Ende einer Ära

Hänsel Textil stellt den Geschäftsbetrieb ein

Mit dem Aus für Hänsel Textil ergibt sich neben der Frage nach der Zukunft der Beschäftigten auch die ungewisse Zukunft des riesigen Fabrikkomplexes zwischen Pütterstraße und Karnacksweg.

Mit dem Aus für Hänsel Textil ergibt sich neben der Frage nach der Zukunft der Beschäftigten auch die ungewisse Zukunft des riesigen Fabrikkomplexes zwischen Pütterstraße und Karnacksweg.

Foto: IKZ

Iserlohn.  Nachdem im vergangenen Jahr 50 Mitarbeiter gehen mussten, sind jetzt 40 Beschäftigte von der Schließung der Traditionsfirma Hänsel Textil in Iserlohn betroffen. Sie sollen für zwölf Monate in eine Transfergesellschaft wechseln.

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Die düsteren Wolken über dem Unternehmen zwischen Pütterstraße und Karnacksweg entsprechen der Stimmungslage unter den Beschäftigten. Auch wenn auf der Betriebsversammlung im Oktober noch Hoffnung verbreitet wurde, dass es weitergeht, weil noch Gespräche mit einem Investor in Süddeutschland geführt werden sollten, ist das Aus für Hänsel Textil am Standort Iserlohn beschlossene Sache. Seit Mitte November steht fest: Hänsel Textil stellt zum Jahresende den Geschäftsbetrieb ein. Davon sind 40 Beschäftigte betroffen.

„Die Hänsel Textil verzeichnete im aktuellen Geschäftsjahr trotz Verkauf der Einlagensparte erneut erhebliche wirtschaftliche Rückgänge. Auch für das Jahr 2016 erwartet das Unternehmen einen weiteren Rückgang der Umsätze, die nicht durch Mehrumsatz in anderen Bereichen ausgeglichen werden können. Deshalb haben sich die Gesellschafter schweren Herzens entschlossen, den Geschäftsbetrieb der Hänsel Textil in Iserlohn einzustellen. Diese Entscheidung ist auch deshalb notwendig, um eine mögliche Insolvenz im Laufe des nächsten Jahres zu vermeiden“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens auf Anfrage unserer Zeitung

Maschinen wurden schon abgebaut und abgeholt

Das Unternehmen macht damit den Weg frei für die Gründung einer Transfergesellschaft: „In dieser können die Mitarbeiter für zwölf Monate beschäftigt werden und sich dabei für eine neue berufliche Tätigkeit mit Unterstützung eines erfahrenen Beraters qualifizieren. Betriebsrat und Geschäftsführung werden hierbei voraussichtlich durch die Firma LEXA Beratungsgesellschaft mbH unterstützt.“ Diese ist bereits auch mit einer weiteren Transfergesellschaft für die Hänsel Textil betraut. Wie berichtet, haben 2014 bereits 50 Hänsel-Mitarbeiter ihren Job verloren. Ihnen wurde angeboten, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Dem Vernehmen nach haben aus der letzten Auffanggesellschaft des Unternehmens wenige Arbeitnehmer eine neue Anstellung gefunden.

Wie zu erfahren war, sollen bereits planmäßig Maschinen abgebaut und abgeholt worden sein. Die vorhandenen Aufträge und Reklamationen werden jetzt noch abgearbeitet. Am Freitag, 18. Dezember, soll der letzte Arbeitstag sein.

Wie das Unternehmen weiter mitteilt, wird die Firma Hänsel Tex ihren bisherigen Geschäftsbetrieb voraussichtlich mit einem Teil ihrer heutigen Mitarbeiter als reine Handelsgesellschaft weiter betreiben. Wie Geschäftsführer Rudolf Loewen in einer Pressemitteilung erklärt, bemühen sich die Gesellschafter die 40 von der Einstellung des Geschäftsbetriebes betroffenen Mitarbeiter möglichst schnell in andere Unternehmen zu vermitteln.

„Natürlich trifft es uns als alte Hänsel-Rösser sehr stark, wenn diese Tradition endet“, erklärte der frühere Vertriebsgeschäftsführer Klaus Bührmann im Gespräch mit unserer Zeitung, der noch an Zeiten erinnert, „wo Hänsel durch besondere Entwicklungen und Erfindungen als Weltmarktführer ganz oben stand“. Das 1908 in Forst gegründete und seit 1948 in Iserlohn beheimatete Unternehmen gehörte mit Fokus auf Einlagestoffe für Bekleidung zeitweise zu den deutschen Marktführern.

Der Kenner der Materie sagt mit Blick auf die Geiz-ist-geil-Mentalität: „Die Zeiten ändern sich. Der Bekleidungsmarkt ist kaputt. Wenn Sie die Qualität sehen, die verlangt wird, finden Sie nur im teuren Bereich noch Qualität.“

Mit dem Aus für das Traditionsunternehmen Hänsel Textil am Standort Iserlohn ergibt sich neben der Frage der Zukunft der Beschäftigten auch die ungewisse Zukunft des riesigen Fabrikkomplexes zwischen Pütter­straße und Karnacksweg.

Freudenberg-Gruppe erwarb 2014 die Marke Hänsel

Rückblende: Nach dem Erwerb durch die Kufner-Gruppe im Jahr 1991 riss die Kufner-Insolvenz auch die Hänsel-Gruppe in Schwierigkeiten, es kam zum Insolvenzantrag im Oktober 2009. Nach der Verfahrensaufhebung und der Übernahme der Hänsel-Gruppe durch Neugesellschafter folgte 2011 die Gründung der Hänsel-Tec GmbH mit dem Schwerpunkt auf technische Textilien. Die Hänsel Textil GmbH verblieb als einziger vollstufiger Hersteller von gewirkten und gewebten Einlagestoffen in Deutschland. Die Geschäftsgruppe Freudenberg Vliesstoffe erweiterte 2014 ihr Portfolio der Einlagestoffe mit der Übernahme der Marke Hänsel.

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