sonntagsgottesdienst sagt, waren 380 Leute online, eine Zuschauerin hat sogar während des Livestreams geschrieben: „Danke für das tolle Angebot.“

Professionelle Rundfunk- und Fernsehgottesdienste gibt es schon seit Langem, aber eine Hl. Messe aus dem Pastoralverbund ist ein Novum. „Das Coronavirus unterbricht so viel, da wollen wir das kirchliche Leben weiterführen“, erklärt Diakon Thorsten Hasse. Zu der Umsetzung der Idee habe Gemeindereferent Arthur Gorny beigetragen: „Es gab schon länger einen Youtubekanal, den haben wir ein bisschen reaktiviert. Dazu haben wir einen Laptop und gute Lichtanlagen. Wir versuchen das Angebot noch zu verbessern.“

Das Team im Pastoralverbund entwickelt Ideen, um die Gemeinde einzubeziehen in gemeinsame Gebete und Gottesdienste. Fürbitten können per Email, Telefon oder auch per Zettel abgegeben werden.

Pfarrer Plewnia ließ sich nach der Messe vom Pastoralverbundchef die Ausnahmegenehmigung unterzeichnen, die es ihm im Falle der Ausgangssperre erlaubt, seinen Dienst als Pfarrer nachzukommen: „Beispielsweise, um Kranke im Krankenhaus zu besuchen.“

Die Predigt und die Fürbittenkönnen unter www.pviserlohn.de nachgelesen werden.

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