Politik

Gemeinsam gegen Antisemitismus

Rabbi Meyer H. May aus den USA zu Gast in Iserlohn. Links Paul Ziemiak, rechts Thorsten Schick.

Rabbi Meyer H. May aus den USA zu Gast in Iserlohn. Links Paul Ziemiak, rechts Thorsten Schick.

Iserlohn.  Rabbi Meyer H. May, Direktor des „Museum of Tolerance“ in den USA, war jetzt auf Einladung von Paul Ziemiak in Iserlohn.

Ein Austausch, von dem künftig auch Iserlohner Schüler profitieren könnten: Rabbi Meyer H. May aus den USA war jetzt zu Gast in Iserlohn. Der Direktor des „Museum of Tolerance“ in Los Angeles folgte damit der Einladung von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak in dessen Heimatstadt. May, der gleichzeitig Geschäftsführer des „Simon Wiesenthal Centers“ ist, setzt sich weltweit gegen Antisemitismus und für religiöse Toleranz ein.

„Er ist auch an Kontakten nach NRW interessiert“

Ziemiak und der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Thorsten Schick trafen den renommierten jüdischen Intellektuellen im Hotel Campus Garden zum Mittagessen, um sich unter anderem über Antisemitismus in Deutschland auszutauschen. „Er ist auch an Kontakten nach NRW interessiert“, erzählt nach dem Gespräch Thorsten Schick. „Es gibt die Idee, Schülern – unter anderem auch muslimischen Glaubens – in der Zukunft vielleicht einen Austausch oder einen Besuch zu ermöglichen, um für Toleranz zu werben.“ Konkret sei dies allerdings noch nicht. Auch sucht May bei seinem Besuch nach Anregungen für neue Bausteine für das Angebot in seinem Museum, wo derzeit unter anderem eine Anne-Frank-Ausstellung stattfindet.

In den vergangenen Jahren hatte die CDU die Problematik auf Bundesebene verstärkt in den Fokus gerückt, nachdem es zu antisemitischen Vorfällen wie der Verbrennung von David-Sternen in Berlin im Dezember 2017 oder dem Angriff auf einen jüdischen Gastwirt in Chemnitz im September 2018 kam. Um auf den zunehmenden Antisemitismus aufmerksam zu machen, hat die CDU vergangenen Monat zum zweiten Mal ihre Aktionswoche „Von Shabbat zu Shabbat“ veranstaltet, bei der CDU-Verbände in ganz Deutschland Orte jüdischen Lebens besuchten. Möglicher Antisemitismus in Iserlohn, sagt Schick, sei kein Thema des Gesprächs gewesen, auch weil es in der Waldstadt keine jüdische Gemeinde gibt.

Ziemiak selbst engagierte sich schon als Bundesvorsitzender der Jungen Union gegen Antisemitismus und wurde deshalb 2018 von Israels Ministerpräsident Netanyahu in Jerusalem empfangen. „Wir haben uns zu lange der Illusion hingegeben, dass es in unserer Gesellschaft kein Problem mit Antisemitismus mehr geben würde. Wenn es zu gewaltsamen Übergriffen kommt, dann wird die Öffentlichkeit kurzzeitig darauf aufmerksam. Aber wir haben leider auch ein Problem mit Alltags-Antisemitismus und Antisemitismus, der als Israel-Kritik getarnt ist. Wir dürfen das Problem nicht auf die leichte Schulter nehmen“, so Ziemiak.

Im Gespräch mit Ziemiak und dem Iserlohner Landtagsabgeordneten Thorsten Schick drückte der Rabbi seine zunehmende Sorge über Antisemitismus in vielen europäischen Ländern aus. Zudem gab er den beiden Politikern einen Einblick, wie Juden in den USA oder Israel die Situation in Deutschland wahrnehmen.

Lobende Worte fand der Rabbi für einen Bundestagsbeschluss im Juni, der sich mit der BDS-Bewegung befasst. Diese versucht unter anderem, israelische Waren zu boykottieren und den Staat Israel politisch und kulturell zu isolieren. In dem Bundestagsbeschluss haben mehrere Fraktionen sich dieser Praxis entgegengestellt, sie als antisemitisch motiviert verurteilt. „Selbstverständlich ist Kritik an der israelischen Regierung erlaubt. Nur, dass man sich unter dem Deckmantel der legitimen Kritik antisemitisch verhält und antisemitische Organisationen unterstützt, das wollen wir als CDU nicht.“, so Ziemiak.

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