Kunstszene

Geballte Frauen-Kunst-Power

Joachim Stracke (re.) suchte für die Ausstellung gregorianischer Künstlerinnen in der Villa Wessel die Werke aus.

Joachim Stracke (re.) suchte für die Ausstellung gregorianischer Künstlerinnen in der Villa Wessel die Werke aus.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.   Romantische, sexuelle und depressive Fantasien, Exotik, Liebe, Zerstörung, Surreales, Symbolistisches, Politisches und Dokumentarisches. Mit diesen Stichworten könnte man die Motive der geballten Frauen-Kunst-Power umschreiben, die ab heute in der Villa Wessel und der Städtischen Galerie zu sehen ist. Unter dem Titel „The King is Female“ zeigt die Villa Wessel vier georgische Künstlerinnen und ihre Skulpturen, Collagen, Fotografien und Gemälde. Der „König“ im Titel der Ausstellung bezieht sich auf König(in) Tamar, eine georgische Herrscherin im zwölften Jahrhundert, die wegen ihrer Stärke und ihres Weitblicks „König“ genannt wurde.

Romantische, sexuelle und depressive Fantasien, Exotik, Liebe, Zerstörung, Surreales, Symbolistisches, Politisches und Dokumentarisches. Mit diesen Stichworten könnte man die Motive der geballten Frauen-Kunst-Power umschreiben, die ab heute in der Villa Wessel und der Städtischen Galerie zu sehen ist. Unter dem Titel „The King is Female“ zeigt die Villa Wessel vier georgische Künstlerinnen und ihre Skulpturen, Collagen, Fotografien und Gemälde. Der „König“ im Titel der Ausstellung bezieht sich auf König(in) Tamar, eine georgische Herrscherin im zwölften Jahrhundert, die wegen ihrer Stärke und ihres Weitblicks „König“ genannt wurde.

Kraft und Universalität georgischer Weiblichkeit

Die Fotografin Natela Grigalashvili (geboren 1965), die Malerin Rusudan Khizanishvil (1979), die Bildhauerin Tamara Kvesitadze (1968) und die Malerin Natela Iankoshvili (1918 bis 2007) verkörpern die Kreativität, die Kraft und Universalität georgischer Weiblichkeit, erläutert Kurtor Joachim Stracke. „Mit verschiedenen plastischen Sprachen interpretieren sie das Frau-Sein, die Rollenbilder, Strukturen, Stärken und Verwundbarkeiten.“ Grigalashvili machte poetische Schwarzweißfotos von Frauen auf der Flucht, Landarbeiterinnen und Trauernden. Die Beziehung zwischen Mann und Frau verarbeitete Tamara Kvesitadze mit ihren kaleidoskopartigen Objekten und Collagen.

Die freigeistige Natela Iankoshvili, die in der Sowjetunion lebte, folgte nie den künstlerischen Maßstäben des Sozialistischen Realismus, sondern verwandelte alte Formen der georgischen Landschaftsmalerei mit pastosen neo-expressionistischem Malgestus.

Die Künstlerinnen verarbeiten zentrale Fragen zu Identität, Schmerz, Hierarchie und Stereotypen, indem sie die reiche Geschichte ihrer Heimat mit modernen Perspektiven verbinden.

Das gleichnamige Buch „The King is Female“ der Kuratorin Nina Mdivani, das auf Gesprächen und Interviews mit den drei lebenden Künstlerinnen basiert, erscheint in Kürze im Wienand-Verlag, wenn Georgien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse ist.

Bedeutendste Fotografin der Weimarer Jahre in der Galerie

Die Städtische Galerie zeigt ab heute die Ausstellung „Annelise Kretschmer. Entdeckungen. Photographien 1922 – 1975”. Sie zählt zu den bedeutenden Fotografinnen der späten Weimarer Jahre. Orientiert an der „Neuen Sachlichkeit“, jedoch mit einem eigenwilligen ästhetischen Konzept, gehörte die gebürtige Dortmunderin zu den ersten Frauen, die in Deutschland ein eigenes Foto-Atelier eröffneten.

Wie Galerieleiter Rainer Danne erklärt, porträtierte sie Künstler, Industrielle, Arbeiter, Bauern und immer wieder Kinder. Obwohl sie auf den wichtigsten Ausstellungen ihrer Zeit in Paris, Wien und Berlin vertreten war, geriet ihr Werk während der 30er Jahre, als sie sich als Halbjüdin aus der Öffentlichkeit zurückziehen musste, in Vergessenheit.

1950 erfolgte die Wiedereröffnung des Ateliers in Dortmund. Annelise Kretschmer etablierte sich dann als Fotografin, die das neue Selbstverständnis der Nachkriegsgesellschaft in ihren Porträts auf subtile Weise spiegelte.

Mit rund 70 „Vintage Prints“ – Leihgaben aus dem Nachlass der Künstlerin – präsentiert die Städtische Galerie ein umfangreiches Konvolut an Originalabzügen. Neben bekannten Aufnahmen aus der Vorkriegszeit stellt die Schau auch Entdeckungen aus den 50er und 60er Jahren vor. Die meisten Bilder wurden außerhalb dieses Ausstellungsprojekts niemals zuvor öffentlich gezeigt. Danne verweist auf die Kooperationen mit dem Käthe-Kollwitz-Museum Köln, dem Museum Böttcherstraße und dem Paula-Modersohn-Becker-Museum Bremen. Diese ermöglichten die Herausgabe eines Katalogs im Emons-Verlag.

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