Stadtleben

Frühlingsgefühle und Lust auf mehr

Im kleinen Café am Seilersee herrschte am Donnerstag guter Betrieb.

Foto: Stefan Janke

Im kleinen Café am Seilersee herrschte am Donnerstag guter Betrieb. Foto: Stefan Janke

Iserlohn.   Ein strahlend blauer Himmel und frühlingshafte Temperaturen lockten am Donnerstag Jogger, Biker, Wanderer, Cabriofahrer und Friedhofsbesucher ins Freie.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Kein Wölkchen am strahlendblauen Himmel, gefühlte 20 Grad in der Sonne – wer gestern nicht zur Arbeit musste oder andere Verpflichtungen hatte, den zog es hinaus in den Frühling. Vor den Straßencafés und Eisdielen waren die Sitzplätze gefragt wie noch nie in diesem Jahr. Und rund um den Seilersee genossen Jogger, Radfahrer und Spaziergänger den ersten richtigen Frühlingstag, der Lust auf mehr gemacht hat.

In der Mittagspause die Angeln rausgeholt

Am Ufer des Sees fällt der Mann mit der Kappe und dem karierten Hemd ins Auge. Er hat zwei Angeln ausgeworfen und wartet geduldig, dass einer anbeißt. „Obwohl es darauf gar nicht ankommt“, erklärt Marcel, der Mitglied im Fischereiverein Iserlohn ist und erst vor ein paar Tagen eine dicke Forelle aus dem See geholt hat. Vielmehr geht es ihm aber darum, in der Mittagspause in der freien Natur, an der frischen Luft zu sein – erst recht bei so einem Wetter. Dann beobachtet er die Gänse und Haubentaucher, die hier ihr Revier haben und erzählt, dass noch vor dem Krieg im Seilersee gewerbsmäßig geangelt worden ist, bevor es für ihn zurück zur Arbeit geht.

Im Café am Bootssteg ist auch schon jede Menge los. Um einen Sitzplatz zu ergattern, muss man schon ein bisschen Geduld mitbringen. Gute Laune herrscht bei den „Stammgästen“, die sich zum ersten Mal in diesem Jahr zur großen Kaffeerunde getroffen haben und Sonnenlicht tanken.

Das Leben ist zu kurz, um geschlossen zu fahren

Zum Tanken geht’s auch für Markus Thur. Natürlich „oben ohne“ mit seinem Mercedes SLK Cabrio aus dem Jahr 1998. „Ich musste erstmal gucken, ob nach dem Winter das Dach noch aufgeht“, sagt der Diplom-Ingenieur, dem der Zweisitzer, der seit fast 20 Jahren im Familienbesitz ist, als Ganzjahres-Alltags-Auto dient. Für ihn gilt das Motto: „Das Leben ist zu kurz, um geschlossen zu fahren.“

Wasserzapfstellen werden erst Ende März angestellt

Auf dem Friedhof pflanzt Rita Michalowski gelbe Hornveilchen, die auch nochmal kältere Temperaturen vertragen, am Grab ihrer Eltern: „Gelb war die Lieblingsfarbe meiner Mutter. Glücklicherweise habe ich bei Asbeck eine Kanne Wasser bekommen.“ Sie wundert sich, dass die Wasserzapfstellen noch nicht wieder in Betrieb sind. Wie bei der Friedhofverwaltung zu erfahren war, wird die Wasserversorgung erst in der letzten Märzwoche angestellt, weil noch Leitungen repariert werden müssen.

Ilona Weiß reißt das Heidekraut am Grab ihrer Eltern und Schwiegereltern heraus und ersetzt es durch Stiefmütterchen, Primeln und Narzissen. „Wir gehen sehr oft zum Friedhof, im Sommer jeden Tag“, erzählt die Seniorin.

Am Urnengräberfeld sitzen Gerda Scheffler, Inge Zeppenfeld und Hildegard Schelter und genießen die Mittagssonne, während sie sich über ihre Familien- und Krankengeschichten austauschen. Die drei Witwen lachen über ihre „friedhofsblonden“ Frisuren und erzählen: „Unsere Männer liegen an den Urnengräbern. Es ist wunderschön hier. Wir haben hier so viele nette Damen kennen gelernt.“

Der Danzturm mit der Freiluft-Gastronomie ist in den Mittagsstunden Treffpunkt für Wanderer, Büromenschen und Ausflügler auf Mountainbikes, auf Schusters Rappen und Motorrollern aus nah und fern: Die Zweiradsaison eröffneten Chantal und Robin König aus Sümmern mit ihrer Mountainbike-Tour zum Iserlohner Wahrzeichen ebenso wie die Wanderer aus der Altstadt und aus Menden. Die Biker lassen sich danach „Gerstenkaltschalen“ servieren: „Hmm, das zischt.“

Danzturm ist Ausflugsziel für Wanderer und Mountainbiker

Aus Gelsenkirchen reisten Lutz Trzaska und Dieter Tonski mit ihren Suzuki-Großrollern zum Danzturm: „Ein bis zwei Mal fahren wir nach Iserlohn, das ist so unser Jagdrevier“, verraten die beiden jungen Männer. Und spanische Touristen erklimmen die Stufen des Danzturms, um sich danach im Restaurant zu stärken.

Auf der Terrasse lassen sich Horst Rüschenbaum und seine Mendener Wandergruppe Bandnudeln, Flammkuchen und Danzturm-Krüstchen schmecken. Sie rücken ihren Tisch immer wieder in die Sonne. Zum Abschluss gibt es ein Erinnerungsfoto mit Hund Kalle. Genüsslich löffelt ein kleines Mädchen an ihrem Eisbecher, die Mama gönnt sich eine heiße Schokolade und blinzelt in die Sonne – wer weiß, wann es wieder so schön wird . . .

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik