Sturmtief Friederike

In den Iserlohner Wäldern ist es immer noch gefährlich

Räumarbeiten im Gebiet Voßwinkel: Mit der Kettensäge trennt Forstwirt Christoph Stemmer die Äste vom Stamm ab. Er muss sich beeilen. Im Frühjahr kommen die ersten Borkenkäfer.

Foto: Michael May

Räumarbeiten im Gebiet Voßwinkel: Mit der Kettensäge trennt Forstwirt Christoph Stemmer die Äste vom Stamm ab. Er muss sich beeilen. Im Frühjahr kommen die ersten Borkenkäfer. Foto: Michael May

Iserlohn.   Abgebrochene Kronen und angeschlagene Bäume sind immer noch ein Problem auf den Trampelpfaden. Förster warnen davor, das Gebiet zu betreten.

Nach den Verwüstungen des Sturmtiefs Friederike hat das Regionalforstamt Wald und Holz weitestgehend die Sperrungen für die Wälder aufgehoben. In den Iserlohner Gebieten sind allerdings noch längst nicht alle Schäden beseitigt. Streckenweise sei ein Spaziergang durch die Iserlohner Wälder sogar gefährlich, warnen die zuständigen Forstbeamten.

„Eine direkte Sperre hat es in Iserlohn nach Friederike nicht gegeben. Ich rate aber trotzdem davon ab, in den Wald zu gehen“, sagt Forstbetriebsbeamter Sebastian Blanke, der für die Bewirtschaftung der heimischen Privatwälder zuständig ist. Auf den Hauptwegen seien bisher alle Schäden beseitigt. „Man sollte aber trotzdem immer rechts und links am Weg genau gucken, ob noch Bäume querstehen“, sagt der Forstbetriebsbeamte. Angeschlagene oder abgebrochene Bäume können streckenweise noch immer auf den Waldweg fallen. Als Hinweise für Gefahrstellen nennt Sebastian Blanke grüne Nadeln auf dem Boden, kleine Äste und Reisig. „Wenn man die auf dem Weg sieht, sollte man den Kopf sofort nach oben richten“, sagt er.

Ähnliches gelte auch für den Iserlohner Stadtwald, sagt die zuständige Försterin Julia Borghoff. „Den Wald betritt man auf eigene Gefahr. Gerade nach Friederike sollte man Vorsicht walten lassen“, sagt die Försterin. Auch sie berichtet von quer liegenden Bäumen und lockeren Baumkronen in ihrem Gebiet. Sicher ist es im Stadtwald also streckenweise auch nicht. Auf den Waldwegen ist die Lage ein wenig anders. Die sind mittlerweile von den Schäden befreit. „Das gilt aber nur für drei Meter breit ausgebaute Waldwege und nicht für irgendwelche Trampelpfade“, sagt Julia Borghoff. Eingrenzen kann die Försterin den Gefahrenbereich im Iserlohner Stadtwald nicht. „Abseits der Wege kann immer was sein“, sagt sie.

Dabei gingen die Räumarbeiten in den Iserlohner Wäldern gut voran. Die niedrigen Temperaturen in den vergangenen Wochen führten zu einem harten, zugefrorenen Boden. Die Harvester und Langholztransporter konnten durch den Wald fahren, ohne große Spuren zu hinterlassen. Frühlingshafte Temperaturen sind dagegen keine gute Nachricht für den Forstbetrieb. Der Boden weicht auf. Kommt noch ein Regenschauer dazu, wäre das für den Forstbetriebsbeamten Sebastian Blanke ein besonderes Ärgernis. „Dann wird das hier zur Schlammschlacht“, sagt er. Auch sonst ist der Beamte unter Zeitdruck. „Wenn das tote Holz liegen bleibt, breitet sich im Frühling der Borkenkäfer aus“, sagt er. Dieser Schädling ist bekannt dafür, dass er in den Wäldern Schäden anrichtet und sich stark vermehrt.

Ausbreitung der Schädlinge kann nicht gestoppt werden

Den Borkenkäfer sieht auch Julia Borghoff als Gefahr. „Es ist leider jetzt schon klar, dass wir eine Ausbreitung nicht verhindern können“, sagt sie. Noch liege zu viel Holz auf dem Boden – Nahrung für den Schädling. „Drei Tage hintereinander mit Temperaturen von etwa 18 Grad reichen aus, und die Saison beginnt für den Borkenkäfer“, sagt die Försterin. Befallene Bäume müsse man dann möglichst schnell aus dem Verkehr ziehen, damit sich die Käfer nicht noch weiter ausbreiten.

Mit der Kettensäge durch die Äste und Sträucher

Auch im Waldgebiet Voßwinkel, das von einem privaten Waldbesitzer bewirtschaftet wird, beeilen sich die Waldarbeiter, um dem Borkenkäfer möglichst wenig Nahrung zu hinterlassen. Forstwirt Christoph Stemmer stapft durch das Durcheinander von querstehenden Ästen und Sträuchern. Mit der Kettensäge geht er einen Hang herunter, um einen der umgefallenen Stämme von Ästen zu befreien. Als er mit seinem Werkzeug ansetzt, schießen die Holzspäne wie eine Fontäne aus dem Baum. Nach 20 Metern macht er einen Stopp und sägt den oberen Teil des Baumes ab. „Ein längeres Stück kann man mit unseren Maschinen nicht transportieren“, sagt der Forstwirt. Die sauber abgesägten Bäume werden an einem anderen Tag abgeholt und bleiben erst einmal liegen.

Nicht alle beschädigten Stämme bekommen in diesem Jahr allerdings die Säge zu spüren. Die Gründe dafür sind vor allem wirtschaftlicher Natur. Sebastian Blanke: „Man will nicht, dass durch ein Überangebot die Holzpreise sinken.“ Geht von einem schräg stehenden Baum also keine Gefahr aus, dann wird er erst im kommenden Jahr auf den Waldboden geholt und zugeschnitten. Försterin Julia Borghoff sieht diese Vorgehensweise ein wenig kritischer: „Wenn ein Baum schräg steht, dann ist er geschwächt und damit Nahrung für die Borkenkäfer.“ Im Stadtwald werden also möglichst alle beschädigten Bäume abtransportiert. Das dauert natürlich. Erst Ende Sommer/Anfang Herbst rechnet sie damit, dass alle Schäden des Sturmtiefs beseitigt sind. Sebastian Blanke geht dagegen davon aus, dass die Iserlohner Privatwälder nach zwei bis drei Monaten von den gröbsten Schäden des Sturmtiefs befreit sind. Das könnte aber auch daran liegen, dass sich die Förster im Iserlohner Stadtwald mit mehr Schäden auseinandersetzen müssen. Geschätzte 5000 Festmeter Holz hatte das Sturmtief im Stadtwald umgepustet, in den Privatwäldern kamen laut Sebastian Blanke 2000 bis 3000 Festmeter zu Schaden.

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