Inklusion in Iserlohn

„Gemeinsam schaffen wir das“

Schulleiter Oliver Dege (li.) und Rudolf Holtappel von der Martin-Luther-Schule sind für Inklusion, nur die Ausstattung mit Fachpersonal lässt zu wünschen übrig. Jetzt sind auch noch die Förderlehrer abgezogen.

Foto: Frank Jungbluth

Schulleiter Oliver Dege (li.) und Rudolf Holtappel von der Martin-Luther-Schule sind für Inklusion, nur die Ausstattung mit Fachpersonal lässt zu wünschen übrig. Jetzt sind auch noch die Förderlehrer abgezogen. Foto: Frank Jungbluth

Iserlohn.   Seit die Bezirksregierung als Schulaufsicht die Förderlehrer von Regelschulen abgezogen hat, müssen sich die Kollegien anders behelfen.

Der unruhige Geist aus der Sechsten hat später einen Riesenschritt nach vorne gemacht. „Hauptschulabschluss Typ B, Fachoberschulreife, er kann jetzt auch noch sein Abitur machen“, sagt Oliver Dege (46), Leiter der Martin-Luther-Hauptschule. „Inklusion“, sagt er, „ist grundsätzlich gut, aber die Wege dahin sind schwierig. Wir brauchen Förderschullehrer, Klassenassistenten, viel Geduld und Weiterbildung“. Inklusion lohnt sich, man kann Erfolge erreichen, weiß der Pädagoge.

Das Kollegium der Martin-Luther-Hauptschule ist sich einig. „Wir wollen weiter Schwerpunktschule sein. Aber die Art und Weise, wie das von oben organisiert wird, stellt uns vor große Probleme“, weiß Schulleiter Dege.

Kollegien rückenenger zusammen

Und wie sein Kollege Rudolf Holtappel, der nach 41 Jahren und 251 Tagen mit dem Beginn der Ferien in den Ruhestand geht, hofft er, dass man auch ohne Förderschullehrer – die kurzfristig gestrichen worden sind – die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf erfolgreich in den Regelunterricht „mitnehmen“ kann.

„Wenn man uns fragen würde, hätten wir Ideen“, sagen die Lehrer Dege und Holtappel. „Aber uns Praktiker fragt ja keiner.“ Klar ist für die Pädagogen, dass die Art und Weise, mit der Inklusion bisher durchgesetzt werden sollte, der falsche Weg war. „Erst wird den Leuten erzählt, es gebe demnächst keine Förderschulen mehr, dann setzt man den Notenschnitt für Studienanfänger so weit nach oben, dass niemand mehr den Studiengang wählt; und dann wundert man sich, dass es keine Förderschullehrer mehr gibt“, beschreibt Rudolf Holtappel die Misere, die jetzt alle Iserlohner Schulen erreicht hat, an denen Inklusion seit Jahren erfolgreich versucht wird.

„Dabei ist die Idee dahinter gut, aber das geht eben nicht mit der Brechstange“, meint Hauptschul-Direktor Dege, der sich erst geärgert hat über die Ankündigung, dass Förderschullehrer von der inklusiven Schule zurück an die Fachschule beordert werden. „Auch wir haben das erst aus der Zeitung erfahren.“ Inzwischen geht Oliver Dege das Thema pragmatisch an. „Wir haben im Kollegium zwei Lehrer ausgewählt, die sich des Themas Inklusion schwerpunktmäßig annehmen. Wir beraten uns mit den Kollegien der anderen Schulen und auch mit den Lehrerinnen und Lehrern der Brabeckschule, wie wir uns gegenseitig auch unter den misslichen Umständen helfen können.“

„Langfristig“, meint Direktor Dege, müsse man die Inklusion neu denken. „Wir brauchen manchmal auch nur Fachleute, wenn wir Probleme mit Schülern haben, die sozial-emotionalen Förderbedarf haben. Wenn es kritisch wird, reicht es schon, wenn da jemand ist, der mit dem betreffenden Schüler nach draußen geht, um die Situation zu beruhigen. Der Lehrer, der gerade unterrichtet, kann das nicht leisten, es gibt ja noch 30 andere in der Klasse.“

Schulassistenten könnten das sein, vielleicht auch Erzieher. „Es geht eben nicht darum, die Kinder auszugrenzen, ich bin von der inklusiven Schule überzeugt, aber ohne geschultes Personal wird das auf Dauer nicht gelingen. Gemeinsam schaffen wir das.“

270 Schülerinnen und Schüler werden derzeit von 26 Lehrkräften an der Martin-Luther-Hauptschule unterrichtet. 15 Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf werden zum neuen Schuljahr an der Martin-Luther-Schule unterrichtet.

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