Handel

„Für die Iserlohner ist das ihr Warenhaus“

Der neue Geschäftsführer von Galeria Karstadt Kaufhof, Oliver Lambor

Der neue Geschäftsführer von Galeria Karstadt Kaufhof, Oliver Lambor

Foto: Michael May

Iserlohn.   Galeria Karstadt Kaufhof: Oliver Lambor ist neuer Filial-Geschäftsführer im Kaufhaus mit neuem Namen.

An diesem Samstag jongliert der Chef selbst mit den Luftballons, hilft beim Drehen am Glücksrad, ist ganz Warenhausmann in seinem Element. Oliver Lambor (45) ist seit 1. März der erste Mann bei Karstadt, wie die Iserlohner immer noch sagen. Seit 52 Jahren ist das Warenhaus hoch oben am Schillerplatz ein Symbol für den Iserlohner Einzelhandel. Unerschütterlich steht der Beton-Bau dort, gemeinsam mit dem damals neuen Platz am 19. Oktober 1967 eröffnet. Ob das alte Kaufhaus-Gebäude seine Neugestaltung überlebt, wird die Zeit zeigen und die Planung für den neuen Platz.

Was auf jeden Fall bleiben soll, ist das Warenhaus, das seit wenigen Wochen „Galeria Karstadt Kaufhof“ heißt und ein Kind der Fusion zu einem Warenhausgiganten ist, bei dem der Österreicher René Benko das Sagen hat. So ist Iserlohn Teil von Europas größtem Warenhaus-Konzern, und der Wandel ist in der Filiale schon sichtbar. 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das Team am Schillerplatz. Im Gespräch erklärt Oliver Lambor, warum es eine Leidenschaft ist, ein Warenhaus zu führen, was Iserlohn ausmacht und warum er an das Konzept des Einkaufs von allem unter einem Dach auch im digitalen Zeitalter glaubt.

Was muss man mitbringen, um ein Warenhaus zu führen?

Leidenschaft, Sachkenntnis, ein gutes Auge für die Kunden und die Fähigkeit, zuzuhören, sind entscheidend. Dazu kommt natürlich, dass man das Geschäft kennt. Ich bin jetzt seit sechs Jahren dabei im Warenhauskonzern, aber schon seit 17 Jahren in Nordrhein-Westfalen.

Man hört den Dialekt trotzdem noch. . .

Ja, ich bin Schwabe, habe eine klassische Ausbildung im Mode-Einzelhandel in Süddeutschland absolviert und in der Branche viele Jahre gearbeitet, bis eines Tages die Herausforderung Warenhaus kam. Das macht mir vom ersten Tag an viel Spaß und Freude. Die Bandbreite ist enorm.

Man bleibt nicht ein Leben lang an einem Standort, wenn man sich aufs Abenteuer Warenhaus einlässt . . .?

Das ist richtig, es gibt da keine festen Pläne, wie lange man wo bleibt, nach der Einarbeitung im Süden kam ich schnell nach NRW, Siegen, Essen, und jetzt Iserlohn.

Ihr erster Eindruck von der Stadt?

Eine sehr schöne Stadt, ordentlich sauber, sehr gepflegt, es gibt gute gastronomische Angebote, das sagen auch Gäste von außerhalb, die mich heute hier besuchen. Das ist es, was ich wahrgenommen habe, es ist eine schöne Stadt, die sehr schön gelegen ist. Die Fußgängerzone macht Lust, hier auch einzukaufen.

Werden Sie hier leben?

Ich suche eine Zweitwohnung, aber der Lebensmittelpunkt mit meiner Frau und den Kindern ist Essen, das bleibt auch so. Das hat mit der Arbeit und der Schule für die Kinder zu tun. Trotzdem ist der Kontakt zu Iserlohn und hierher sehr intensiv, das ist nicht anders, als wenn ich nur hier wohnen würde.

Wann fängt Ihr Tag an?

Sehr früh, ich bin seit 7.30 Uhr unterwegs, arbeite die ersten Mails ab. Das Haus öffnet um 9 Uhr, dann bin ich längst hier, um gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Eröffnung vorzubereiten. Wir arbeiten morgens schon mit drei Teams, damit wir einen perfekten Start haben. Alle Abläufe müssen passen. Wenn die ersten Kunden kommen, ist die neue Ware längst eingeräumt, die Verkaufsmitarbeiterinnen sind in ihren Abteilungen, wenn die ersten Kunden kommen, merkt niemand mehr, wie wuselig das noch kurz zuvor hier war. Der Tag hat in diesem Sinn keine Struktur, die sich wiederholt, der Tag ist die Aufgabe.

