Verkehr

Freie Fahrt für Radfahrer

Autofahrer müssen an der Pütterstraße neuerdings aufpassen: Die beiden querenden Einbahnstraßen dürfen von Radfahrern in beiden Richtungen befahren werden.

Autofahrer müssen an der Pütterstraße neuerdings aufpassen: Die beiden querenden Einbahnstraßen dürfen von Radfahrern in beiden Richtungen befahren werden.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Die Stadt möchte möglichst viele Einbahnstraßen für den Radverkehr öffnen

Die Sonne strahlt, die Temperaturen steigen, und viele werden das derzeitige Frühlingswetter nutzen, um ihr Fahrrad wieder aus dem Schuppen zu holen. Radfahren ist im Kommen – auch in Iserlohn, wo man immer mehr Radfahrer im Straßenverkehr sehen kann. Verstopfte Straßen, Feinstaubbelastung und ein bewussterer Lebensstil lassen immer mehr Verkehrsteilnehmer umdenken und aufs Rad steigen. Und das soll zum Wohl der Innenstädten auch in NRW weiter gefördert werden.

Iserlohn ist bereits seit 1996 Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte und hat längst ein Radverkehrskonzept verabschiedet, um den Radverkehr zu fördern. Ein Ziel dabei ist, dem Radverkehr durch die Öffnung von Einbahnstraßen unnötige Hindernisse zu ersparen. 110 Einbahnstraßen gibt es in Iserlohn. Bernd Schlünder, der im Straßenverkehrsamt für den Radverkehr zuständig ist, hat sie alle erfasst und vermessen, um sicher zu stellen, dass sie für den Radverkehr gegen die Fahrtrichtung der Autos geöffnet werden können. Bei einigen sei das unmöglich, weil sie einfach zu eng sind, die allermeisten sollen aber geöffnet werden.

Ein Drittel der Einbahnstraßen sind frei

Bis 2012 wurden bereits 30 Einbahnstraßen mit den kleinen weißen Schildern versehen, auf denen ein Fahrrad mit Pfeilen in beide Richtungen zu sehen ist und das darauf hinweist, dass Räder hier auch gegen die Fahrtrichtung fahren dürfen. Nach einer längeren Pause sind nun zehn weitere Abschnitte auf sieben Straßen freigegeben worden (siehe Infokasten) Damit sind bereits rund ein Drittel aller Iserlohner Einbahnstraßen frei.

Besonders für die Autofahrer bedeutet das Obacht, denn die Regelungen können durchaus so manche lieb gewonnene Gewohnheit zunichte machen. Auf der Pütterstraße hatten Autofahrer beispielsweise bisher freie Fahrt und mussten keinerlei kreuzenden Verkehr befürchten, weil sowohl die Bonstedt- als auch die Teutoburger Straße als Einbahnstraßen abgingen. Nun sind diese Straßen für Radfahrer in beide Richtungen befahrbar, Autofahrer auf der Pütterstraße müssen daher nun gegebenenfalls Vorfahrt gewähren.

„Vor allem ortskundige Autofahrer, die solche Wege oft nutzen, neigen dazu, derartige neue Regelungen zu übersehen“, ist sich Bernd Schlünder der Gefahren durchaus bewusst. Zusammen mit der Polizei bildet das Straßenverkehrsamt eine Verkehrskommission, die vor der Einrichtung einer solchen neuen Regel genau prüft, welche Gefahren damit verbunden sind und wie sie gelindert werden können. An der Pütterstraße beispielsweise wurde in den ersten Monaten ein Papp-Polizist aufgestellt, der auf die Neuregelung hinweist. Außerdem hängt dort ein zusätzliches Gefahrenschild, und es wurden Markierungen auf der Fahrbahn aufgemalt.

Neue Regelungen erfordern erhöhte Vorsicht

Doch auch wenn die Regelungen nicht mehr neu sind, sei Radfahrern weiterhin dazu zu raten, in Einbahnstraßen besonders vorsichtig zu fahren, denn es gebe immer Autofahrer, die die Radverkehrs-Beschilderung übersehen. Das unterstreicht auch Michael Isbruch, Vorsitzender des ADFC im Märkischen Kreis. „Alle Verkehrsteilnehmer müssen in solchen Bereichen besonders gut aufpassen“, sagt er. Gleichwohl seien die neuen Regelungen aus Radfahrersicht absolut zu begrüßen. Denn gerade für Radfahrer bedeuten Einbahnstraßen oft sehr unangenehme Umwege, die dann oft umgangen werden, in dem der Bürgersteig genutzt wird, was aber auch nicht zulässig sei.

Zukünftig sollen noch weitere Einbahnstraßen freigegeben werden, sagt Bernd Schlünder. Die nächsten Prüfungen will die Verkehrskommission in der Letmather Innenstadt vornehmen. Außerdem wurde als weitere Maßnahme bereits vom Rat der Stadt beschlossen, den Radverkehr auf der ehemaligen Bahntrasse an den fünf Straßenquerungen zu bevorrechtigen. 752 Radfahrer wurden dort an einem Samstag im Juni gezählt, hinzu kommen etwa genau so viele Fußgänger, Inline-Skater oder andere Nutzer, was ein sehr hoher Wert sei, der die große Beliebtheit dieses Radweges unterstreiche. Ein entsprechender Förderantrag für die baulichen Veränderungen hat die Verwaltung bereist gestellt.

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