Benefizkonzert

Inspiriert von der Begegnung mit einem Bettler

„Vereint“ beim Charity-Konzert in der Reformierten Kirche

Foto: Tobias Grimm

„Vereint“ beim Charity-Konzert in der Reformierten Kirche Foto: Tobias Grimm

Iserlohn.  Junge christliche Musiker vom Netzwerk „Vereint“ haben in der Reformierten Kirche gezeigt, was Mut bedeutet.

„Es tut uns leid, dass wir immer wieder nachstimmen müssen“, entschuldigt die Band sich beim Publikum für kleinere Pausen während des Konzertes, Grund sei die ungewohnt kühle Raumtemperatur. Die Atmosphäre in Gotteshäusern mag den einen oder anderen auch im Sommer frösteln lassen, die Reformierte Kirche jedoch wurde am Donnerstabend zu einem Hort familiärer Behaglichkeit. Ein Dutzend junger Leute vom Musikernetzwerk „Vereint“ hatten zu einem Wohltätigkeitskonzert eingeladen, und trotz – oder vielleicht wegen – des strömenden Regens blieb keine Stuhlreihe unbesetzt. Die Klangmacher sind auch gute Stimmungsmacher und verstanden es, für einen lockeren Umgang zu sorgen.

Persönliche Berichte aus dem Leben berühren die Zuhörer

Man ist per Du, aber nicht wie bei Starbucks. Statt sich ihren Gästen mit aufgesetzter Fröhlichkeit anzubiedern, öffnen sich Sarah, Luka, Anne, Tobi und ihre Freunde und erzählen von persönlichen Erlebnissen, die sie zu ihren Songs inspiriert haben. „Ich versuchte mich in Nürnberg als Straßenmusikerin, und es lief nicht gut“, erinnert sich Sarah. Auf der Flucht vor der Lautsprecherbox eines Jamaikaners sei sie einem Bettler begegnet. „Ich erinnerte mich an ein Video aus dem Internet, wo sich ein Straßenmusiker zu einem Bettler setzt und am Ende das Geld mit ihm teilt“, berichtet sie weiter. Erst habe sie sich nicht so richtig getraut, gibt sie zu, habe dann aber höflich gefragt – mit Erfolg: „Plötzlich lief es so gut wie nie zuvor oder seitdem. Einen Zwanzig-Euro-Schein hatte ich beim Gitarrespielen auf der Straße noch nie bekommen. Der Bettler bedankte sich erst immer wieder bei mir und rief dann nur noch ,Danke, Herr’, bis wir beide Tränen in den Augen hatten.“ Der Song, den sie nach dieser Erfahrung schrieb, trägt den Titel „Engel sein“. Das Ergebnis ist gefühlvoller Deutschpop, teilweise mit einer Prise Rock oder Folk. Akustikgitarre, Geige, Bass, Keyboard, Schlagzeug, Xylophon, Mundharmonika, Ukulele und Gesang in achtzehn Beiträgen vom eigenen Song „Heimweh“ bis zum Afro-Amerikanischen Spiritual „Down in the River to Pray“ lassen die Zeit nicht lang werden. Weder die Mischung noch die Wahl der Spirituals ist Zufall: Die Mitglieder des „Vereint“-Netzwerks haben größtenteils die christlich geprägte Musikakademie „Schallwerkstatt“ im baden-württembergischen Kandern besucht, erklärt Eva Maria Bellinghausen.

„Mut ist Aufstehen für das, was dir am Herzen liegt“

Die 29-Jährige ist in Iserlohn aufgewachsen und lebt heute in Köln, wo sie als Logopädin und Stimmbildnerin arbeitet. „Wir haben so viel Zeit an der Musikschule zusammen verbracht, da haben wir uns gedacht, wir müssen einen Weg finden, auch später noch zusammen zu spielen und etwas Gutes zu tun“, erklärt Eva Maria zur Gründung des Netzwerks. Die Erlöse der Charity-Tournee, die die jungen Musiker an diesem Wochenende noch nach Bielefeld und Hannover führt, gehen an die Hilfsorganisation IJM, die sich gegen weltweit gegen Menschenhandel und Sklaverei einsetzt.

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