Parktheater

Glanzlicht im Parktheater

Udo Wachtveitlund Miroslav Nemec (re.) begeisterten mit Charles Dickens’ „Weihnachtsgeschichte“.

Foto: Wolfgang Meutsch

Udo Wachtveitlund Miroslav Nemec (re.) begeisterten mit Charles Dickens’ „Weihnachtsgeschichte“. Foto: Wolfgang Meutsch

Iserlohn.   Die Schauspieler Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl brillieren mit der „Weihnachtsgeschichte“ in Iserlohn.

Na, diesen Fall haben die beiden wirklich brillant gelöst: Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl ernteten Ovationen des Publikums für ihre Gala-Vorstellung. Tatort: das ausverkaufte Iserlohner Parktheater am Mittwochabend.

Jeder kennt sie als kongeniales Münchener Kommissar-Duo Ivo Batic und Franz Leitmayr, das Sonntagabend im Ersten dem Verbrechen auf die Spur geht. Und fast jeder im Iserlohner Publikum war wohl auch insgeheim geneigt, Batic und Leitmayr auf der Bühne zu identifizieren. Die Fernsehfiguren schweben nach all den Jahren geradezu wie Geister über ihnen.

Subtil, gespenstisch, aber auch wärmend amüsant

In Charles Dickens’ (1812 bis 1870) weltbekannter Erzählung „A Christmas Carol in Prose“, auf Deutsch: „Eine Weihnachtsgeschichte“, geht es aber um ganz andere Geister – Geister, die das Verbrechen unmenschlicher Härte und Kälte abstrafen. Subtil, gespenstisch, mit Albträumen, aber auch mit einer großen Portion Herzenswärme.

Dickens, in ärmlichen Verhältnissen und mit Kinderarbeit aufgewachsen, prangert in der „Weihnachtsgeschichte“ die sozialen Verhältnisse an. Doch die tiefe Kluft zwischen Arm und Reich kennzeichnet eben nicht nur das aufboomende Industriezeitalter des 19. Jahrhunderts, sondern ist auch heute im globalen Digitalzeitalter allgegenwärtig – ob in Afrika, im Nahen Osten, in den Favelas Südamerikas oder in den Passagen der Konsumtempel deutscher Großstädte. Verstärkt zur Adventszeit.

Erzählkunst und Musik perfekt inszeniert

Eng angelehnt an Dickens’ Vorlage haben Regisseur Martin Mühleis und Komponist Libor Síma mit ihrem Bühnenmärchen ein völlig neues Format der „Weihnachtsgeschichte“ auf die Tournee-Bretter gebracht. Die Szenerie wird reduziert auf den wohlhabenden und hartherzigen Protagonisten Ebenezer Scrooge, dargestellt von Miroslav Nemec. Ihm gegenüber mimt Udo Wachtveitl die Geister, die Scrooge am Vorabend des Weihnachtstages zur Barmherzigkeit bekehren wollen.

Nemec und Wachtveitl sind dabei in erster Linie die Erzähler. Ganz in Schwarz gekleidet und mit weißen Engelsflügeln geschmückt, kündet aber auch ein hochkarätig besetztes Streicherquintett von der „Weihnachtsgeschichte“ – erzählt mit Harmonie und Dissonanzen, auf- und abschwellendem meisterhaftem Klang von Traumbildern und der Welt, die Ebenezer Scrooge umgibt. Lichteffekte, Bühnennebel und auf Leinwand gebeamte, dezente Silhouetten vervollkommnen dies. Spartanisch, aber treffsicher inszeniert.

Mittendrin präsentieren sich Wachtveitl und Nemec als glänzende Erzähler, die mit ihrer Rolle aber auch schauspielerisch verwachsen sind: Nemec als der zunächst gefühlslose Scrooge, der durch geisterhafte Missionen plötzlich zum mitfühlenden – und erst damit lebenden – Menschen geläutert wird. Als geisterhaftes Gegenüber zeigt sich Wachtveitl nicht nur stimmgewaltig, sondern immer wieder auch mit spielerischer Leichtigkeit als Komödiant. So lässt die bitter-süße „Weihnachtsgeschichte“ als Bühnenmärchen stets auch Raum für erlösendes und herzhaftes Lachen.

Just vorm ersten Advent hat dieses Stück im Parktheater ein wahres Glanzlicht gesetzt.

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