Iserlohn – denkmal

Hilfestellung für das Haus der kleinen Leute

Seit Januar 2016 läuft die Sanierung des ältesten Hauses in der Iserlohner Altstadt.

Foto: Michael May

Seit Januar 2016 läuft die Sanierung des ältesten Hauses in der Iserlohner Altstadt. Foto: Michael May

Iserlohn.   Die Stadt will 20 000 Euro reservieren, falls „Iserlohn – denkmal“ die Lücke nicht schließen kann.

Für die Sanierung des ältesten Hauses im inneren Ring signalisiert die Stadt weitere 20 000 Euro Unterstützung – das Fachwerkgebäude am Südengraben 28. Die Restaurierung des 1712 errichteten Gebäudes hat sich aufwendiger entwickelt, als zunächst gedacht.

Das Votum zuletzt im Hauptausschuss des Stadtrats kam einhellig, denn das Interesse ist groß, dieses Ende 2015 unter privater Regie begonnene Projekt auch zu einem guten Ende zu führen. „Wir begrüßen es sehr“, den Verein zu unterstützen, betonte Linken-Fraktionschef Oliver Ruhnert. Und darin war sich Ruhnert mit Jörg Teckhaus (CDU), Michael Scheffler (SPD), Elke Olbrich-Tripp (Grüne), Detlef Köpke (FDP), Hans-Immanuel Herbers (UWG-Piraten) und Alexander Langguth (Blaue Fraktion) einig.

Dabei bekundeten die Ausschussmitglieder über die Fraktionsgrenzen hinweg die Verantwortung der Stadt für ihr architektonisches Erbe. So wünschte sich Ruhnert, bei der Stadtentwicklung die historische Substanz noch stärker zu beachten. Schließlich gab es vor allem in den 1960er und 1970er Jahren viele Sündenfälle in Iserlohn, wie Teckhaus deutlich machte: „Leider war damals der Denkmalschutz nicht so präsent wie heute“, meinte der Unionssprecher. Und damit spielte Teckhaus sicher auch auf den Denkmalschutz für das Rathaus Baujahr 1974 an.

Wie CDU und Grüne lobte die SPD zudem das private und ehrenamtliche Engagement bei der Sanierung des Fachwerkbaus am Südengraben: „Ich denke, wir können nur dankbar sein, dass man sich auf den Weg gemacht hat, dieses Haus zu erhalten“, unterstrich Michael Scheffler.

Peter Treudt der Wegbereiteram Südengraben 28

Impulsgeber war der vor wenigen Wochen verstorbene Berufsschullehrer Peter Treudt, zugleich Vorsitzender des Vereins „Iserlohn – denkmal“. Im Dezember 2015 hatte Treudt das verwaiste, marode Häuschen in einer Zwangsversteigerung erworben. Seit Januar 2016 führt der Verein die Regie zur Sanierung, die weit über Iserlohn hinaus Beachtung gefunden hat. Die NRW-Stiftung, die „Deutsche Stiftung Denkmalschutz“, die Bürgerstiftung der Sparkasse, die Stiftung „Kleines Bürgerhaus“, die Stadt Iserlohn bis hin zur Westfalen-Initiative Münster spendeten zusammen bislang rund 142 000 Euro.

Dabei wartete der Denkmalpfleger und Bauhistoriker Dr. Fred Kaspar im November 2017 mit einer großen Überraschung auf: Nach einer dendrochronologischen Untersuchung wurde das „Haus der kleinen Leute“ 1712 erbaut – und ist damit das älteste erhaltene Haus im Iserlohner Innenstadtring.

Zuletzt barg das Fachwerk aber so manche weitere Überraschung, denn die tragenden Holzständer zeigten extreme Beschädigungen. Auch die Holztreppe im Innern muss komplett erneuert werden – als Rekonstruktion in Eichenholz.

Nach aktueller Kostenschätzung fehlen dem Verein noch 20 000 Euro, und die will die Stadt zuschießen, falls der Verein die finanzielle Lücke nicht aus eigener Kraft stopfen kann.

Dabei lässt sich gerade am Südengraben der enorme Kontrast Iserlohner Baugeschichte ablesen: Hier das kleine Fachwerkhäuschen, gleich gegenüber die mächtigen Stadthäuser aus der Gründerzeit mit ihrer verzierten „Belle Etage“ im ersten Stock.

„Zukunft braucht Erinnerung“ heißt die Devise des Vereins „Iserlohn – denkmal“. Oder, wie es Johannes Oerding in einem aktuellen Song beschreibt: „Ohne unser Gestern würd’ ich mich heut’ nicht so auf morgen freuen.“

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