Nachruf

Für den Bürger zu wirken war sein Gebot

Günther Einert, ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Iserlohn, starb am Donnerstag nach kurzer Krankheit im Alter von 84 Jahren.

Günther Einert, ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Iserlohn, starb am Donnerstag nach kurzer Krankheit im Alter von 84 Jahren.

Foto: IKZ

Iserlohn.  Günther Einert ist tot. Nachdem er sein Leben der Politik gewidmet hatte, zog sich der ehemalige Oberbürgermeister und Minister 1995 konsequent in das Privatleben zurück.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Seinen kühlen Kopf bewahrt Günther Einert in jeder Situation. Auch, wenn ihn sein Temperament im Rat der Stadt Iserlohn der politischen Gegenseite hitzige Wortgefechte liefern lässt. Günther Einert weiß, was er sagt. Argumente zählen für ihn, wobei er auch wegsteckt, wenn sie mit Mehrheit nicht anerkannt werden.“ So schreibt der Chronist der Heimatzeitung vor rund 30 Jahren über Iserlohns damals in der NRW-Geschichte jüngsten Oberbürgermeister (1964 bis 1974) am Vorabend seiner Wahl zum Minister für Bundesangelegenheiten des Landes Nordrhein-Westfalen (1983 bis 1990). Daran anschließen sollten sich am Ende noch fünf weitere Jahre als Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie, nach denen sich der Vollblutpolitiker konsequent ins Privatleben zurückzog.

Im Jahr 1947 war der 17-jährige Schlosserlehrling aus Görlitz in den Westen übergesiedelt und hatte danach bei Ford und Bayer Leverkusen in Lohn und Brot gestanden. Früh fand er dabei auch zur Gewerkschaftsarbeit und zu Aufgaben im Betriebsrat, was ihm zudem ein DGB-Stipendium an einer Hamburger Hochschule für Politik ermöglichte. Weiterhin studierte er Volkswirtschaft in den USA. Er konnte am Ende seine Studien als Diplom-Volkswirt abschließen, arbeitete sieben Jahre lang als Rechtsschutzsekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund und war von 1960 bis 1980 Geschäftsführer beim DGB im Kreis Mark.

Die parteipolitische Karriere des Günther Einert beginnt 1951 mit seinem Eintritt in die SPD, er engagiert sich sofort auch auf Bezirks- und Landesebenen. Nur drei Jahre nach seinem Zuzug nach Iserlohn wählen die Bürgerinnen und Bürger ihn bereits in den Rat der Stadt, er leitet von 1975 bis 1989 die sozialdemokratische Ratsfraktion. Und dann sind da schließlich die zehn Jahre (1964 bis 1974), in denen Günther Einert als Oberbürgermeister an der Stadtspitze steht. Günther Einert vermittelte mit seinem Auftreten eine überaus gelungene Mischung aus Nähe, Seriosität und Kompetenz.

Wahrscheinlich hätte Günther Einert selbst an dieser Stelle diesen Text aus Gründen seiner persönlichen und gelebten Distanz zu überbordendem Lob bereits beendet, aber erwähnt werden sollten natürlich noch das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (1985) und das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik (1988). Außerdem zu nennen wäre noch eine 65-jährige Parteimitgliedschaft und eine unlängst begangene Diamantenhochzeit. Noch im Januar dieses Jahres kommentierte der Parteifreund, Ehemann und dreifache Vater beide Jubiläen für den Lokalreporter augenzwinkernd mit den Worten: „Eine Trennung kam auch von der SPD nie in Frage.“

In den nächsten Tagen werden noch zahlreiche Worte der Trauer und Würdigung des Schaffens und Denkens von Günther Einert zu lesen und zu hören sein. Zwei Anmerkungen aus der Heimatzeitung mögen ihn aber schon jetzt noch einmal so zeigen, wie die Bürgerinnen und Bürger ihn wohl auch in Erinnerung behalten werden. Nach seiner Meinung zum damaligen Grundansatz beim Neubau des Iserlohner Rathauses gefragt, sagte er vor kurzer Zeit: „Bescheiden, nicht großklotzig sollte es sein – so war damals unser Selbstverständnis.“ Und auch das bereits zitierte Kreisanzeiger-Porträt von vor 30 Jahren macht es mehr als deutlich: „Für den Bürger zu wirken war sein Gebot. Ob auf kommunaler Ebene oder landesweit. Seine Haltung hat ihn zu einem der profiliertesten Politiker auf Landesebene gemacht.“

Günther Einert ist am Donnerstag überraschend nach kurzer Krankheit im Alter von 84 Jahren verstorben.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben