Religion

Fastenbrechen: Friedliche Begegnung in der Salam Moschee

Begegnung beim Fastenbrechen: Imam Mustansar Ahmad (li.), Michael Scheffler und Mohammad Sadiq Nasir, Vorsitzender der Gemeinde.

Foto: Jörg Kleine

Begegnung beim Fastenbrechen: Imam Mustansar Ahmad (li.), Michael Scheffler und Mohammad Sadiq Nasir, Vorsitzender der Gemeinde. Foto: Jörg Kleine

Iserlohn.   Beim Iftar-Empfang der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde unterstreichen Muslime und Christen die gute Nachbarschaft.

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Fastenbrechen (Iftar) im heiligen Monat Ramadan, das sind für Muslime besondere Momente der Begegnung. Offene Türen für Gäste gab es am Samstagabend beim Iftar-Empfang in der Salam Moschee der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde in Barendorf. Erst im September 2016 hatte sie ihr Gotteshaus eröffnet und sich damit einen jahrelangen Wunsch erfüllt. Ein Kraftakt für die Gemeinde mit rund 130 Gläubigen in Iserlohn, Hemer, Menden und Nachbarschaft.

Traditionsbewusst, aber modern, aufgeschlossen, deutschsprachig und verankert in der Gesellschaft, das sind die Attribute, denen sich die Ahmadiyya-Gemeinde verpflichtet fühlt. Das dokumentierte zugleich ein Film mit Szenen aus ganz Deutschland, den die Gemeinde am Samstag zeigte – und der auch die aktuellen politischen Konflikte spannend aufgriff: etwa den Kon­trast zwischen lautstarken Pegida-Protesten gegen muslimische Zuwanderer und Interviews des deutschsprachigen Ahmadiyya-Fernsehsenders mit führenden AfD-Politikern, die den Ahmadiyya-Gemeinden im Dialog dann Friedfertigkeit, besondere Gastfreundschaft und ein „ganz aufgeschlossenes Verhältnis zu Deutschland“ attestieren.

Was der heilige MonatRamadan bedeutet

Eine Ausstellung in der Salam Moschee gab am Samstagabend überdies Einblick in Koran, Ramadan, aber auch Begriffe wie „Dschihad“, in Zeiten des IS-Terrors vielfach als „Heiliger Krieg“ übersetzt. Dem hielt Mustansar Ahmad (Münster), Imam der Ahmadiyya-Muslim-Jamaat, eine ganz andere Bedeutung entgegen: „Dschihad, das heißt in Wirklichkeit, Anstrengungen zu unternehmen – Anstrengung auf dem Wege Gottes.“

Von Herausforderungen für Gläubige ist ebenso der heilige Monat Ramadan geprägt, wie Mustansar Ahmad in seinem Vortrag erläuterte – und darin auch auf Parallelen zwischen den Religionen verwies: „Das Fasten ist eine Gemeinsamkeit“, ob Islam, Judentum, Christentum oder Hinduismus. Im islamischen Kalender, der nach den Mondläufen ausgerichtet ist, bezeichnet Ramadan dabei den neunten Monat. Somit verschiebt sich der Ramadan von Jahr zu Jahr.

„Nein zu jeder Form vonIntoleranz und Gewalt“

Das Gebot für Muslime im Ramadan: von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nichts essen und nichts trinken. Ausgenommen sind indes schwangere Frauen, Kranke, Reisende und kleine Kinder. Wer nicht fasten kann, soll arme Menschen speisen, also Mitgefühl zeigen. Der Sinn des Fastens sei vor allem spirituell, erklärte Mustansar Ahmad: innehalten, eigene Schwächen erkennen, den Egoismus überwinden. Oder in Worten des Sports: „Es ist ähnlich wie beim harten Training, um danach eine ganze Saison auf hohem Niveau zu spielen.“

Unter den Gästen beim Fastenbrechen in der Salam Moschee waren am Samstag auch Nachbarn aus Barendorf, die Vorsitzende des Iserlohner Integrationsrats, Erbil Eren, Vertreter von SPD und Grünen sowie Michael Scheffler als stellvertretender Bürgermeister. „Nein zu jeder Form von Intoleranz und Gewalt“, unterstrich Scheffler. Unter dem Eindruck des Terrors von Fundamentalisten dürften Menschen muslimischen Glaubens nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Schefflers Appell: „Den Menschen ein wirkliches Ankommen in der Mitte der Gesellschaft zu ermöglichen.“ Zuwanderer wiederum müssten die demokratischen Werte in Deutschland als Regeln des Zusammenlebens anerkennen.

Zur Ahmadiyya-Gemeinde der Salam Moschee in Iserlohn gehören Familien, die vor allem aus Pakistan Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre nach Deutschland kamen. Ihre Kinder sind in Deutschland aufgewachsen. In Pakistan, aber auch anderen Ländern, gilt die Ahmadiyya-Religionsgemeinschaft als ungläubig.

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