Soziales

Hunger zum Monatsende gestillt

Groß war der Andrang gestern Mittag beim Weihnachtsbrunch in der „Werkstatt im Hinterhof“. Foto:Michael May

Groß war der Andrang gestern Mittag beim Weihnachtsbrunch in der „Werkstatt im Hinterhof“. Foto:Michael May

Iserlohn.   Der Weihnachtsbrunch der „Werkstatt im Hinterhof“ war am Donnerstagmittag sehr gut besucht.

Dicht gedrängt stehen Frauen und Männer um einen Tisch voller dampfender Speisen. Auch im Vorraum ist kaum noch Platz, überall nur Menschen – und ein paar Hunde.

Traditionell lädt der Förderverein der „Werkstatt im Hinterhof“ die Schützlinge der AWO-Einrichtung zwischen den Jahren zu einem Weihnachtsbrunch ein. „Der Termin liegt bewusst so, weil am 28. eines Monats bei den meisten kein Geld mehr da ist“, sagt „Werkstatt“-Leiter Achim Rabenschlag. In den letzten Jahren, so berichtet er, sei das Problem immer größer geworden. Schnell waren daher Fleisch, Beilagen und Brot, die der Förderverein von „Alles Frische Nowak“ hatte zusammenstellen lassen, verspeist.

Es herrscht eine etwas hektische, aber dennoch liebevolle Atmosphäre. „Wir sind hier wie eine große Familie, jeder macht seine Aufgabe, manchmal sind wir auch einfach nur Herbergseltern“, erzählt Rabenschlag hinter verschlossener Tür.

Die öffnet sich immer mal wieder, wenn ein Besucher seine Tasche holen will oder Besteck benötigt. Immer kommt ein freundliches „Entschuldigung, ich bin gleich wieder weg“. Der Leiter schmunzelt: „Unsere größte Waffe hier ist es, wenn wir sagen: ,Ich habe Dich nicht mehr lieb’. Es läuft ja alles nach dem Motto ,Von den Leuten für die Leute’, anders ist das nicht zu lösen.“ So kommen viele Ehrenamtliche aus den Reihen der Angehörigen der Drogenkranken. Sie und die Betroffenen selbst übernehmen beispielsweise die Reinigung oder Besorgungen.

Rabenschlag und seine Kollegin Cornelia Schmidt haben während des vergangenen Jahres noch mehr Frauen und Männer als bisher betreut. „Allein 190 Menschen sind in der Substitution“, nennt Rabenschlag eine Zahl. Dahinter verbergen sich diejenigen, die heroinabhängig sind und Ersatzstoffe erhalten. „Damit haben wir die Grenzen unserer Kapazitäten längst überschritten“, sagt der Werkstatt-Leiter, der die Lösung bei den politischen Verantwortlichen sieht.

Es gebe deutlich mehr Bedarf als Substitutionsplätze, insbesondere in Lüdenscheid wären sie Mangelware. Jedoch sei die Substitution an sich auch nicht der Weisheit letzter Schluss, viel wichtiger sei es aus Rabenschlags Sicht, „kranke Menschen dabei zu unterstützen, ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten beziehungsweise zu verbessern“. Denn auch Heroinabhängige könnten einem geregelten Alltag inklusive Beruf nachgehen, wie einige Beispiele zeigen. Andere dagegen verkaufen ihren kompletten Hausrat, müssen sich prostituieren, um ihre Sucht finanzieren zu können. Nicht ohne Grund dankte Rabenschlag in seiner Begrüßung den Kooperationspartnern – Sucht- und Schuldnerberatung der Caritas, Bewährungshilfe, Wohnungslosenhilfe, Förderverein und Dr. Martina Harbrink-Schlegel.

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