Kneipen-Festival

„Ich bin empört über diese Sache“

Werbegemeinschaft und Wählergemeinschaft arbeiten bei der Kneipennacht zusammen.

Werbegemeinschaft und Wählergemeinschaft arbeiten bei der Kneipennacht zusammen.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Politik und Sponsoren sind irritiert über die Kooperation zwischen Werbegemeinschaft und Wählergemeinschaft bei der Iserlohner Kneipennacht.

Die neue Iserlohner Werbergemeinschaft, die erst im Mai von Geschäftsleuten gegründet worden ist, hat mit einer ihrer ersten Veranstaltungen offenbar mächtig Ärger: Auf einem Plakat, das auf das Festival mit Live-Musik in sieben Gaststätten hinweist, ist die Partei „Die Iserlohner“ als Kooperationspartner gedruckt. Sponsoren wie Stadtwerke und Sparkasse, die als Unterstützer mit Logo aufgeführt sind, distanzieren sich.

Da ist zunächst Ugur Ünal, Vorsitzender der Wählergemeinschaft „Gemeinsam für Iserlohn“ (GFI). Er beklagt, dass Werbegemeinschaft und „Die Iserlohner“ seine erfolgreiche Veranstaltungsreihe gekapert hätten. Vor allem das vermeintliche Sponsoring der städtischen Tochterunternehmungen Stadtwerke und Sparkasse ärgert Ünal. „Uns wurde immer gesagt, dass wir politisch seien und man das Festival deshalb nicht unterstützen könne. „Sind die Iserlohner etwa keine politische Organisation? Das ist ungerecht.“

Das Kneipenfestival wird mit der umstrittenen Liaison zwischen Werbegemeinschaft und den „Iserlohnern“ zum Politikum – nach ersten Diskussionen in den sozialen Netzwerken haben die Fraktionen der im Rat vertretenen Parteien ihr Unverständnis über die ihrer Meinung nach irritierende Zusammenarbeit zwischen Werbe- und Wählergemeinschaft geäußert. „Die Iserlohner“ sind allerdings Mitglied im Club, wenn auch ohne Stimmrecht, 240 Euro im Jahr zahlen Parteien, die nicht im Rat sind.

„Da scheint wohl jemand neidisch auf uns zu sein“

„Wir können das überhaupt nicht verstehen“, reagiert Volker Hellhake, 2. Vorsitzender der Iserlohner Werbegemeinschaft, auf die Vorwürfe von Ünal. „Da scheint wohl jemand neidisch zu sein“, mutmaßt Marc Tillmann, Geschäftsführer der Werbegemeinschaft. Uwe Albert und Michael Joithe, Vorsitzende von „Die Iserlohner“, erklären, dass sie der Werbegemeinschaft ihre Veranstaltung angeboten hätten. „Wir glauben, dass die Kneipennacht bei der Werbegemeinschaft besser aufgehoben ist. Da wir aber die meisten Vorbereitungen den 2. Oktober bereits abgeschlossen hatten, machte es aus unserer Sicht Sinn, wenn wir unterstützend als Kooperationspartner in diesem Jahr noch mitmachen“, betonen die beiden.

Hans Immanuel Herbers, Fraktionsvorsitzender von UWG/Piraten, äußert sich überrascht darüber und verlangt Aufklärung: „Wir gingen bisher davon aus, dass Sparkasse und Stadtwerke als Unternehmen in öffentlicher Trägerschaft der Stadt keine parteipolitischen Positionen beziehen würden. Die Iserlohner treten aber als politische Gruppierung auf“. Paul Ziemiak, Bundestagsabgeordneter, Ratsmitglied und Chef der CDU in Iserlohn, fragt für seine Fraktion Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Klaus Weimer und Sparkassen-Vorstandschef Dr. Christoph Krämer, wie es zu diesem Sponsoringvertrag gekommen sei und wie die Regelungen von Stadtwerken und Sparkasse grundsätzlich seien, wenn es um Verträge mit Wählergemeinschaften und Parteien gehe. Auch FDP-Fraktionsvorsitzender Detlef Köpke will die Sache geklärt wissen. SPD-Fraktionschef Peter Leye sagt deutlich, „die Sache hat ein Geschmäckle.“

CDU stellt Fragen, SPD erkennt ein Geschmäckle

Dr. Klaus Weimer, Geschäftsführer der Stadtwerke, distanziert sich ausdrücklich von der Zusammenarbeit zwischen den Stadtwerken und der Werbegemeinschaft/Wählergemeinschaft beim Kneipenfestival. „Ich bin empört über diese Sache“, sagt Weimer. „Die Satzung der Werbegemeinschaft untersagt sogar die Zusammenarbeit mit politischen Parteien. Es hat keine Absprache mit uns oder eine Freigabe für die Verwendung unserer Logos in diesem Zusammenhang gegeben.“ Bis zur Klärung wollen die Stadtwerke ihre Mitgliedschaft (4000 Euro Beitrag/Jahr) in der Werbegemeinschaft ruhen lassen.

Auch die Sparkasse lässt mitteilen, man habe nicht gewusst, dass die Partei „Die Iserlohner“ Partner der Kneipennacht ist.

Leserkommentare (6) Kommentar schreiben