Integration

Heroes gestärkt, Checkpoint verjüngt

Am Danzturm stiegen die Hoffnungen und Wünsche der „Heroes“ in den Himmel über Iserlohn – für die Karten hat der KSB als Sponsor gesorgt.

Am Danzturm stiegen die Hoffnungen und Wünsche der „Heroes“ in den Himmel über Iserlohn – für die Karten hat der KSB als Sponsor gesorgt.

Foto: Privat

Iserlohn.  Junge Männer vom „Checkpoint“ lernen beim Integrationsprojekt Vertrauen, das Jugendcafé öffnet nach Umbau zum Monatsende wieder.

„Integration“ ist seit Jahren in aller Munde, eine konkrete Vorstellung haben viele aber nicht davon. Selbst für die fünf angehenden Erzieher vom Berufskolleg an der Hansaallee, die ein Projekt mit Jugendlichen vom „Checkpoint“ auf die Beine gestellt haben (wir berichteten), bedeuten die praktischen Erfahrungen noch eine Horizonterweiterung – und teilweise auch ein wenig Abenteuer.

Namen sind für beide Seiten die erste Hürde

Die Berichte von Berufsschülerin Jennifer Müsse machen deutlich, wie realitätsfern es ist, Integration als einseitigen Prozess zu betrachten. Ab der ersten Begegnung ist auf beiden Seiten eine grundlegende Bereitschaft gefragt, sich auf das Gegenüber einzulassen. Eine gute Portion Pragmatismus schadet nicht, um die kleineren und größeren Hürden zu überwinden. „Es fängt schon bei den arabischen Namen an, die sind für uns nicht leicht auszusprechen und zu merken. Umgekehrt ist es genau so.

Namensschilder helfen und keiner von denen ist böse, wenn wir wiederholt nachfragen“, erklärt die angehende Erzieherin. Und natürlich die gemeinsamen Unternehmungen: Paddeln im Kanu auf der Ruhr, Klettern im Wildpark Voßwinkel, Vertrauensübungen am Danzturm. „Nicht jeder öffnet sich sofort, die Jungs sprechen unterschiedlich gut Deutsch. Aber manche berichteten später von ihren Fluchterfahrungen, einer ist übers Mittelmeer gekommen und hat in Syrien beide Eltern verloren“, erzählt Jennifer Müsse. Die jungen Männer würden unterschiedlich leicht Vertrauen aufbauen, insgesamt spüre man aber deutlich, wie sehr sie die Bemühungen zu schätzen wissen: „Viele sind offensichtlich dankbar und die meisten von Anfang an sehr freundlich.“

Konservative Rollenvorstellungen stünden nicht im Vordergrund des Miteinanders, bei der Vorstellung die Hand reichen kein Problem. Bei manchen sei schnell eine aufrichtige Herzlichkeit da gewesen, die sie, wenn nicht mit Worten, dann mit Umarmungen zum Ausdruck brächten.

In der Realität bewahrheitet sich nicht jedes Klischee. So haben die Teilnehmer von der Checkpoint-Gruppe „Heroes“ keineswegs durch die Bank einen prekären sozialen Hintergrund, berichten die Organisatoren. „Das sind auch gebildete Menschen mit Zielen im Leben“, berichtet Jennifer Müsse. Tatkräftige Unterstützung bei ihrem Projekt bekommen die angehenden Erzieher von den Mitarbeitern des Jugendcafés, das gerade einer baulichen Verjüngungskur unterzogen wird, deren Stand Sozialarbeiter Julian Bahr berichtet.

„Wir haben zuletzt die Elektrik verlegt, gerade montieren wir die Lampen“, sagt er und beschreibt die Maßnahmen als Kernsanierung. Nicht nur neue Möbel, auch neue Böden und frisch verputzte Wände gehören dazu. Nach der Entfernung einer Zwischendecke hat der Raum an Höhe gewonnen und alles folgt dem angestrebten Industrie-Look. „Wenn hier drin die Ausstattung das Letzte ist, fühlen sich auch die Teilnehmer nicht gerade mehr wertgeschätzt“, betont Bahr – das soll sich ändern.

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