Arbeitsgericht

„Ich wollte einen Unfall vermeiden“

Ein 28-jähriger Hemeraner ist in der Nacht auf Karfreitag mit seinem Ford auf der Mendener Straße verunglückt. Seinen Führerschein hat die Polizei nach dem Unfall konfisziert.

Ein 28-jähriger Hemeraner ist in der Nacht auf Karfreitag mit seinem Ford auf der Mendener Straße verunglückt. Seinen Führerschein hat die Polizei nach dem Unfall konfisziert.

Foto: Feuerwehr Iserlohn

Iserlohn.  Der Gütetermin vor dem Arbeitsgericht wurde vertagt. Die Ermittlungen zum mutmaßlichen „illegalen Autorennen in der Poser-Szene“ laufen noch.

„Es war kein illegales Autorennen“, stellte ein 28-jähriger Werkzeugmacher aus Hemer am Donnerstag die Umstände seines schweren Verkehrsunfalls vor dem Arbeitsgericht klar. Dort äußerte er sich erstmals öffentlich zu dem folgenschweren Crash in der Nacht zum 19. April auf der Mendener Straße. „Ich war mit Freunden in einer Bar an der Mendener und bin vom Poco-Parkplatz aus losgefahren. Ich bin einem Taxifahrer hinterher gefahren, ich war etwa vier Sekunden hinter ihm. Vor der Gaststätte Friesendorf in Höhe der Pütterstraße hat der Taxifahrer eine 180-Grad-Drehung gemacht. Dann ist er plötzlich ausgeschert und hat gewendet, ohne zu blinken. Da habe ich beschleunigt, um links auf der Gegenfahrbahn an ihm vorbeizukommen. Es war ja kein anderes Auto unterwegs. Da habe ich ihn an der Nase erwischt.“

Illegales Autorennen mit etlichen Schaulustigen?

Mit seinem Sportwagen Model Ford Focus ST war der Hemeraner nach Polizeiangaben stadtauswärts gerast und um 0.38 Uhr mit einem in Richtung Innenstadt fahrenden Taxi, das links abbiegen wollte, kollidiert. Nach damaligen Angaben der Polizei soll es sich um ein illegales Autorennen mit etlichen Schaulustigen aus der „Autoposer“-Szene gehandelt haben (wie berichtet).

Die Rettungskräfte hatten den schwer verletzten Hemeraner ins Krankenhaus eingeliefert. Der Taxifahrer war mit dem Schrecken davon gekommen, sein Taxi war nicht mehr fahrbereit. Bei der Kollision wurden drei geparkte Autos beschädigt. Erste Schätzungen der Polizei gingen von einem Gesamtschaden in Höhe von 78.000 Euro aus. Vor einer Hauswand kam der Sportwagen zum Stehen. Ein Polizeisprecher sprach von einem Schlachtfeld, weil Trümmerteile über weite Teile der Mendener Straße geschleudert waren.

Vor dem Iserlohner Arbeitsgericht ging es am Donnerstag „nur“ um die Entgeltfortzahlung in Höhe von rund 4200 Euro, die sein Arbeitgeber nach dem Unfall zurückbehalten hatte. Denn der Unfallverursacher war ab dem 22. April krank geschrieben. Am 31. Mai ist der bei dem Unternehmen, einer Stanzerei in Nachrodt-Wiblingwerde, ausgeschieden. „Groß fahrlässiges Verhalten entbindet den Arbeitgeber von der Verpflichtung das Entgelt fortzuzahlen“, machte Rechtsanwalt Andreas Knapp deutlich, der zusammen mit der Personalchefin des Unternehmens vor dem Arbeitsgericht erschienen war. Er trug vor, dass der frühere Mitarbeiter, der seit eineinhalb Jahren in dem Betrieb beschäftigt war, seine Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet habe. Dafür gebe es Indizien. „Es geht uns nicht ums Geld, es geht ums Prinzip.“

„Wenn es sich herausstellt, dass er mit 120 oder 100 in der Innenstadt fuhr, dann handelte er grob fahrlässig“, machte Richterin Kirsti Bäcker deutlich. „Sind Sie zu dicht aufgefahren? Warum haben Sie nicht gebremst?“ fragte sie den Werkzeugmacher.

Taxifahrer schildert den Unfallhergang anders

„Ich war, glaube ich, mit 70 oder 75 Sachen unterwegs“, sagte der Hemeraner. „Der Taxifahrer hat plötzlich gewendet und dazu mit der Schnauze in die Pütterstraße ausgeholt und dann stand er quer auf der Straße. Ich wollte einen Unfall vermeiden. Deshalb bin ich auf die Gegenfahrbahn ausgewichen.“ Dann seien sie zusammengekracht. Wie seine DGB-Rechtschutzsekretärin Linda vom Ort erklärte, würden seine Angaben durch die Zeugen gestützt, die in der Nacht vor Ort gewesen sein. Sie fand es ungünstig, dass das Strafverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Dazu erklärte Staatsanwalt Michael Burggräf auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Ermittlungen zum Unfallgeschehen noch nicht abgeschlossen sind. Auch liege das Sachverständigengutachten zu den sicher gestellten Fahrzeugen noch nicht vor. Dem Unfallverursacher war der Führerschein abgenommen worden. Den habe er auch noch nicht wieder.

Am 16. Januar kommt es zum Kammertermin, bis dahin hoffen die Beteiligten, dass sich aus dem Strafverfahren mehr Klarheit zum Unfallhergang ergibt.

Der Taxifahrer schilderte den Vorgang im Gespräch mit unserer Zeitung anders: Er sei aus Richtung Hemer gekommen und wollte auf der Mendener Straße nach links abbiegen, da sei er mit dem entgegen kommenden Ford kollidiert. Der Taxifahrer hat nach dem Totalschaden an seinem Fahrzeug bereits ein Ersatzfahrzeug angeschafft.

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