„Heima(r)t“

„Ich will die Leute anpiksen“

Jürgen Prenzel will zum Nachdenken anregen, er arbeitet nicht, um Dekorationen zu schaffen.

Jürgen Prenzel will zum Nachdenken anregen, er arbeitet nicht, um Dekorationen zu schaffen.

Foto: Katz

Iserlohn/Hemer.   In unserer neuen Serie stellen wir Künstler aus der Region vor. Jürgen Prenzel bewegt sich zwischen Horror und Transzendenz.

In unserer neuen Serie „Heima(r)t“ stellen wir in loser Reihenfolge Kunstschaffende aus Iserlohn, Letmathe und Hemer vor.

Die menschliche Existenz, in der Horror und Transzendenz nahe beieinander liegen und sich das Triviale mit dem Erhabenen mischt, ist das Grundthema von Jürgen Prenzel. 1965 in Hemer geboren, wuchs er in bescheidenen Verhältnissen auf. Zunächst widmete er sich der Musik, besuchte auch eine Musikschule. Bei der Band „Les Fleurs Du Mal“ war Prenzel beispielsweise im Einsatz, und die Musik ist bis heute ein wichtiger Aspekt des persönlichen Ausdrucks für ihn. „Ein Drang zur Malerei entwickelte sich erst Ende der 80er Jahre“, sagt er.

Erste Einblicke durch Kontakt zu befreundetem Künstler

Nach dem ersten Experimentieren mit Farben entstand das Interesse für Kunstgeschichte und die Hintergründe für das Schaffen anderer. „Ich habe alles durchprobiert, erst Aquarell, dann Öl – man muss in der in der Zeit bleiben“, erklärt er. Durch den Kontakt zu Kurt Ebbinghaus, freischaffender Künstler und seit 1996 Dozent an der Jugendkunstschule, bekam Jürgen Prenzel erste Einblicke in die Druckgrafik. In langen Gesprächen haben die Freunde auch die existenziellen Gesichtspunkte künstlerischer Arbeit „auf der Pfanne gehabt“ – und Prenzel wurde auf Egon Schiele aufmerksam. Er erkannte die Kraft der Farben bei den Expressionisten und die visionäre Stärke der Surrealisten, wollte aber auf Gegenständlichkeit als Ausdrucksmittel nicht verzichten.

Bilder werden praktisch neu inszeniert

„Ich will keine Dekobilder malen, ich will die Leute anpiksen“, sagt der Oberflächenbeschichter, der in Menden bei einer Galvanik-Firma arbeitet. Er schuf zunächst Gemälde mit einer Bildebene, aber auch Collagen, in denen einzelne Komponenten stilistisch nicht aneinander gebunden sind. Unterschiedliche Tiefenschärfe, Monochromie und Farbigkeit, Glattheit und Pastosität kamen dann als technische Finessen hinzu. Mit Hilfe von Fotos und Magazinen werden die Bilder praktisch neu inszeniert, in „ein anderes Licht gesetzt“. „Ich bereite viel am PC vor, alles muss durchgeplant sein, ich kann nicht anfangen und gucken, was dann passiert“, erklärt Prenzel. Oft sei er unzufrieden mit seinen Werken, die teils erst nach einem Jahr fertig sind. Doch durch die Tatsache, dass die Farbschichten über Wochen trocknen müssen, ist das auch verständlich.

Sein beinahe spielerischer Umgang mit der Thematik der „menschlichen Tragödie“ lässt eine Ernsthaftigkeit erkennen, die durch Doppeldeutigkeiten gesteigert wird. Trotz der Farbfülle der Bilder sollen die Schattenseiten menschlicher Existenz nicht geschönt und übertüncht werden. Inhaltlich ästhetische Aspekte ignoriert der Künstler, der nicht belehren, sondern anregen will. Gewalt und Leid sind für Jürgen Prenzel allgegenwärtig, Verdrängen und Wegschauen unvertretbar.

Seit einigen Jahren ist er Mitglied des Kunstvereins Iserlohn. Seine Werke hat er bereits in Einzelausstellungen – beispielsweise 1995 im RWE-Gebäude in Hemer und 2005 in der Mendener Bauhütte – und Gruppenpräsentationen, unter anderem 2011 zum Thema „Menschenrechte“ anlässlich des 50. Jubiläums von amnesty international in Iserlohn, gezeigt.

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