Integration

Fit in Deutsch gemacht

Mit Aeneas (hinten li.) und Rainer

Mit Aeneas (hinten li.) und Rainer

Foto: Michael May

Iserlohn.   Jugendliche trainieren während der Ferien freiwillig ihre Sprachkenntnisse.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Während andere die Ferien zum Faulenzen, Reisen oder Treffen mit Freunden nutzen, haben fast 30 Jugendliche fünf Tage lang freiwillig die Schulbank gedrückt. Ihr Ziel: Die Deutsch-Kenntnisse zu verbessern.

Möglich macht das das Programm „FIT (FerienIntensivTraining) – in Deutsch“. Finanziert wird es vom Land NRW, unterstützt von der Stadt Iserlohn, und die Trägerschaft liegt bei der Gesamtschule Iserlohn. Ausgebildete Sprachlernbegleiter unterrichten die Jugendlichen, die von ihren Schulen für den Kurs vorgeschlagen werden. Rainer Eckstein ist pensionierter Lehrer, sein Sohn Aeneas, der Lehramt studiert, haben von Montag bis gestern fast 30 Teenager fit in Deutsch gemacht.

Ehemaliger Lehrer kritisiertIntegration und Inklusion

„Man kann sie nicht nur pädagogisieren“, sagt Rainer Eckstein. Er sieht den derzeitigen Weg, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in Regelklassen zu unterrichten, als unrichtig an. Inklusion und Integration sind aus seiner Sicht nicht unter einen Hut zu bekommen. Rainer Eckstein würde sich wünschen, dass Flüchtlinge und Migranten, die ohne Sprachkenntnisse kommen, zunächst in besonderen Klassen oder sogar Schulen betreut werden, um zuallererst ihr Deutsch zu verbessern. „Es müsste direkt Kurse an den Schulen geben“, unterstreicht er. Viele Lehrer würden schnell ihre Grenzen erreichen, wenn sie beispielsweise jeweils drei Kinder mit Behinderungen und mit Migrationshintergrund zusammen mit den anderen Schülern unterrichten sollen.

Die Motivation bei seinen Schützlingen aus dem „FIT“-Kurs sei enorm, erklärt Aeneas Eckstein. „Die Jüngeren lernen meist schneller, sind motivierter und viel mehr bereit, auf Deutsch zu kommunizieren“, sagt er. Bei den Älteren stelle er häufig fest, dass sie sich weniger bemühen, das richtige deutsche Wort zu finden.

Diesmal waren es Jugendliche mit Wurzeln in Syrien, Kurdistan, Tschetschenien, Nigeria, Guinea, Thailand und Portugal, die mit ihren Familien teils erst vor wenigen Monaten nach Deutschland gekommen sind. Während manche sich zum Kursstart bereits recht gut verständigen konnten, mussten die Ecksteins bei anderen quasi bei Null anfangen.

Der Spaß sollte nicht zu kurz kommen

„Lesen“, „Leseverstehen“ und die „Einführung in das selbstständige Lernen mit digitalen Medien“ waren natürlich ein Bestandteil des recht straffen Stundenplanes. „Wenn sie freiwillig kommen, sollen sie auch Spaß haben“, lautet das Motto von Eckstein senior. So gab es auch Ausflüge wie beispielsweise ins Hagener Freilichtmuseum. „In der Stadtbücherei wurden wir auch sehr nett behandelt“, so Eckstein. Er hat festgestellt, dass einige Jugendliche bislang noch keine Leseausweise hatten, nun aber regelmäßig mit Büchern unter den Armen unterwegs sind. „Auch bei solchen Dingen fallen sie oft durchs Raster: Wer nicht mit der Schule die Bücherei besucht hat, lernt sie häufig gar nicht kennen.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben