Drogenprävention

GZSZ-Star berichtet über Drogenzeit

„Wir trauen uns, die Realität anzusprechen“: Oliver Dege (li.), Leiter der Martin-Luther-Schule, und das Kollegium wollen mit prominenter Unterstützung am Donnerstag ein schwieriges Thema angehen.

„Wir trauen uns, die Realität anzusprechen“: Oliver Dege (li.), Leiter der Martin-Luther-Schule, und das Kollegium wollen mit prominenter Unterstützung am Donnerstag ein schwieriges Thema angehen.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Schauspieler Eric Stehfest diskutiert mit den Schülerinnen und Schülern der Martin-Luther-Schule über seine Biografie „9 Tage wach“.

Partydrogen, Abhängigkeit, Entzug – schonungslos und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen beschreibt Schauspieler Eric Stehfest in seiner Biografie „9 Tage wach“, die 2017 erschienen ist, seine Zeit in der Drogenszene. In dieser Woche besucht er am Donnerstag, 14 Uhr, die Martin-Luther-Hauptschule, um mit den Schülern über seine Erfahrungen zu diskutieren und ihre Fragen zu beantworten.

Offensiv mit dem Thema Drogen umgehen

Ein explizites Drogenproblem gebe es an der Martin-Luther-Schule zwar nicht, aber Schulleiter Oliver Dege stellt klar, dass man sich als eine ehrliche Schulform verstehe. „Wir trauen uns, die Realität anzusprechen“, erklärt er und macht deutlich, dass das Thema Drogenkonsum nicht unter den Teppich gekehrt werden soll. Auch an anderen Schulen seien Drogen ein Thema, berichten die beim Gespräch anwesenden Lehrer.

Eine Gefährdung der Schüler sei also gegeben. Im Gegensatz zu anderen Schulen solle jetzt aber offensiv mit dem Thema Drogenkonsum umgegangen werden. „In der 8. Klasse führen wir im Rahmen einer Kooperation mit der Drogenberatung die Schüler an die Thematik ran. Aber wir sehen diesen Vortrag als Chance, weitere Lösungen für dieses Problem zu finden“, erklärt Schulsozialarbeiter Detlef Schneider das Vorhaben.

„9 Tage wach“ soll als Türöffner dienen. Schneider betont, dass sie das Gespräch mit Eric Stehfest als alternative Herangehensweise sehen. „Er ist schon eine mediale Größe. Viele Schüler kennen ihn und das ist natürlich interessant“, berichtet Deutschlehrerin Bernadette Faust. Authentizität sei ein wichtiges Stichwort, denn wenn die Lehrer in ihrer Autoritätsfunktion vor Drogenkonsum warnten, komme das bei den Schülern häufig nicht an. Die Lektüre des Buchs zeige, dass das gute Gefühl des Drogenkonsums nur eine Momentaufnahme sei und dass Partydrogen große Risiken bergen.

Zusage kam bereits nach vier Stunden

Bereits in einer Lehrerkonferenz im August 2018 hatte Detlef Hinse die Idee, die Biografie von Eric Stehfest im Unterricht zu thematisieren und ihn persönlich einzuladen. Nach vier Stunden sei die Zusage dann da gewesen, so Hinse. Eine Doppelstunde will Stehfest sich mit den Zehntklässlern beschäftigen, unter der Voraussetzung, dass sie das Buch vorher gelesen haben. Der Verlag Edel Book bietet dazu auf seiner Website Material an. „Dadurch wird es für unsere Schüler möglich, die Geschichte zu erarbeiten. So kommen sie gut mit dem Inhalt und auch der Schreibweise zurecht“, berichtet Yasemin Uzer. Die Deutschlehrerinnen berichten, dass vor allem der Schreibstil der Biografie problematisch war. Die kurzen, abgehackten Sätze, die verwirrenden Gedankensprünge – das alles sind Herausforderungen für die Schüler. „Aber so wird auch deutlich, wie sich ein Betroffener fühlt. Man bekommt quasi einen ungefilterten Einblick in den Kopf eines Chrystal-Meth-Konsumenten“, erklärt Bernadette Faust.

Das Unterrichtsmaterial und die aktuelle Thematik habe den Schülern aber geholfen, durchzuhalten. Die Lehrerinnen und Lehrer sind sich einig, dass dieses Buch vielleicht für einige das erste oder sogar letzte komplett gelesene Buch gewesen sein könnte. Im geschützten Rahmen der Martin-Luther-Schule werden Schülerinnen, Schüler und auch das Lehrpersonal mit Eric Stehfest ins persönliche Gespräch kommen. Die Lehrer hoffen, dass so auf Augenhöhe über das Thema Drogenkonsum gesprochen werden kann.

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