Demografischer Wandel

Winteruni: Ist die alternde Gesellschaft Segen oder Fluch?

Markus Kühnel (v. li.), Frank Finkeldei, Kevin Pinnow, Kilian Hennes und Marcus Sauer diskutieren die Zukunft der alternden Gesellschaft. Die Teilnehmer besuchten auch die nahe gelegene Ausstellung der Gerontotechnik.

Markus Kühnel (v. li.), Frank Finkeldei, Kevin Pinnow, Kilian Hennes und Marcus Sauer diskutieren die Zukunft der alternden Gesellschaft. Die Teilnehmer besuchten auch die nahe gelegene Ausstellung der Gerontotechnik.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Der demografische Wandel war Thema eines Seminars in der Zeltstadt. Der Blick ging ins Jahr 2040 und auf Lösungen, die es schon heute gibt.

Frau Meier ist 80 Jahre alt, fühlt sich aber wie 60. Nichts Besonderes, immerhin schreiben wir das Jahr 2040. Ihr Domizil in der Waldstadt der Zukunft – nennen wir es „Max“ – reagiert fast wie ein lebendes Wesen auf seine Bewohnerin. Durch Bewegungssensoren am Bett registriert Max das Erwachen von Frau Meier, bevor diese die Augen aufgeschlagen hat. Über die Smartwatch am Handgelenk behält Max die Herzfrequenz im Blick und leitet diese Informationen in Echtzeit an einen Zentralcomputer weiter. Soweit ist alles im grünen Bereich.

Künstliche Intelligenz als ständiger Begleiter

Max dokumentiert gewissenhaft, welche Räume Frau Meier betritt und welche Geräte sie nutzt. Er kennt ihre Routine: wann sie die Kaffeemaschine anschaltet oder telefoniert. Der Kühlschrank erfasst die Lebensmittelvorräte, die ein Lieferservice über ein digitales Abosystem regelmäßig auffüllt. So kann Max dem Zentralcomputer auch mitteilen, ob Frau Meier sich gesund ernährt. Heute gönnt sie sich Eier zum Frühstück – fürs Erste geht das in Ordnung, aber wenn sie morgen wieder nicht auf ihren Cholesterinspiegel achtet, wird Max sie höflich darauf aufmerksam machen.

Der Zentralcomputer steht bereit, um bei Problemen Verwandte, den Pflegedienst, Ärzte, die Krankenkasse oder den Notruf zu verständigen. Je nachdem, was anhand der von Max übermittelten Daten angemessen erscheint. „Das ist gar keine so ferne Zukunft, wie Sie vielleicht glauben“, sagte Marcus Sauer von der Gesellschaft für Gerontotechnik (GGT) am Dienstag zu den Teilnehmern des Seminars „Winteruniversität trifft Campus Symposium: Altern im 21. Jahrhundert“ in der Zeltstadt.

Vier Vorträge und eine Diskussion

Als Referenten und Diskussionspartner stellten sich außerdem Markus Kühnel vom Institut für Gerontologie der TU Dortmund, Frank Finkeldei von der VHS Iserlohn und Professor Kilian Hermes von der FH Südwestfalen den Herausforderungen des demografischen Wandels. IKZ-Redakteur Kevin Pinnow moderierte die abschließende Diskussionsrunde.

Kühnel referierte Zahlen und Fakten zu diesem Phänomen und hinterfragte, warum viele dieser Entwicklung mit Angst begegnen – letztere liege vor allem in drohender Altersarmut begründet. „Das ist heute schon ein reales Problem, aber wir sollten es auch nicht skandalisieren. Wir reden dabei nur über einen kleinen Teil der Bevölkerung.“ Hennes stellte heraus, dass die innere Einstellung ganz entscheidend beeinflusse, wie schnell jemand altert: „Wenn ich neugierig bleibe, kann ich den Prozess des Altwerdens verzögern.“ Und: „Lösungsorientiert zu denken, ist gesund“, sagte er, auch bezogen auf die Herausforderungen für Städte und Gemeinden, die auch in Zukunft erste Anlaufstelle für die Bedürfnisse von Älteren bleiben dürften.

Online ist kein vollständiger Ersatz

Finkeldei zeigte die Konkurrenz von Internetformaten für die VHS als Bildungsanbieter auf. Er wirkte jedoch überzeugt: „Es bleibt ein Nebeneinander. Wir stellen testweise schon jetzt Onlinematerialien zur Verfügung, aber die Präsenzkurse wird das nie ersetzen.

Wie Sauer selbst einräumte, wirft sein „Smarthome“ die Frage auf, wie ein verantwortlicher Umgang mit den gesammelten Daten gewährleistet werden kann. Technisch sei schon jetzt viel möglich und eher der Geldbeutel die Grenze. Immerhin: Iserlohn sei auf einem guten Weg, den demografischen Wandel zu meistern, nahmen die Teilnehmer mit nach Hause.

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