Stadtleben

„Ich möchte gerne auf einen Neustart setzen“

Martin Stolte soll am 1. Dezember seinen Dienst als Beigeordneter bei der Stadt Iserlohn antreten.

Foto: Michael May

Martin Stolte soll am 1. Dezember seinen Dienst als Beigeordneter bei der Stadt Iserlohn antreten. Foto: Michael May

Iserlohn.   Der künftige Iserlohner Schuldezernent und Beigeordnete Martin Stolte im Interview

Martin Stolte wird Nachfolger von Katrin Brenner als Schuldezernent in Iserlohn. Stolte lebt mit Familie in Deilinghofen und ist seit 2012 Fachbereichsleiter für Schulen und Jugend beim Hochsauerlandkreis. Nach der Wahl im Stadtrat Mitte Juli soll Stolte zum 1. Dezember sein Amt als Beigeordneter in Iserlohn antreten – doch im Hintergrund schwelen noch juristische Auseinandersetzungen um die Stellenausschreibung. Wie schätzt Stolte die Situation ein, und wie will er seine Aufgabe künftig in Iserlohn angehen? Wir gingen mit Martin Stolte ins Interview.

Herr Stolte, was genau ist ihr Arbeitsfeld beim Hochsauerland-kreis in Meschede?

Der Hochsauerlandkreis ist in Fachbereichen organisiert. Das entspricht etwa der Ressortgliederung bei der Stadt Iserlohn – also der Ebene unterhalb des Chefs. Mein Fachbereich umfasst Schulen und Jugend, das heißt, der Hochsauerlandkreis ist Schulträger für Berufskollegs mit knapp 10 000 Schülern und außerdem sieben Förderschulen. Die andere Hälfte meines Fachbereichs ist das Kreisjugendamt mit den dazugehörigen Aufgaben. Es gibt vier Jugendämter im Hochsauerlandkreis.

Wie hoch ist der finanzielle Etat, den Sie dort verwalten? Denn Schulen und Jugend sind ja allgemein „große Brocken“.

Das sind insgesamt 70 Millionen Euro, die als Aufwand für Schulen und Jugend durchlaufen. Prägend bei den Schulen sind insbesondere die Investitionen. Das kann je nach Projekten dann bei über 30 Millionen Euro liegen. Im Jugendamtsbereich geht es insbesondere um die Kindertagesstätten. Als Dezernent bin ich für 88 Kitas mitverantwortlich. Dabei hat der Kreis keine eigenen Tagesstätten, sondern reicht das Geld an die Träger weiter und erstellt dafür die Planungen entsprechend. Das sind rund 30 Millionen Euro jährlich. Das andere große Thema der Jugendhilfe sind die Hilfen zur Erziehung, bei denen es insgesamt ebenfalls um Millionenbeträge geht.

Sie arbeiten seit 2012, also rund fünfeinhalb Jahre, beim Hochsauerlandkreis. Jetzt folgt der nächste Karrieresprung nach Iserlohn?

Ja, das kann man durchaus so sagen. Es ist eine neue und andere Aufgabe. Ein Beigeordneter ist ja Wahlbeamter – und in der Struktur der Verwaltung höher anzusiedeln als ein Fachbereichsleiter. Beim Hochsauerlandkreis unterschreibt alles der Landrat, Beigeordnete hingegen zeichnen sich für ihren Geschäftsbereich selbst verantwortlich. Und das ist letztlich auch die Herausforderung.

Wie sind Sie auf die Stelle in Iserlohn gekommen?

(Stolte schmunzelnd) Da sind Sie nicht ganz unschuldig: Sie arbeiten in diesem schönen Haus hier und bringen eine Zeitung heraus. Im April stand da die Titelzeile „Im Rathaus winken Spitzenjobs“. Unter diesem Stichwort wurde das in der Öffentlichkeit wahrgenommen – und da schaut man dann als Verwaltungsmensch genauer hin. Ordnungsressort oder Kämmerei, da hätte ich mich beim Lesen vielleicht nicht vertieft. Aber es ging ja um das Schulressort und das Thema Bildung. Da bin ich also neugierig geworden und habe das verfolgt. Danach war die konkrete Ausschreibung der Stadt Iserlohn dann online, aber man fragt sich zunächst: Traust du dir das zu? Ich habe mich dafür entschieden – und ich glaube, es gibt dafür auch ein paar gute Gründe aus meinem beruflichen Werdegang.

