Neujahrsempfang

Gegen die Stimmung im Netz

Robin Beckmann umrahmte den Neujahrsempfang mit gefühlvollen Klavierballaden.

Robin Beckmann umrahmte den Neujahrsempfang mit gefühlvollen Klavierballaden.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Beim Neujahrsempfang beklagt der stellv. Bürgermeister Schick, dass wenige schlechte Nachrichten die positiven Entwicklungen überschatten.

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Feuerwerk auf der Leinwand, „Unter Donnern und Blitzen“ von Johann Strauss aus den Boxen und ein goldener Regen aus den Konfetti-Kanonen – der Neujahrsempfang der Stadt Iserlohn im Parktheater begann am Samstagmorgen mit den traditionellen Knalleffekten. Das gehört dazu, wenn die Stadt das neue Jahr standesgemäß begrüßt. Aufhorchen ließen dann aber viel eher die etwas leiseren Töne, die Robin Beckmann direkt anschließend am Flügel anschlug. Mit seinen einfühlsamen Klavierballaden traf der junge Musiker aus dem Iserlohner Norden durchaus den Zeitgeist und die Gefühlslage der Menschen. Die Hoffnung auf eine positive Entwicklung und eine neue Aufbruchstimmung klingen da deutlich verhaltener und zarter. „Wir schauen nicht nur zu, wir sind, was passiert“, sang er in Phil Siemers Song „Wer wenn nicht jetzt“.

Rund 500 Besucher waren am Samstag der Einladung der Stadt gefolgt, was ein sehr guter Besuch für den Neujahrsempfang ist – auch wenn die allermeisten der Gäste als Vertreter der Verwaltung, der politischen Parteien und vieler Organisationen, Verbänden, Vereinen und Einrichtungen des öffentlichen Lebens kamen und nur wenige „normale Bürger“ den Weg zu diesem Empfang finden. Das Foyer des Parktheaters samt der Galerie war aber dicht gefüllt mit Besuchern, die sich über die Lage der Stadt und ihre Zukunft austauschten.

Die „bösen Geister“ in den sozialen Medien vertreiben

Gesprächsstoff dafür lieferte natürlich auch die Rede von Thorsten Schick, der in diesem Jahr als Stellvertretender des zurückgetretenen Bürgermeisters Dr. Peter Paul Ahrens die Ansprache hielt und darin als erstes an die Knalleffekte der Eröffnung anknüpfte: Die seien auch dazu da, um die bösen Geister zu vertreiben. „Hoffen wir, dass es klappt“, sagte Schick mit Blick auf das zurückliegende Jahr, „das nicht als besonders gutes Jahr in die Iserlohner Annalen eingehen wird“. Der Rücktritt des Bürgermeisters im Zuge der Abfindungs-Affäre und die Brandschutzdefizite im Rathaus hätten die vielen positiven Entwicklungen der Stadt überschattet und die Diskussion der Bürgerschaft dominiert.

Und damit nannte Schick dann auch die „bösen Geister“ unserer Zeit beim Namen: „Leider leben wir heute in einer Zeit, in der – gerade auch in den sogenannten sozialen Medien – vornehmlich die schlechten Nachrichten Gehör und Resonanz finden. Die gute Botschaft wird zumeist kommentarlos zur Kenntnis genommen. Das ist eine nicht nur traurige, sondern sogar schädliche Entwicklung für unsere Gesellschaft.“

Den Hochschulstand Iserlohn stärken

In den sozialen Medien sei es einfach, Verantwortungsträger an den Pranger zu stellen oder Falschnachrichten zu verbreiten. „Wir müssen müsse als Kommune handeln, sonst werden aus Stimmen schnell Stimmungen“.

Dabei gebe es in Iserlohn reichlich positive Nachrichten und Entwicklungen, die Grund zur Zuversicht gäben. „Viele Kommunen würden gerne ihre Ausgangssituation mit Iserlohn tauschen“.

Als Beispiel zog er als erstes den Bildungsstandort Iserlohn heran. „Iserlohn ist die einzige Stadt in Südwestfalen, in der zwei Hochschulen ihren Sitz haben“, was hohe Bedeutung habe, um junge Leute in der Stadt zu halten und dem prognostizierten Bevölkerungsrückgang entgegenzuwirken. Es sei eine wichtige Aufgabe für die Stadt, die Hochschulen weiter zu stärken. Dazu gehöre auch der geplante Wissenscampus am Stadtbahnhof, der als Regionale-Projekt im kommenden Jahr den zweiten Stern erhalten soll

Es folgten viele weitere Beispiele für gute Nachrichten: Die Senkung der Kita-Beiträge, der Ausbau des Offenen Ganztags an Grundschulen, die Chance, aus dem maroden Rathaus ein „Haus der Bürger“ mit gelebter Demokratie zu machen, die Neugestaltung des Schillerplatzes, die nach wie vor gegebene finanzielle Handlungsfähigkeit und die positive städtebauliche Entwicklung in allen Stadtteilen – „Iserlohn ist eine starke Stadt mit ganz viel Potenzial“.

Etwas leiser wurde es dann wieder bei Robin Beckmann, der zum Abschluss ein Lied von Gregor Meyle anstimmte, in dem er sang: „Es kommt alles Schritt für Schritt, Iserlohn, ich hoffe du findest Dein Glück“.

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