Tankstellenüberfall nicht nachweisbar

Freispruch und Haftentschädigung für 23-jährigen Dortmunder

Foto: IKZ

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Iserlohn/Hagen. Als freier Mann konnte ein 23-jähriger Dortmunder das Hagener Landgericht verlassen. Nach gleich lautenden Anträgen von Staatsanwalt Klaus Kersebaum und der Verteidiger Ralf Bleicher, Peter Schwarzhoff und Fritz Sommer verkündete Richterin Heike Hartmann-Garschagen: Freispruch.

Der gemeinschaftliche Tankstellenüberfall in Iserlohn war nicht nachweisbar. Einzige Beweismittel in dem Indizienprozess waren Videos aus der Überwachungskamera in der Aral-Tankstelle an der Schlesischen Straße, in der zwei maskierte Männern im September 2006 rund 1000 Euro erbeuteten. „Die Statur des Angeklagten muss nicht der des Mannes entsprechen, der auf dem Video zu sehen ist. Es sind Zweifel angezeigt”, fasste die Richterin das Ergebnis der Beweisaufnahme zusammen.

Und zum in der Nähe des Tatortes sichergestellten Kinderpullover mit DNA-Anhaftungen des Angeklagten: „Er sah dem Pullover ähnlich, den einer der Räuber als Maske eingesetzt hat”, erklärte die Richterin weiter. Ein Nachweis, dass es derselbe Pullover war, sei aber nicht mit Sicherheit möglich gewesen. Es komme noch eine weitere Person in Betracht: Der Gutachter habe noch weitere Spuren daran gefunden. „Wer als Hauptspurenträger und als Mischspurenträger in Betracht kommt, bleibt unklar”, so das Ergebnis des Landeskriminalamtes. Der Angeklagte und seine Eltern hatten angegeben, dass der Pullover nach dem Umzug in ihr neues Haus in Hennen in der Altkleidersammlung gelandet war.

Wie Richterin Heike Hartmann-Garschhagen weiter ausführte, werden die Kosten des Verfahrens und seine Auslagen der Staatskasse auferlegt. Für die erlittene Untersuchungshaft von Anfang September bis Mitte November 2007 erhält der Beschuldigte eine Haftentschädigung. Außerdem bekommt er die 5000 Euro zurück, die sein Anwalt als Sicherheit hinterlegt hatte, als er unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt wurde.

Sichtlich erleichtert nahmen der Angeklagte und seine Familie das Urteil auf. Sie hatten drei Verteidiger für dieses Strafverfahren verpflichtet. Denn dem einschlägig vorbestraften Beschuldigten drohten wegen des ihm zur Last gelegten bewaffneten Raubüberfalls eine Mindeststrafe von fünf Jahren sowie die Abschiebung in die Türkei.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben