Verkehr

Immer mehr Unfallfahrer flüchten

Beim Verkehrsunfall auf der Dortmunder Straße flüchtete der Unfallverursacher.

Beim Verkehrsunfall auf der Dortmunder Straße flüchtete der Unfallverursacher.

Foto: Feuerwehr Iserlohn

Iserlohn.   Spitzenwert mit 723 Fällen – trotz hoher Strafen steigt die Zahl laut Statistik an.

Montag, 7. Mai, 22.36 Uhr, Dortmunder Straße: Ein 34-jähriger Iserlohner verursacht einen Unfall mit Verletzten. Danach flieht er zu Fuß. Laut Angaben der Polizei gibt es Hinweise darauf, dass der Fahrer unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln steht. Er wird von der Polizei geschnappt. Vier Tage vorher stürzt ein Kradfahrer am Grüner Weg, weil ihm ein kreuzender Wagen die Vorfahrt nimmt. Dieser kümmert sich nicht um den Verletzten und fährt weiter. Dass sich Fahrer vom Unfallort entfernen, ist in Iserlohn kein Einzelfall. Seit Jahren steigen die Zahlen der Unfallfluchten kontinuierlich an. Allein in der vergangenen Woche sind der Polizei elf Fälle von Verkehrsunfallfluchten im Bagatellbereich bekannt.

Laut der Verkehrsunfallstatistik der Polizei wird die Zahl der Unfallflüchtigen immer höher. 2013 gab es noch 665 Unfallfluchten, in der jüngsten Statistik für das Jahr 2017 ist die Zahl auf 723 gestiegen. Ein stetiger Zuwachs. Einzige Ausnahme ist das Jahr 2016, das von der Polizei insgesamt als „mildes“ Jahr bezeichnet wird. Polizeisprecher Dietmar Boronowski sagt: „Viele wissen einfach nicht, dass es hohe Strafen für Unfallflucht gibt.“ Die Entfernung vom Unfallort gehe eben nicht als Kavaliersdelikt durch. Fünf Punkte und ein hohes Bußgeld gebe es auch bei kleineren Vergehen. „Dabei ist es unerheblich, ob man den Zaun des Nachbarn umfährt oder einen Pfeiler der Wuppertaler Schwebebahn. In beiden Fällen ist das Unfallflucht“, sagt der Polizeisprecher. Zudem sei die Aufklärungsquote in solchen Fällen hoch. „Lackspuren können auf den Täter hinweisen“, so Boronowski. Auch gebe es oft Beobachter, die die Polizei benachrichtigen. „Viele Leute beobachten einfach alles“, sagt der Polizeisprecher. Ein Entdeckungsrisiko sei auch bei kleineren Fällen vorhanden.

Laut der Statistik ist die Aufklärungsquote für Unfallfluchten in den vergangenen Jahren gestiegen. Haben die Polizisten im Jahr 2013 noch etwa 52 Prozent aller Unfallflüchtigen erwischt, waren es 2017 mehr als 54 Prozent. Noch höher ist die Quote bei Verkehrsunfällen mit verletzten Personen. 88 Prozent aller Fälle mit Verletzten wurden 2017 aufgeklärt. 2016 waren es sogar 100 Prozent.

Was ist aber, wenn man selber beim Ausparken einen anderen Wagen anfährt? Boronowski empfiehlt auch in Zweifelsfällen einen Anruf bei der Polizei. Damit stelle man sicher, dass man keine Straftat begeht. Ein Anruf bei der Polizei ist aber nicht immer nötig. Wenn man den Geschädigten informiert, macht man sich nicht schuldig. Ein Zettel reiche aber nicht aus. „Das ist schwierig. Der kann ja wegfliegen“, erklärt Boronowski.

Geschädigte bleiben bei einer Flucht auf den Kosten sitzen

Die Geschädigten einer Unfallflucht müssen oft selbst für die Schäden aufkommen. Dr. Peter Meintz vom ADAC, der auch für Iserlohn die Pressearbeit macht, sagt: „Wenn der Schuldige nicht ermittelt werden kann, kommt nur eine Kaskoversicherung für die Schäden auf.“ Da aber auch die Beiträge bei einer Schadensmeldung steigen, müsse man sich überlegen, ob man die Versicherung informiert. „Wenn man kleine Schäden selbst bezahlt, ist das auf lange Sicht oft günstiger.“

Dass es bei den Strafen keine Ausnahmen gibt, empfindet der ADAC-Sprecher als unvorteilhaft. So hält er es für sinnvoll, dass sich Unfallflüchtige zumindest bei Bagatelldelikten auch später ohne Strafe melden können. „Eine Flucht kann ja mehrere Gründe haben. Es ist ja auch möglich, dass ein Fahrer in Panik abgehauen ist“, erzählt der ADAC-Sprecher. Die bisherige Regelung sei nicht mehr zeitgemäß. Entschuldigen will er den Tatbestand aber nicht. „Das geschieht aus Verantwortungslosigkeit und Dummheit“, betont er.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben