Justiz

Gutachter sieht Tat als symptomatisch an

Foto: Katja Lenz

Iserlohn/Hagen.   Der Prozess um den Angriff an der Oberen Mühle in der Silvesternacht wurde fortgesetzt - und lieferte neue Einblicke in das Vorleben der mutmaßlichen Täter

Eingeschränkte Steuerungsfähigkeit wahrscheinlich, die Tat „symptomatisch“ für Sucht und vorhandene Persönlichkeitsstörungen: Im Prozess gegen das Iserlohner Paar, das in der Silvester-Nacht im Drogen- und Alkoholrausch einen 39-Jährigen im Bereich Obere Mühle grundlos angegriffen und schwer verletzt haben soll, wurde beim dritten Verhandlungstag in Hagen ein Gutachter gehört. Eine klare Aussage in Sachen Schuldfähigkeit vermeidet der Mann jedoch.

So beschreibt der Gutachter den mehrfach vorbestraften Angeklagten als jähzornig und aufbrausend. Es liege eine multiple Abhängigkeit und eine Persönlichkeitsstörung, allerdings keine seelische Abartigkeit vor. Der 30-Jährige hatte angegeben, sich bedingt durch Drogen und Alkohol kaum an die Tat erinnern zu können. Der Zeuge, der das Opfer nach dem mutmaßlichen Angriff ins Krankenhaus gebracht hatte, bestritt jedoch sichtbare Ausfallerscheinungen bei ihm. Der Gutachter hält es für wahrscheinlich, dass Drogen und Alkohol einen Kontrollverlust begünstigt hätten – beweisbar sei dies jedoch nicht, konnte doch keine Blutprobe unmittelbar nach der Tat genommen werden.

Als sicher gilt, dass der Mann aus schwierigen Verhältnissen kommt, früh Opfer von Gewalt durch den Stiefvater wurde. Mit „15 oder 16“, gibt er an, sei er selbst zum Jugendamt, dann in eine betreute Wohngemeinschaft gekommen. Wenig später wird er erstmals straffällig.

Die 27-jährige Angeklagte beschreibt sich gegenüber dem Gutachter als depressiv, auch als rachsüchtig und wahnhaft. Am ersten Prozesstag hatte sie ihre Verteidigerin verlesen lassen, das spätere Opfer habe sie vor dem Angriff bei einer Party verfolgt und später an die Brust gefasst. Daraus seien ihr Anbetracht mehrfach erlebten Missbrauchs in ihrer Kindheit „die Sicherungen durchgebrannt“.

Für diese Behauptungen spricht laut dem Gutachter, dass sich die Gewalt beider Angeklagten allein gegen das Opfer gerichtet hätte, nicht aber gegen den Zeugen, der diesem zur Hilfe kam. Die 27-Jährige, wie ihr Freund über Jahre drogenabhängig, weise in mehrfacher Hinsicht Persönlichkeitsstörungen auf.

Der Prozess wird am 24. Juli in Hagen fortgesetzt. Nach den Plädoyers ist ein Urteil wahrscheinlich.

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