Politik

„Helmut Kohl hat eine Generation geprägt“

Der Mann aus Oggersheim: Bundeskanzler a.D. Helmut Kohl mit seiner zweiten Ehefrau, Maike Kohl-Richter, im Dezember 2014.

Foto: Arno Burgi

Der Mann aus Oggersheim: Bundeskanzler a.D. Helmut Kohl mit seiner zweiten Ehefrau, Maike Kohl-Richter, im Dezember 2014. Foto: Arno Burgi

Iserlohn.   Wir haben Stimmen aus der Region zum Tode des früheren Bundeskanzlers und CDU-Vorsitzenden eingeholt.

„Einigkeit und Recht und Freiheit“: Unter Ägide Helmut Kohls als Bundeskanzler (1982 bis 1998) ist die Hymne der Bundesrepublik Deutschland Wirklichkeit geworden. Der Einheitskanzler hat damit für immer einen prominenten Platz in den Geschichtsbüchern. Ihm ist es gelungen, nach dem Mauerfall 1989 die damals noch immer tief sitzenden Ressentiments in Paris, London und Moskau zu überwinden, um die deutsche Einheit zu erreichen. Zum Tode Helmut Kohls hat die Redaktion Stimmen von Politikern aus der Region eingeholt:

„Er hat mir in den letzten Jahren sehr gefehlt.“ Der Iserlohner Frank Elbe, langjähriger Diplomat, würdigte das besonnene Handeln des Altkanzlers. Kohl habe eine „ruhige, politische Hand“ gehabt. „Die Fähigkeit, Dinge auszusitzen, muss in der Politik nicht immer lästig sein.“ Kohl habe hervorragend zu Gorbatschow gepasst und sich auch mit US-Präsident Bush verstanden. Das sei eine „für Deutschland gute Situation“ gewesen. „Kohl wusste, wie wichtig in der Diplomatie wirkliche Freundschaften sind. Im Verhältnis zu Russland wäre es gut gewesen, wenn die Union ihn noch bis heute gehabt hätte.“

„Helmut Kohl hat als Bundeskanzler eine ganze Generation geprägt“, unterstreicht Landrat Thomas Gemke (CDU): „Seine große Leistung war, schnell das enge historische Zeitfenster zu erkennen und die deutsche Wiedervereinigung zu verwirklichen.“ Besonders am Herzen habe Kohl ebenso die Europapolitik und das Zusammenwachsen der europäischen Staaten gelegen, erklärt Gemke.

„Ganz sicher hat Helmut Kohl viel früher als andere die Bedeutung der Einheit Europas erkannt und verstanden. Das ist sein Verdienst“, betont SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag (Iserlohn). Innenpolitisch sei sein größter Erfolg natürlich die deutsche Wiedervereinigung gewesen. „Aber Helmut Kohl war auch Parteipolitiker und dabei eine Schlüsselfigur des bis heute noch nicht völlig geklärten Parteispendenskandals der CDU“, sagt Dagmar Freitag.

Aloys Steppuhn, ehemaliger Landrat des Märkischen Kreises: „Mit Helmut Kohl verlieren wir einen großen Europäer und einen Politiker, der Deutschland in seiner Amtszeit sicher geleitet hat. Sein bleibender Verdienst wird sicher seine zupackende Art bei der Wiedervereinigung sein.“

„Er ist ein großer Staatsmann gewesen, hat viel für Deutschland und Europa getan“, sagt der Iserlohner CDU-Fraktionschef Fabian Tigges. Geboren 1985, sei er quasi mit Kohl als Kanzler groß geworden. „Es gibt nur wenige Politiker im Nachkriegs-Deutschland, die so prägend waren.“ Er verbinde mit Kohl vor allem die Wiedervereinigung und Europa. „Beides hat er als Person geprägt und zu seinem Lebenswerk gemacht – dafür müssen wir ihm dankbar sein.“

Die frühere CDU-Landtagsabgeordnete Renate Brunswicker kann sich an ein Treffen mit Helmut Kohl 1975 am Rande des „Balls des Sports“ in Frankfurt erinnern. In Erinnerung bleiben werde ihr Kohl als Kanzler der Einheit. Er habe damals das eng begrenzte Zeitfenster konsequent genutzt, etwa durch die Gespräche mit Gorbatschow. „Kohl hat viel für unser Land getan und sich einen Platz in der Geschichte verdient.“ Den Abgang von der politischen Bühne im Zusammenhang mit der Spendenaffäre habe sie bedauert. Gleichwohl ist sie überzeugt, dass sich Kohl nie persönlich bereichert habe.

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Iserlohner Stadtrat, Michael Schmitt bezeichnet Kohl als großen Europäer, der für Deutschland viel getan und über Jahrzehnte positiv gewirkt habe. Aus seiner Generation seien viele wegen der Europapolitik Kohls in die CDU eingetreten.

„Wir Deutschen haben Helmut Kohl die Wiedervereinigung und die Europäische Union zu verdanken“, betont CDU-Bundestagsabgeordnete Christel Voßbeck-Kayser: „Was er als Vermächtnis für Deutschland hinterlässt, ist großartig.“

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