„Bürger helfen Bürgern“

Hilfe kann und darf nicht stoppen

Neben Lebensmittelspenden nimmt das stetig wachsende „Bürger helfen Bürgern“-Team auch Blumen von Gärtnereien entgegen, die die nicht mehr verkaufen können, über die sich andere aber freuen würden.

Neben Lebensmittelspenden nimmt das stetig wachsende „Bürger helfen Bürgern“-Team auch Blumen von Gärtnereien entgegen, die die nicht mehr verkaufen können, über die sich andere aber freuen würden.

Foto: Torsten Lehmann / IKZ

Iserlohn.  Der neue Verein „Bürger helfen Bürgern“ ist keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zur „Tafel“ - und plant unter anderem einen „Nachtflohmarkt“.

„Bürger helfen Bürgern“ heißt der neue, überparteiliche und unabhängige Verein, der jetzt aus der während des Corona-Lockdowns ins Leben gerufenen Initiative „Iserlohn hilft“ entstanden ist und deren Projekte fortsetzt – und noch ausbauen will.

So wird es am kommenden Samstag, 15. August, von 20 bis 1 Uhr den ersten „Iserlohner Nachtflohmarkt“ im Licht der Laternen der Seilersee-Promenade geben (siehe Infos am Ende des Artikels). Mit dem Erlös aus den Standgeldern von Privatpersonen und Vereinen sollen unter anderem aktuell Wasser und sonst besonders haltbare Lebensmittel wie Nudeln und Reis gekauft werden. „Denn die sind verständlicherweise selten unter den noch gut erhaltenen Dingen, die wir bei knapp 20 Geschäften jede Woche abholen“, berichtet Svenja Finke von „Fridays for Future“. Befüllt werden damit die Tüten, die jedes Wochenende an die drei „Gabenzäune“ an der Schulstraße 28, an der Johanneskirche am Nußberg und am „Bahnsteig 42“ in Letmathe gehängt werden. Im ehemaligen Schulgebäude an der Schulstraße, dass die Stadt dem Verein weiter zur Verfügung stellt, erfolgt jeden Samstag ab 9.30 Uhr zudem eine Ausgabe von Brot.

Lebensmittelspenden an verschiedene Einrichtungen

Außerdem unterstützt „Bürger helfen Bürger“ mit Lebensmittelspenden die Besucher von Institutionen wie dem Sozialzentrum „Lichtblick“ und der „Werkstatt im Hinterhof“, oder auch die Streetworker in der südlichen Innenstadt. „Allein letztere versorgen damit dann 50 bis 60 Menschen“, weiß Manuel Huff. Wie vielen Bedürftigen insgesamt die „Bürger“ mit ihrem ehrenamtlichen Engagement derzeit helfen, könne man gar nicht genau sagen.

Denn die unbürokratische und teils eben wie bei den „Gabenzäunen“ sogar ganz anonyme Unterstützung gehört zum Prinzip des neuen Vereins. Als in den ersten Wochen des Lockdowns die Initiative „Iserlohn hilft“ für die Iserlohner und die Hemeraner „Tafel“, die aufgrund der Pandemie und der Beschränkungen geschlossen waren, die Notversorgung mit Lebensmitteln übernahm, habe man gemerkt, wie viele zudem noch Hilfe brauchen. „Beispielsweise weil sie knapp über dem Satz liegen, mit dem man noch einen Berechtigungsausweis für die ,Tafel’ bekommt“, berichtet Svenja Finke. Es sei klar, dass es solche Grenzen geben müsse. Auf der anderen Seite fielen dadurch aber eben welche herunter, wie beispielsweise auch die, bei denen aktuell durch Corona-Kurzarbeit Geld zum Leben fehle.

Die Zahl der Bedürftigen werde zudem im Laufe des Monats, wenn die staatliche Unterstützung zu Neige gehe, stetig größer. „Wir sehen das an den Gabenzäunen“, berichtet Svenja Finkes Mann Christian. 30 Tüten würden jedes Wochenende pro Zaun nach und nach dran gehängt. Am Anfang hingen die Tüten teils sogar noch mehrere Tage, spätestens ab Monatsmitte seien sie schon nach kurzer Zeit weg. Es gebe auch viele, vor allem ältere Menschen, die aus Scham gar keine staatlichen Hilfen beantragen und zur „Tafel“ gingen.

Als die Caritas-Einrichtung an der Pütterstraße am 5. Mai ihre Arbeit wieder aufnahm, sei für zahlreiche der bei „Iserlohn hilft“ Engagierten klar gewesen, dass es trotzdem weiter gehen muss. „Und zwar aber auf keinen Fall als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zur ,Tafel’“, betont Manuel Huff. So fahre man auch nur an den Tagen die mit der „CariTasche“ zusammenarbeitenden Geschäfte an, wenn deren Fahrer planmäßig nicht kommen. Zudem hätten sich noch weitere Lebensmittelhändler und Bäcker gemeldet. 150 Kisten vor allem mit Obst, Gemüse und Brot, aber auch Molkerei-Produkten würden inzwischen jede Woche abgeholt. So schnell wie sich die sieben Kühlschränke (über zwei weitere würde sich der Verein übrigens sehr freuen) durch die Verteilung über die „Gabenzäune“ und an die Einrichtungen leeren, würden sie auch wieder gefüllt werden.

„Es ist unglaublich, wie viel Lebensmittelverschwendung es auch in unserer Stadt gibt“, sagt Svenja Finke. Der Nachhaltigkeitsgedanke sei ein weiterer Grund für die ehrenamtliche Arbeit. So wird auch das vom Verein aussortierte Obst und Gemüse, das wirklich niemand mehr essen könne, in eine Iserlohner Biogasanlage gebracht. Vor allem sei aber die Not und die sehr große Dankbarkeit der Menschen schon Motivation genug, um zu helfen. „Die stehen bei der Brotausgabe ja teils mit Tränen in den Augen vor uns, weil sie so froh sind, dass es ein solches Angebot gibt“, berichtet Svenjas Tochter Jana.

Schnell anmelden für den ersten „Iserlohner Nachtflohmarkt“

Beim ersten „Iserlohner Nachtflohmarkt“ am Samstag, 15. August, von 20 bis 1 Uhr (Aufbau ab 18 Uhr) zahlen Vereine für drei Meter Standfläche 10 Euro, Privatpersonen 15 Euro.

Anmeldungen sind möglich per E-Mail an bhb-iserlohn@gmx.de, bei Svenja Finke (0179/ 8255196) und Gaby Freihoff (0151/74330239) sowie am Samstag, 8. August, persönlich von 9.30 bis 14 Uhr in den Vereinsräumen an der Schulstraße 28.

Das Konstrukt eines Vereins haben die 14 „Bürger helfen Bürger“-Gründer – inzwischen sind es über 25 Mitglieder und weitere sind herzlich willkommen – unter anderem auch gewählt, um künftig beispielsweise Spendenquittungen ausstellen zu können.

Zum 1. Vorsitzenden wurde Manuel Huff gewählt, 2. Vorsitzender ist Michael Winkel, Schatzmeister Detlev Paul. Beisitzerinnen sind Svenja Finke und Alina Schulz.

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