Gesundheit

„Für den Erfolg brauchen wir vor allem Ruhe“

Chefarzt Dr. Alexander Höfle diagnostiziert – wie bisher – im Iserlohner St.-Elisabeth-Hospital die Schilddrüsen-Probleme, im Bedarfsfall operiert und betreut er seine Patienten am Standort Mendendes neuen Zentrums.

Foto: Privat

Chefarzt Dr. Alexander Höfle diagnostiziert – wie bisher – im Iserlohner St.-Elisabeth-Hospital die Schilddrüsen-Probleme, im Bedarfsfall operiert und betreut er seine Patienten am Standort Mendendes neuen Zentrums. Foto: Privat

Iserlohn.  Dr. Alexander Höfle über erste Erfahrungen mit Schilddrüsen-Zentrum, OP-Methoden und einem Lob auf das Jod.

Ein kleines Organ im Körper, aber eine gewaltige Wirkung auf den Menschen. Die Leidenschaft für das Thema „Schilddrüse“ ist Dr. Alexander Höfle (59), Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am St.-Elisabeth-Hospital in Iserlohn, in jeder Gesprächsminute anzumerken. So schildert er sehr bildhaft die neuen, auch von ihm weiterentwickelten OP-Methoden, die heute nahezu „Blut-trocken“ durchgeführt werden können. Er berichtet von den optimierten Diagnose- und Behandlungs-Bedingungen nach der Gründung des Schilddrüsen-Zentrums für Iserlohn und Menden an den Katholischen Kliniken im Märkischen Kreis, das seit diesem Monat auch Mitglied im Deutschen Schilddrüsenzentrum (Köln) ist und das Dr. Höfle zusammen mit seinem Mendener Kollegen Dr. Andreas Wallasch leitet.

Herr Dr. Höfle, seit wann ist das neu installierte Schilddrüsen-Zentrum Iserlohn-Menden am Start?

Seit Mitte Oktober 2017.

Wie sind denn Ihre ersten Erfahrungen?

Überaus positiv. Alle Patienten waren bisher von dem neuen Modell überzeugt.

Nun mag ja diese Verteilung auf die zwei Standorte zunächst einmal zu Irritationen bei Zuständigkeit und Ansprache geführt haben. Versuchen wir mal das aufzulösen. Eine Schilddrüsen-Sprechstunde für den ersten Kontakt-Schritt gibt es nach wie vor hier bei Ihnen in Iserlohn?

Richtig.

Wie oft wird diese angeboten?

Bis zu drei Mal in der Woche. Die Termine laufen dann über mein Sekretariat, weil von dort auch sofort die ersten vorbereitenden Maßnahmen gesteuert werden.

Mal kurz für den medizinischen Laien: Was können Symptome einer Schilddrüsen-Störung sein?

Oha! Ein weites Feld. Mögliche Symptome können theoretisch wie praktisch eine ganze DIN-A4-Seite füllen. Und jedes Symptom haben Sie oder ich schon mal gehabt, obwohl wir Schilddrüsen-gesund sind. Wir waren schon müde und abgeschlagen, uns sind die Haare ausgefallen, wir hatten brüchige Nägel, haben Gewicht zugenommen und Gewicht abgenommen. Kann alles sein. Aber so funktioniert es nicht. Es braucht zunächst eine diagnostische Idee, dass da was sein könnte, dann kommen die ersten Laboruntersuchungen. Das machen dann die Hausärzte.

Es gibt aber auch eine intensive Kooperation mit den Radiologen?

Das stimmt, wie kooperieren in Iserlohn mit dem Iserlohner Nuklearmediziner Dr. Lucas und in Menden natürlich auch mit dem entsprechenden Fachmann.

Welche Probleme an der Schilddrüse müssen operativ behoben werden?

Es gibt drei Probleme. Erstens, Sie haben einen Knoten, der Sie mechanisch stört. Zweitens bekommen Sie einen Krebsverdacht auch nur dann ausgeräumt, wenn sie dem Pathologen zur Untersuchung etwas hinlegen können. Und wenn Sie drittens eine Überfunktion haben, die mit Medikamenten nicht einzustellen ist.

Wann ist denn – noch – ein endoskopischer Eingriff möglich?

Wenn die Schilddrüse nicht größer als 30 Milliliter ist und/oder der Knoten nicht größer als drei Zentimeter im Durchmesser.

Ist das eher die Ausnahme oder kommt dieser Eingriff öfter vor?

Etwa ein Viertel der Patienten können davon profitieren.

Warum wurde – auch für Ihre Eingriffe – ein zentraler OP-Bereich in Menden gewählt?

Der Vorteil ist erstens, dass die beteiligten Mitarbeiter die Gerätschaften permanent bedienen und dadurch die Abläufe deutlich ruhiger werden. Insbesondere die Ruhe ist es nämlich, die wir in der Schilddrüsen-Chirurgie benötigen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Grundsätzlich werden die Abläufe natürlich auch dadurch schneller.

Wie lange dauert heute – ohne Komplikationen – eine klassische OP?

Etwa 90 bis 120 Minuten.

Was sind nach wie vor die klassischen Risiken bei so einem Eingriff?

Das klassische Risiko ist die Schädigung des Stimmbandnervs. Heiserkeit und Atemnot können die Folge sein. Was weniger bekannt ist, ist die mögliche Schädigung der Nebenschilddrüse, was Auswirkungen auf die Nervenleitungen haben könnte.

Die Stimmband-Problematik können Sie aber heute zum Beispiel durch das Neuro-Monitoring im Griff behalten?

Zum einen in der Tat durch das Neuro-Monitoring kommen wir auf Schädigungsquoten von unter einem Prozent. Ab drei Prozent sind Sie übrigens international schon in der Top-Liga.

Gerade die Damenwelt sorgt sich natürlich immer über potenzielle Narben nach so einem Eingriff . . .

Der Schnitt ist ja maximal zwei Zentimeter lang und nach bereits nach kurzer Zeit kaum bis gar nicht mehr zu entdecken. Das erreichen wir allerdings natürlich in der Tat nur mit ganz subtilen OP-Techniken.

Wie lang ist die Dauer des üblichen Krankenhausaufenthaltes?

Drei Nächte nach der Operation.

Wie oft haben Sie selbst in Sachen Schilddrüse schon zum Skalpell gegriffen?

Ich denke mal, ich komme inzwischen auf gut über 1000 Eingriffe.

Und wenn wir uns heute schon mit dem Fachmann unterhalten: Kann ich abseits der genetischen Prägung etwas tun, um meine Schilddrüse fit zu halten?

Die Österreicher und Schweizer haben gezeigt, dass es am Jod liegt. Jod ist quasi das Brennmittel der Schilddrüse. Die Schweizer haben sogar ihr Trinkwasser jodiert, das geht bei uns allerdings aus juristischen Gründen nicht. Jodiertes Speisesalz ist erst seit 1989 kein diätisches Lebensmittel mehr. Wichtig ist die Aufnahme von ausreichend Jod vor allem im Kindesalter.

Kann ich auch übertreiben?

Theoretisch ja, praktisch eher nein.

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