Wie wichtig ist es, dass der Chef so präsent ist im Haus?

Um es deutlich zu sagen, sehr wichtig. Das gilt für die Kommunikation mit den Mitarbeitern, aber vor allem auch mit den Kundinnen und Kunden. Die Leute brauchen hier und auch andernorts natürlich die persönliche Ansprache und ein freundliches „Guten Tag“. Ich habe schon viele Kundenkontakte genießen können, vor allem auch zu unseren Stammkunden. Die haben wir in allen Altersgruppen, das ist für ein Haus wie dieses mit so einer langen Tradition entscheidend.

Sie sind ziemlich genau zu der Zeit gekommen, als aus Karstadt „Galeria Karstadt Kaufhof“ wurde. Man sieht es an den Fahnen am Haus, man erlebt es im Inneren. Es sieht nach Veränderung aus. Wie hat die Hochzeit der beiden Traditionshäuser funktioniert?

Wir haben uns auch ein wenig verändert, nicht nur die Außendarstellung und die Außenwerbeflächen. Wir haben dabei die Beschäftigten mitgenommen, ohne die geht es nicht.

Was haben die Kunden davon?

Die Zustimmung ist immens hoch. Die Leute merken natürlich, dass wir jetzt auch Artikel im Sortiment haben, die es vorher nur im Kaufhof gab. Das sind Eigenmarken und auch andere Produkte. Es bleibt natürlich im Großen und Ganzen das vertraute Warenhaus, das die Menschen hier kennen. Wir merken vor allem an Markttagen, wie groß die Identifikation der Iserlohner und der Besucher mit diesem Kaufhaus ist. Samstags ist das sehr schnell voll hier morgens um neun Uhr.

Was ändert sich im Haus?

Ich weiß ja, dass es hier in der Stadt ansonsten zum Beispiel kaum Spielwaren zu kaufen gibt, deshalb haben wir das Sortiment deutlich erweitert, und dafür bekommen wir eine gute Rückmeldung aus der Kundschaft. Das bestärkt uns, den Weg weiterzugehen.

Was kann ein Warenhaus, was der Online-Handel nicht kann?

Es ist das Erlebnis und auch das Haptische. Es gibt Dinge, die können Sie nicht im Internet kaufen, die Hose kneift. Sie wissen nicht, wie das Parfüm riecht, wenn Sie es online kaufen. Im Warenhaus können Sie das ausprobieren, erleben. Das Warenhaus ist eine Welt, die auch deshalb eine gute Zukunft hat, weil die Leute hier genau das bekommen, was sie erwarten. Zudem haben wir auch die vernetzte Welt. Die Kunden können online bei uns bestellen und sich das hier im Warenhaus abholen, das schafft die Post nicht mit den langen Öffnungszeiten wie wir sie hier haben. Wir sind der vernetzte Marktplatz, das ist die Philosophie für die Zukunft. Der Kunde will nach wie vor die Ware spüren und den passenden Service.

Inwieweit sind Sie mit der zukünftigen Entwicklung des Hauses mit Blick auf die Pläne für den neuen Schillerplatz schon vertraut?

Im Grunde genommen bin ich dafür nicht der richtige Ansprechpartner. Ich habe davon gehört. Der Standort Iserlohn ist mir und dem Konzern sehr wichtig. Ich habe die Pläne hier an der Wand, auf denen man sieht, wie es jetzt ist. Wie es werden soll, das müssen andere entscheiden, wenn es um die Gestaltung an diesem Standort geht. Wir wollen den Betrieb aufrecht erhalten und eine Lösung, die handelstauglich ist. Ob das Haus abgerissen und neu gebaut oder im Bestand modernisiert wird, ist eine Frage, die müssen Fachleute beantworten. Für uns ist entscheidend, dass wir auch weiter verkaufen können, wenn gebaut wird.

Was wünschen Sie sich in Iserlohn?

Eindeutig mehr verkaufsoffene Sonntage. Wir haben das deutlich gespürt am Wochenende, als der Autosalon war. In Letmathe haben wir mehr als hier, das müsste sich ändern. Und wir brauchen einheitliche Öffnungszeiten, wenn samstags mit uns nur noch B+U und noch Saturn bis 18 Uhr geöffnet haben, ist das sicher zu wenig. Da wünsche ich mir mehr Gemeinschaft.

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