Glocken-Geburtstag

„Großes Halleluja“ zum Preise der Iserlohner Kirchenglocken

Pfarrerin Brigitte Zywitz, Leiterin des Burgarchives, zeigt sich beeindruckt von den 100 Jahre alten Glocken in der Obersten Stadtkirche.

Pfarrerin Brigitte Zywitz, Leiterin des Burgarchives, zeigt sich beeindruckt von den 100 Jahre alten Glocken in der Obersten Stadtkirche.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Wegen des großen Interesses gab es vor 100 Jahren zwei Glocken-Einweihungskonzerte in der Obersten Stadtkirche.

Heute vor 100 Jahren erhielt die Oberste Stadtkirche neue Glocken aus Stahl und feierte sie mit einem großen Einweihungsgottesdienst. Dazu finden sich im Kirchenarchiv noch reichlich Unterlagen, wie Pfarrerin Brigitte Zywitz beim gemeinsamen Besuch im Glockenturm erläuterte.

Die Heimatzeitung berichtete damals über den Festgottesdienst zur Glockenweihe am 17. Oktober 1920: „Das Gotteshaus war mit Andächtigen dicht gefüllt. Der Augenblick des Abrufs der einzelnen Glocken gestaltete sich als packendes Erlebnis, und als gegen 11 Uhr alle Glocken gemeinsam ihre Stimme erklingen ließen lauschte drinnen und draußen eine ergriffene Menschenmenge. (...) Das Gesamtgeläut schwang sich über die Stadt wie ein neues, hoffendes Leben.“

Brigitte Zywitz erinnerte an das Buch von Dr. Margret Kirchhoff über die Oberste Stadtkirche, das auch die Geschichte der Glocken ausführlich dokumentiert: „Pulsschläge einer Stadt. Die Oberste Stadtkirche Iserlohn. Zeitbilder und Momentaufnahmen“.

In der Ankündigung des Glockeneinweihungskonzertes, den der Kirchenchor damals gestaltete, hieß es darin: „Als Solisten hat der Chor bewährte Kräfte verpflichtet, die im Rahmen dieses Glockenweihekonzertes Perlen geistlicher, klassischer Musik bieten.(...) Der Träger der geistlichen Musikaufführung, der Kirchenchor, unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Julius Topp, wird zum Preise der Glocken und ihrer Bedeutung das ewig herrliche ,große Halleluja’ von G. F. Händel mit Orgelbegleitung erklingen lassen.“ Für diese Veranstaltung mussten die Gläubigen damals 2,50 Mark im Vorverkauf bezahlen.

„Wir können befriedigt feststellen, dass dieses Konzert so großen Anklang findet, dass es die Sitzmöglichkeiten der Kirche überfordert“, hieß es damals in der Ankündigung. Deshalb wurde es sogar am 28. November 1920 wiederholt. Die Kirchengemeinde hatte dafür die Befreiung von der „Lustbarkeitssteuer“ beantragt. In einem Dokument von damals, das Pfarrerin Zywitz ausgegraben hat, bittet der Kirchenchor darum, von der Zahlung einer „Luxussteuer“ abzusehen, da der Erlös für die Instandsetzung der Obersten Stadtkirche gedacht sei. Der Magistrat der Stadt habe das damals befürwortet mit dieser Begründung: „Für das am Sonntag, den 28. ds. Mts. wiederholte Kirchenkonzert sehen wir ausnahmsweise nochmals von der Zahlung der Lustbarkeitssteuer ab.“

Rechnung über rund 15.577 Mark für die drei Glocken

Margret Kirchhoff hat in ihrem Buch die Rechnung für die Glocken dokumentiert. Demnach stellte der Bochumer „Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation“ der Evangelischen obersten Stadtgemeinde Iserlohn, zu Händen, Herrn Pfarrer Walther eine Gesamtrechnung über 15.577,23 Mark: für die 2630 Kilogramm schwere Ais-Glocke, die 1587.5 Kilo schwere cis-Glocke und die Kilo 1136 schwere e-Glocke mit Läute-Zubehör mit Zahnkranzrolllagern sowie 246 Schriftzeichen und Hilfeleistungen beim Abladen durch einen eigenen Monteur. In dem Kirchhoff-Buch findet sich noch diese Randnotiz: „Eine irgendwie betrübliche Tatsache muss noch festgehalten werden: Unsere kleine Uhrglocke am Nordturm ist mit der Lieferung der neuen Glocken im wahrsten Sinne des Wortes sang- und klanglos in den Ruhestand versetzt worden. Sie hängt zwar noch an ihrem Platz – aber sie ist verstummt. Die Viertelstundenschläge werden weithin hörbar der größten der neuen Glocken jeweils durch einen neben ihr befindlichen kräftigen Hammer entlockt. Die volle Stunde schlägt jeweils ihre Nachbarin, die cis-Glocke.“

Kirchenkennerin Margret Kirchhoff erinnert in ihrem Buch auch an die Läuteordnung, die bereits im Jahr 1789 Anlass zur Kritik an der Handhabung des kirchlichen Glockengeläutes gegeben hatte.

Mit einer musikalischen Abend-Vesper feiert die evangelische Versöhnungskirchengemeinde 100 Jahre Glockenweihe in oder an der Obersten Stadtkirche unter dem Titel „Gloria sei dir gesungen!“ Bei allzu feuchter Witterung in der Kirche.

Sie beginnt am Samstag, 24. Oktober, um 18 Uhr. Daran wirken Pfarrer Jürgen Löprich, Kirchenmusikdirektor Hanns-Peter Springer sowie Mitglieder der Kantorei und der Seniorenkantorei mit.

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