Waffendeal

Händler erwirbt brisantes Erbe

Die im April 2019 beschlagnahmten Waffen aus der Wohnung eines verstorbenen Sammlers lagerte die Polizei vorübergehend in ihrer Massenzelle.

Die im April 2019 beschlagnahmten Waffen aus der Wohnung eines verstorbenen Sammlers lagerte die Polizei vorübergehend in ihrer Massenzelle.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Für den größten Waffenfund in Iserlohn hat die Polizei jetzt einen Abnehmer gefunden: einen Waffenhändler der Region.

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Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen und hielt Polizei und Ordnungskräfte der Stadt mehrere Tage in Atem: In der Wohnung eines 81-jährigen Iserlohners fanden Mitarbeiter des Ordnungsamtes Ende April 500 Waffen und fünf Kilogramm Schwarzpulver. Der Iserlohner, der über Jahre unbehelligt diese ungewöhnliche Menge an Waffen zuhause gehortet hatte, war im Krankenhaus verstorben.

Bei der Suche nach Angehörigen fanden Ordnungskräfte in der Wohnung und im Keller des Mannes die größte Waffensammlung, mit der die Polizei des Märkischen Kreises bisher zu tun hatte, darunter Maschinenpistolen und eine Kalaschnikow – teilweise noch geladen.

Der Bereich der Wohnung im Zentrum Gerlingsens wurde in der Nacht zeitweilig abgesperrt, ein Löschzug der Feuerwehr mit Notarzt sowie der Bereitschaftsdienst der Stadtwerke waren im Einsatz, LKA-Spezialisten aus Düsseldorf rückten zum Entschärfen in der Nacht an. Die Sicherstellung aller Waffen ging am nächsten Tag weiter. Da alarmierte die Polizei nochmal die LKA-Kollegen aus Düsseldorf, um eine mutmaßliche Handgranate zu entschärfen. Die stellte sich als Attrappe heraus.

Waffensammler wurde imanonymen Grab beigesetzt

Da sich auch nach längeren Recherchen in der Wohnung keine Angaben zu Angehörigen auftreiben ließen, hat letztlich das Ordnungsamt die Bestattung veranlasst. Der Verstorbene wurde im Juni auf dem anonymen Urnengräberfeld des Iserlohner Hauptfriedhofs beigesetzt. Die Kosten für die Verbrennung seiner sterblichen Überreste und die Urnenbestattung belaufen sich auf rund 3000 Euro, erklärte Stadtsprecherin Christine Schulte-Hofmann. Für diese Kosten ging die Stadt, wie üblich in solchen Fällen, zunächst in Vorleistung. Dann wurde dieser Vorgang an das Nachlassgericht übergeben. Das bestellte als Nachlasspfleger Hendrik Neumann, einen Rechtsanwalt aus Dortmund.

Zu dem aktuellen Fall wollte der Nachlasspfleger aus Datenschutzgründen mit Hinweis auf seine anwaltliche Schweigepflicht nichts sagen: „Nur Generelles, ich versuche so gut wie möglich, die Gläubiger mit den vorhandenen Sachwerten zu befriedigen und übernehme die Beisetzungskosten. Wenn es um Waffen geht, wird erst mal mit Sachverständigen geprüft, welche legal sind und welche illegal. Und welche verschrottet werden können. Mit dem Verkaufserlös bediene ich zuerst die öffentliche Hand.“

Polizeisprecher Dietmar Boronowski geht ins Detail: „Nach Rücksprache mit dem Nachlassverwalter und unserer Waffenabteilung hat ein Händler folgende Waffen übernommen: sechs erlaubnispflichtige Langwaffen, dazu 22 erlaubnispflichtige Kurzwaffen, 54 unbrauchbar gemachte Gewehre, 35 unbrauchbar gemachte Pistolen sowie Schreckschuss-Waffen mit Beschusszeichen PTB im kleinen Kreis, 24 Gewehre, 61 Pistolen Druckluftwaffen (mit F im Fünfeck), 71 Pistolen und Revolver, 16 Gewehre“, teilte Boronowski mit. Das macht rund 300 Einzelposten. Zum genauen Kaufpreis gibt er keine Auskunft.

Säbel und Messer sollen noch verkauft werden

Der Käufer habe außerdem die komplette Munition erworben. Die übrigen Dekowaffen, Säbel und Messer sollen noch verkauft werden, erklärte Boronowski weiter. Für die Staatsanwaltschaft Hagen ist der Fall abgeschlossen. „Die Ermittlungen wurden eingestellt“, teilte Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli mit.

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