Kinder- und Jugendrat

Gemeinsam Zeichen gegen Rassismus setzen

Beispielsweise mit „Action Painting“ wurden die ersten der Leinwände für die großen Rahmen an der Lennepromenade gestaltet. Vorgestellt werden sie in der kommenden Woche.

Beispielsweise mit „Action Painting“ wurden die ersten der Leinwände für die großen Rahmen an der Lennepromenade gestaltet. Vorgestellt werden sie in der kommenden Woche.

Foto: Michael May / IKZ

Iserlohn.  13 der mindestens 48 Mitglieder des neu formierten Kinder- und Jugendrates lernten sich kennen und waren dabei auch sehr kreativ.

Wenn die Corona-Pandemie mit dem Lockdown nicht dazwischen gekommen wäre, hätten sich die mindestens 48 alten und neuen Mitglieder des Kinder- und Jugendrates (KiJuRat) am 30. März zu ihrer ersten Vollversammlung getroffen. Statt dessen hielten sie seitdem virtuell Kontakt, unter anderem mit regelmäßigen Videokonferenzen, in denen einige der Bürgermeister-Kandidaten und Fachleute aus der Stadtverwaltung interviewt wurden (wir berichteten).

In den vergangenen beiden Tagen kamen jetzt 13 Kinder und Jugendliche aus dem immer noch nicht vollständigen Gremium (zwei Schulen müssen noch nach den Ferien ihre Delegierten entsenden) erstmals nach den Wahlen im Februar auch in der realen Welt zusammen, und zwar bei einer besonderen Aktion auf dem früheren Bauspielplatz Hombruch. „Wir wollen mit den neuen KiJuRat-Mitgliedern ein Zeichen gegen Rassismus setzen, denn das ist neben Corona ja das Thema derzeit“, erklärte die Kinder- und Jugendbeauftragte Petra Lamberts. Die öffentlichkeitswirksame Möglichkeit, dazu Stellung zu beziehen, bietet sich derzeit an der Lennepromenade: Stadtplanerin Dr. Dagmar Lehmann hatte beim Kinder- und Jugendbüro angefragt, ob sie Ideen für die Gestaltung der großen Ausstellungsrahmen haben.

Fehlender Politik-Unterricht als Grund für Engagement

Bevor es am Donnerstag unter Anleitung von Katja Rautenstrauch und Johanna Knöppel an Entwürfe und teils auch schon direkt ans Bemalen der jeweils 5,20 Meter langen und 1,70 Meter hohen Leinwände ging, die Ende der kommenden Woche angebracht und vorgestellt werden sollen, beschäftigten sich die Kinder und Jugendlichen mit dem Thema Rassismus und berichteten dabei auch von ihren ganz persönlichen Erlebnissen mit Diskriminierung und Zurückweisung. Zuvor hatten sie sich in einer Kennenlern-Runde vorgestellt und dabei vor allem auch von den Gründen für ihr Engagement im Kinder- und Jugendrat erzählt. Dabei berichteten mehrere der politisch sehr interessierten Kinder und Jugendlichen davon, dass sie sich in ihren Schulen zur Wahl gestellt hätten, weil der Politik-Unterricht mangels Fachlehrern aktuell und vielfach schon seit längerem ausfällt. So haben derzeit nur drei der 13 Politik in der Schule, weitere vier hatten es immerhin schon einmal während ihrer Zeit auf den verschiedenen weiterführenden Schulen. In Gesamtschulen wird zudem das Fach mit weiteren zu „Gesellschaftslehre“ zusammengefasst, oder es findet wie in der am Seilersee im Rahmen der „Themenzeiten“ Berücksichtigung. „Wir hatten schon fast ein Jahr kein Politik“, berichtete hingegen beispielsweise Luke (12), der die Realschule Letmathe besucht. Auch für Amy, die eine Jahrgangsstufe über ihm ist, war das der Auslöser, im KiJuRat mitzumachen. Die 14-Jährige gehört zu den so genannten interessierten Mitgliedern in dem unparteiischen Gremium, das alle Kinder und Jugendlichen Iserlohns vertritt: Wer aufgrund einer höheren Anzahl an Kandidaten an seiner Schule nicht als Delegierter gewählt wurde, kann aber trotzdem mitarbeiten, nur nicht vom KiJuRat in die Fach-Ausschüsse des Stadtrates entsandt werden (siehe Informationen am Artikel-Ende).

Durchführung der KiJuRat-Wahlen steht und fällt mit Lehrern

„Die Möglichkeit, sich auch ohne Mandat zu engagieren, bieten wir zudem auch, weil die Wahlen leider nicht an allen Schulen so ablaufen, wie es wünschenswert wäre“, sagte Katharina Ramb aus dem Kinder- und Jugendbüro. Es stehe und falle stets mit den Lehrern, die für die Durchführung benötigt würden und die im besten Fall auch die Werbetrommel für das Mitwirkungsgremium ordentlich rühren.

Bei Denise von der Gesamtschule Seilersee hat das geklappt: „Meine Lehrer haben mich angestiftet, und dann habe ich mich breit schlagen lassen“, erzählt die 12-Jährige mit einem Schmunzeln. Auch Tobias (11) aus der Klasse unter ihr hat über seine Lehrer vom KiJuRat erfahren und wollte sich gerne engagieren auch mit Blick auf einen seiner Lieblingsorte, die Skateranlage unter der Autobahnbrücke am Seilersee. Vermüllung und sonstige Verschmutzung sind ihm dort ein Dorn im Auge. „Dann bist du in unserer Arbeitsgruppe für Spielplätze und Freizeitorte richtig“, sagte Petra Lamberts. Beim nächsten Treffen der KiJuRat-Mitglieder am Montag, 10. August, sollen die Interessen abgefragt werden, damit sich die einzelnen Gruppen (unter anderem auch Natur & Umwelt oder Toleranz & Vielfalt) entsprechend finden und ihre Arbeit aufnehmen können.

Mitarbeit ist auch ohne Wahl möglich

Im Kinder- und Jugendrat können sich Schüler ab der fünften Klasse bis zur 13. Jahrgangsstufe für die Belange ihrer Mitschüler, Freunde und Bekannten einsetzen und sich in vielen verschiedenen Bereichen der Jugendarbeit engagieren.

KiJuRat-Mitglieder werden in den Jugendhilfe-, den Schul- und den Umweltausschuss entsandt, um dort die Interessen der Kinder und Jugendlichen Iserlohns zu vertreten.

Im Februar fanden die Wahlen an den Schulen statt, bei denen idealerweise immer zwei Vertreter für zwei Stufen bestimmt werden. Zudem ist aber auch die freiwillige Mitarbeit möglich. Infos unter www.iserlohn.de, bei Facebook und YouTube unter KiJuRat Iserlohn.

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