Es ist in Iserlohn aber auch kein Geheimnis, dass bestimmte Ressortleiter-Posten auch bestimmten politischen Parteien zugeordnet sind. In diesem Fall geht es um ein Ressort, das der CDU zugesprochen wird. Hat die Union mit Ihnen also den Kontakt aufgenommen?

Ja, ich denke, das war parallel zur Ausschreibung. Ich kenne vor allem Fabian Tigges aus der CDU hier in Iserlohn, und dann ergibt es sich natürlich, dass man auch mal miteinander telefoniert, um abzuklopfen, ob das realistisch ist.

Es gab im Vorfeld erhebliche Konflikte um diese Stelle und die Auseinandersetzung zwischen Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens und der Ersten Beigeordneten Katrin Brenner. Das ist Ihnen ganz sicher nicht verborgen geblieben.

Sicher, wenn man in der Nachbarstadt Hemer wohnt, geht das an einem politisch interessierten Menschen nicht vorbei. Aber für mich war wichtig, da steht eine politische Entscheidung an. Die Vorgeschichte war für mich nicht so entscheidend. Ich würde deshalb gerne auf einen Neustart setzen.

Trotzdem: Ist der Konflikt für Sie als Nachfolger eine Bürde?

Nein, das denke ich nicht. Ich habe Herrn Dr. Ahrens so kennengelernt, dass er sagt, wir programmieren das auf Neustart, schauen uns das gemeinsam an und arbeiten zusammen.

Wie wollen Sie rangehen in Iserlohn? Haben Sie ein genaues Konzept? Vielleicht auch ein neues?

Zunächst ist das Ressort für Jugend, Soziales, Schule und Sport sehr breit aufgestellt. Und da gibt es Bereiche, die hochpolitisch sind – vor allem der Bildungsbereich. Da muss ich erst einmal genau eruieren, welche Grundsatzentscheidungen es gibt. Denn über die zweite Gesamtschule hinaus gibt es ja auch weitere Themenfelder, etwa die Grundschulen mit dem Offenen Ganztag, aber auch das Thema G8/G9, bei dem sich die Gymnasien positionieren müssen. Da werde ich mich also ganz sachlich informieren. Es gibt aber sicher auch weite Teile des Ressorts, die politisch weniger im Blickpunkt stehen. Da geht es um Sacharbeit im Rathaus, und da möchte ich als erstes mit den Führungskräften ausloten, was die wichtigsten Themen und Aufgaben sind, die wir im nächsten Jahr angehen. Daraus müssen wir dann eine Prioritätenliste entwickeln.

Wie viele Mitarbeiter umfasst Ihr Fachbereich derzeit im Hochsauerlandkreis?

Momentan ziemlich genau 200.

Und wie viele werden es in Iserlohn sein?

Das sind deutlich mehr. Es geht ja auch um Kindertagesstätten mit eigenem Personal der Stadt, das Jugendamt in Iserlohn ist ebenfalls groß. Insgesamt also erheblich mehr Mitarbeiter, aber ich halte die Verwaltungsstruktur der Stadt für geeignet – und kenne auch schon einige der Akteure aus den einzelnen Abteilungen. Somit möchte ich erst einmal einen Plan mit den Führungskräften aufstellen. Einige von ihnen sind auch schon auf mich zugekommen.

Wann genau fangen Sie denn jetzt an Iserlohn? Ich frage nicht ohne Hintergrund: Es geht um Konkurrentenklagen beim Verwaltungsgericht Arnsberg gegen das Ausschreibungsverfahren. Dabei wurde die Stadt aufgefordert, Ihnen noch nicht die formale Urkunde zu überreichen, bevor im Verfahren nicht entschieden ist.

Mein aktueller Stand ist, dass ich im Rat mehrheitlich gewählt worden bin. Dann habe ich Post bekommen, dass es einen Gerichtsvorgang gibt – und jetzt warte ich das ab. Es ist ein laufendes Verfahren, und es gibt noch keine Entscheidung. Also werde ich das beobachten. Ich hoffe aber weiterhin, dass es zum 1. Dezember klappt.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik