Kultur

Herr Swan und der Schneeball-Effekt

Lügen haben . . . mehrere Identitäten – zumindest bei der Aufführung von „Und ewig rauschen die Gelder“.

Lügen haben . . . mehrere Identitäten – zumindest bei der Aufführung von „Und ewig rauschen die Gelder“.

Foto: Emily Karacic

Leckingsen.  Rund 140 Besucher bei verspäteter Premiere von „Und ewig rauschen die Gelder“ der Volksbühne Höchsten im Haus Dröge-Adria

Mit den Lügen ist das bekanntermaßen so eine Sache: Eine folgt meist der anderen, und irgendwann fliegt meist dann alles auf. Oder doch nicht?

So oder so ähnlich lässt sich grob die Handlung von „Und ewig rauschen die Gelder“ zusammenfassen. Einer Komödie nach Michael Cooney, die jetzt in der Aufführung der Volksbühne Höchsten im Haus Dröge-Adria in Leckingsen vor rund 140 Besuchern ihre verspätete Premiere feierte. Wie berichtet, war einer der Hauptdarsteller zuletzt krankheitsbedingt ausgefallen.

Am Freitagabend nun stand Bernd Peters aber wie geplant als Eric Swan auf der Bühne. Unter anderem, denn: Weil Eric Swan vor zwei Jahren seinen Job bei den Stadtwerken verloren hat, hat er sich ein paar praktische Alternativ-Identitäten zurechtgelegt beziehungsweise an den Lebensläufen der ihn umgebenen Menschen etwas herumfrisiert. Sinn und Zweck des Ganzen: Abkassieren beim Amt, denn mit einem neuen Job will und will es einfach nicht klappen.

Da verstirbt dann mal Mieter Norman Basset (Benjamin Schreiber) ohne eigenes Wissen an Herzversagen, damit der finanzschwache Mister Swan Beihilfe für die Bestattung kassieren kann. Ein anderer (imaginärer) Mieter, ein gewisser Mister Thompson, ist bereits vor Jahren nach Kanada entschwunden, nicht allerdings ohne Reisekostenzuschüsse zu hinterlassen.

Doch natürlich lässt sich da noch mehr rausholen. Alters-, Invaliden-, Unfall- und Frührente, Wohn- und Kindergeld – und die praktischen Produkte, die man als vermeintlich Gebrechliche/r so zugeschustert bekommt, Stützstrümpfe, BH oder Korsett, die verkauft Onkel George (Sebastian Schmied) auf dem Flohmarkt. Blöd nur, dass irgendwann Mister Jenkins (Rainer Budde), ein Prüfer des Arbeitsamtes, vor der Tür steht – und sich Eric Swan notgedrungen als jemand anderes ausgibt, um nicht aufzufliegen.

Ein Problem ist das vor allem, weil der Prüfer die Unterschrift von Swan will, der wiederum Norman ins Boot holt und Onkel George, bis dann beide sich gegenüber weiteren Charakteren als immer andere der von Swan geschaffenen Leistungsempfänger ausgeben müssen, um das wackeliger werdende Lügenkonstrukt irgendwie vor dem Einsturz zu bewahren.

„Du bist nicht da, Du bist auf Deiner Beerdigung“

„Du bist heute nicht da, Du bist auf Deiner Beerdigung“, harscht Swan Norman an, der vor seinem eigenen Ableben übrigens zwei Jahre lang ein arbeitsloser Holzfäller war, wie er in der Szene erfährt. Weitere Charaktere kommen ins Spiel, irgendwann weiß man als Zuschauer auch nicht mehr recht, wer jetzt gerade wer ist, doch darum geht es auch nicht in diesem bunten Wechselspiel, sondern um Situationskomik, und die funktioniert zum Vergnügen der Zuschauer sehr gut.

Wenn da aus Norman ein arbeitsloser weil angeblich taub gewordener Klavierstimmer wird und später noch mit Dr. Chapman (Martin Hellweg) ein Therapeut ins Spiel kommt, weil Linda Swan (Birgit Schreiber) glaubt, Eric habe besagte Stützstrümpfe und weiteres für den Eigengebrauch angeschafft. Nach und nach steuert das Stück so auf seinen Höhepunkt zu.

Weitere Mitwirkende sind Ute Schütt (Sally Chassington), Sebastian Müermann (Mister Forbright), Angelika Bien (Mrs Cowper), Claudia Jaenecke (Brenda Dixon). Wer das Stück noch sehen möchte, hat die Gelegenheit dazu am 26. Oktober, 19.30 Uhr, sowie am 27. Oktober, 18 Uhr. Karten: 02304/9406200 oder unter www.theater-verein.de.

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