Stadtleben

Influencer geben Einblick in Internet-Welt

Luísa Lión, Nico Schwarzpaul, Gareth Runkel und Frank Jungbluth (v. li.) waren die Gäste beim Medientalk der University of Applied Sciences Europe.

Luísa Lión, Nico Schwarzpaul, Gareth Runkel und Frank Jungbluth (v. li.) waren die Gäste beim Medientalk der University of Applied Sciences Europe.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Beim UE-Medientalk wurde deutlich, dass Unternehmen immer mehr auf die virtuellen Stars setzen.

Eine aktuelle Studie der Marketingfirma InfluencerDB besagt zwar, dass das Interesse an Influencern und deren Beiträgen abnimmt. Dennoch ist der Bekanntheitsgrad und der Einfluss der Internetstars enorm. Grund für die University of Applied Sciences Europe (UE), zum Medientalk rund um das Thema „Influencer, Idole, Identitäten – Einblicke in das Leben von InstaStars“ einzuladen.

Luísa Lión, Influencerin, Bloggerin und Unternehmerin, folgen bei Instagram mehr als 300.000 Menschen, sie hat mehr als 500 Marken-Partner. Nico Schwarzpaul ist nicht nur Mitglied der Geschäftsleitung der OP&V GmbH, sondern auch Influencer, Markenpartner und Werbegesicht für viele Großunternehmen. Der ehemalige UE-Student Gareth Runkel ist Experte für Influencer-Marketing und Social Media. Ebenso mit dabei war Frank Jungbluth, stellvertretender Redaktionsleiter der Heimatzeitung. Auf die Frage, ob Influencer tatsächlich als Idole angesehen werden könnten, erklärte Schwarzpaul, dass er sich nicht für eines hält. Luísa Lión sagte: „Ich sehe mich eher als ,girl next door’.“ Runkel unterstrich, dass die Idolisierung der Internetstars mit Vorsicht zu genießen sei, „weil sie durch ihren starken Einfluss eine große Verantwortung tragen“.

Dass es bei Fans auch zum Realitätsverlust kommen kann, bestritt keiner der Talkgäste. „Bei den Fotos ist viel bearbeitet, es wird mitunter eine Scheinwelt vorgegaukelt“, so Luísa Lión. Schwarzpaul erinnerte daran, dass die meisten Influencer den ganzen Tag Zeit hätten, sich um Auftritte in sozialen Medien zu kümmern. Klassische Medien, wie beispielsweise Tageszeitungen, genießen laut Jungbluth nach wie vor ein großes Vertrauen. Das zeige sich unter anderem bei Kommentaren zu „brenzligen“ Themen: Im Internet werde hemmungslos kommentiert und kritisiert, gehe es jedoch darum, Stellung bei einer Zeitungsumfrage zu beziehen, würden sich viele verweigern. Luísa Lión erklärte: „Ein Beitrag in Print hat eine deutlich höhere Wertigkeit als online.“

Viele Firmen starten erst jetzt mit der Kooperation

„Man kommt in keiner Weise an Influencern vorbei“, unterstrich Nico Schwarzpaul, dass Marketing-Experten sich vor diesem Bereich kaum mehr verschließen könnten. Gareth Runkel sagte: „Das ist ein Riesenbusiness geworden, auch ich verdiene mein Geld durch Internet-Marketing.“ Werbebudgets würden umverteilt, viele große Firmen würden jetzt erst mit der Zusammenarbeit mit Influencern beginnen, wobei insbesondere diejenigen mit mittelgroßen Followerzahlen, Micro-Influencer genannt, immer wichtiger würden, weiß Luísa Lión. Auch Runkel bestätigt, dass Micro-Influencer eine stärkere Position erlangen, weil sie enger an Marken gebunden seien. Und: „Es gibt einen viel professionelleren Umgang mit Unternehmen, ich sehe da Riesenpotenzial.“

Dennoch bemerken Luísa Lión und Nico Schwarzpaul Einbrüche bei Klickzahlen, was einerseits an technischen Veränderungen der Plattform liege. Auf der anderen Seite funktioniert es inzwischen besser, mit Videos statt Fotos Aufmerksamkeit zu erlangen. Jungbluth sagte, dass die Reichweite der Heimatzeitung durch die Nutzung von Facebook deutlich gestiegen sei, und dass es demnächst auch einen Instagram-Auftritt geben wird.

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