Reisen

Fernweh kontra Angst vor Terror?

Vor der Blauen Moscheein Istanbul haben sich bisher die Touristen und Einheimischen getummelt, seit den jüngsten  Anschlägen ist das anders.

Foto: Michael May

Vor der Blauen Moscheein Istanbul haben sich bisher die Touristen und Einheimischen getummelt, seit den jüngsten Anschlägen ist das anders. Foto: Michael May

Iserlohn.   Iserlohner überlegen genau, wohin die Reise gehen soll – Stornierungen sind selten.

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Das aktuelle Wetter lässt bei so manchem das Fernweh ins Unermessliche steigen. Doch mit Blick auf die Terroranschläge macht sich bei vielen Angst vor Reisen in Länder wie die Türkei, Ägypten, Marokko oder Tunesien breit.

Marija Linnhoff betreibt nicht nur ihr Reisebüro am Kurt-Schumacher-Ring, sondern ist auch Vorsitzende des in Gründung befindlichen Vereins unabhängiger selbstständiger Reisebüros. Sie weiß: „Wir haben zwar Anfragen für Stornierungen, allerdings sind die Deutschen auch klug genug, abzuwarten.“ Dies würden zahlreiche Gespräche mit Branchenkollegen bestätigen. Momentan erleben die Reisebüros aus ihrer Sicht eine wahre Renaissance, weil sie „mit Fachkräften das Krisenmanagement“ übernehmen und für persönliche Gespräche zur Verfügung stehen.

Diejenigen, die bereits eine Reise nach Marokko, Ägypten oder in die Türkei gebucht hätten, würden auch daran festhalten. „Diese Länder derzeit zu verkaufen, ist aber deutlich schwerer“, so Marija Linnhoff, die bei vielen ihrer Kunden auch eine Art „Trotzreaktion“ feststellen kann. Andere hätten Bedenken, obwohl beispielsweise Ägypten Milliarden in die Verbesserung der Sicherheit investiert habe. „Solche Ziele sind auch nicht über günstige Preise zu verkaufen“, sagt die Fachfrau. Sie macht ein Comeback der deutschen Küsten, Österreichs und der Schweiz aus. Fernreisen und Kreuzfahrten seien ebenfalls stark gefragt. „Ich bin ehrlich: Uns ist es egal, welches Ziel wir verkaufen“, so Marija Linnhoff.

Tunesien-Nachfrage tendiert in Richtung Null

Marion Wolf vom „Derpart Reisebüro Wichelhovenhaus“ sagt: „Bei uns gab es bisher keine Umbuchungen.“ In Istanbul halte sich derzeit keiner ihrer Kunden auf, im Gegensatz zu Marokko. „Nach Tunesien traut sich niemand, das tut mir sehr leid für die Menschen dort, denn sie hätten es einfach verdient, nicht arbeitslos zu werden.“ Anders, als in anderen Jahren zu dieser Zeit, sei die Türkei derzeit nicht so stark nachgefragt. Wogegen die Kanaren einen wahren Run erfahren, schon jetzt hätten viele für die Herbstferien dort gebucht. Fernreisen liegen während der Ferien preislich nicht weit oder gleichauf mit Zielen wie den Kanaren, daher sind sie immer mehr im Kommen. Auch Marion Wolf hat viele Kunden, die sich für Kreuzfahrten interessieren. „Auch Spitzbergen und Island sind gefragt, ebenso wie das griechische Festland“, weiß sie.

„Keine Umbuchungen, wenig Nachfragen“ – so lautet das kurze Fazit des „Lufthansa City Centers“ Reisebüro Nolte, das seit einiger Zeit an der Von-Scheibler-Straße ansässig ist.

„Viele kennen die schönen Ecken in Deutschland nicht“

Auf der Facebook-Seite unserer Redaktion äußert sich beispielsweise Heike Bierwolf: „Die Türkei und Ägypten standen bei uns nie zur Debatte, da wir immer mit Kindern geflogen sind, und mir die ärztliche Versorgung nicht ganz geheuer war. Unser Reiseziel waren immer die Kanaren. Heute kämen die Länder für mich nicht in Frage aus Angst vor Anschlägen. . . Da wir aber seit sechs Jahren einen Labrador besitzen, ist unser Reiseziel die Nordsee.“ Alexandra Simon-Teckhaus erklärt: „Ich bin schon seit Jahren bekennender Deutschland-Urlauber. Viele reisen in die Ferne und kennen die schönen Ecken in Deutschland nicht. Ich fliege in kein Land, wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden oder Strände mit Maschinengewehren bewacht werden. Hauptsache, es ist schön billig. . . Dann bleib ich lieber zu Hause.“

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