Jubiläum

Hoffen auf ein zweites Therapiepferd

Pferde, Reiter und Vereinsmitglieder: Am Samstag konnte das 20-jährige Bestehen des Vereins gefeiert werden.

Foto: Stefan Drees

Pferde, Reiter und Vereinsmitglieder: Am Samstag konnte das 20-jährige Bestehen des Vereins gefeiert werden. Foto: Stefan Drees

Iserlohn.   20 Jahre besteht nunmehr der Verein „Betreutes und therapeutisches Reiten Behinderter Iserlohn“.

Jeden Samstag sitzt er eine halbe Stunde auf dem Pferd. Das tue seiner Muskulatur gut und helfe auch gegen Rückenschmerzen. Josef Drautzburg hatte während der Bundeswehrzeit einen schweren Verkehrsunfall, ist seit dem querschnittgelähmt. 20 Jahre alt war er damals, heute ist er 63. Froh und dankbar ist er darüber, dass er beim Verein „Betreutes und therapeutisches Reiten Behinderter Iserlohn“ Abwechslung, Ansprache und sportlichen Ausgleich findet. Früher habe er panische Angst vor Pferden gehabt, heute spüre er Vertrautheit, „das tut unheimlich gut“. Josef Drautzburg war natürlich auch dabei, als am Samstagmorgen im Rahmen der therapeutischen Reitstunde in der kleinen Reithalle der Reitanlage Campus Seilersee der gemeinnützige Verein bei einem kleinen Umtrunk bereits sein 20-jähriges Bestehen feiern konnte.

Das wertvollste Kapital sind neben den Pferden – ein eigenes Therapiepferd (bald hoffentlich zwei) sowie drei angemietete Pferde – die rund 60 Vereinmitglieder. Denn viele von ihnen engagieren sich auch regelmäßig als Helfer – natürlich ehrenamtlich. Die Pferde müssen gepflegt und für die Reitstunden vorbereitet werden. Und viele Reiter bedürfen während der Stunden auch einer intensiven Betreuung. Und die Mitgliedsbeiträge helfen natürlich bei der Finanzierung. Denn die Kosten für die Reiter sollen so gering wie möglich gehalten werden, damit sich auch Selbstzahler mit kleinem Geldbeutel eine Therapie leisten können. Zumeist können jedoch laufende Kosten wie Boxenmiete, Hufschmied, Tierarzt und Zubehör nur durch Spendengelder oder Sponsorenunterstützung gedeckt werden. Zu diesem Unterstützerkreis zählen beispielsweise die Familie Walther, die Familie Pütter (Medice), der Malerbetrieb Kemper, die Firma Dornbracht, die Sparkasse Iserlohn, der RV Iserlohn, Lions-Club und Inner-Wheel -Club, Continue, der DM-Markt, die IBSV-Artillerie oder der Chor „amante della musica“.

34 Reiter im Alter von sechs bis 70 Jahren

Martin Brunswicker, erster Vorsitzender des Vereins, ist überzeugt davon, dass die Reiter von der Therapie profitieren. Die Bewegungsabläufe würden verbessert und das Selbstbewusstsein gestärkt. Derzeit gibt es 34 Reiter im Alter von sechs bis 70 Jahren. Spastik, Multiple Sklerose, ADS, Schlaganfallfolgen, Autismus und verschiedene körperliche und geistige Einschränkungen sind es, womit sich die Reiter im Leben auseinandersetzen müssen. Leider muss der Verein mit einer Warteliste arbeiten, denn, so Martin Brunswicker und Schatzmeisterin Ilke Marcks, die Anfragen würden die Kapazitäten des Vereins regelmäßig übersteigen.

Die Reiter werden in der Reitstunde von jeweils zwei Betreuern unterstützt, ein Seillift hilft körperlich Behinderten dabei, auf den Rücken des Pferdes zu kommen. Gleichgewicht, Wirbelsäule und Kopfkontrolle werden trainiert, Bewegungsabläufe verbessert. Je nach Fähigkeit werden die Reiter auch mit kleineren Aufgaben beim Führen, Putzen und Füttern der Pferde betraut. Eine physische und psychische Entwicklung der Reiter lautet die Zielsetzung. Schon das Erleben der Wärme und der Bewegungen des Pferdes spielen eine gewisse Rolle.

Kooperiert wird auch mit der Pastor-Horstmann-Werkstatt. Von dort kommen jeden Donnerstag im Wechsel zwölf Mitarbeiter mit Handicap. Betreuer bringen sie mit.

Zu den Gründungsmitgliedern des Vereins „Betreutes und therapeutisches Reiten Behinderter Iserlohn“ zählen unter anderem Marion Meincken, Dagmar Freitag, Martin Brunswicker, der verstorbene Prof. Dr. Dietrich Walther, Walter Torke, Sonja Hauschke, Dr. Wolfgang Besler, Dr. Rainer Kamp oder Karsten Kukuck. Einige davon – teils immer noch aktiv – konnten am Samstag zum Umtrunk begrüßt werden, berichtet Annemone Kemper, die die kleine Feier mit organisiert hat.

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